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Totgeglaubtes Unfallopfer liegt im Koma "Es war ein Schock"


Ein Unfallopfer wird für klinisch tot erklärt, doch dann "zappelt" der vermeintliche Leichnam in der Pathologie. Wie kann das sein? Mediziner sind ratlos. Für den Bestatter war es ein Schock-Erlebnis.

Eine totgeglaubte Frau, die nach einem Unfall in Schleswig-Holstein im Sarg abtransportiert wurde, liegt nun im Koma. "Die Frau hat schwerste Kopfverletzungen und weitere Verletzungen erlitten und ist vier Stunden lang operiert worden", sagte Geschäftsführer Harald Stender vom Westküstenklinikum in Heide am Dienstag. Wie es zur falschen Todesdiagnose des Notarztes kommen konnte, ist derzeit weiterhin rätselhaft.

Die 72-Jährige war nach einem schweren Unfall auf der Autobahn A 23 bei Itzehoe am Montag zunächst für tot erklärt und in einem Sarg weggebracht worden. Dann bemerkte der Bestatter in der Pathologie, dass die vermeintliche Leiche noch atmete.

... auf einmal fing die Tote an zu zappeln

"Es war ein Schock", berichtete der Bestatter. Die vermeintliche Tote sollten er und sein Helfer mit dem Leichenwagen in die Pathologie des Klinikums Itzehoe bringen. "Wir brachten die Tote mit dem Fahrstuhl in den Keller, sie steckte bis über ihren Kopf in einer Decke. Im Fahrstuhl fing sie dann auf einmal an zu zappeln."

Als die Männer den Leichensack öffneten, habe die Frau nach Luft geschnappt. Sie habe noch EKG-Pflaster auf der Brust gehabt. "So was habe ich in über 25 Jahren als Bestatter noch nicht erlebt." Die Frau kam auf die Intensivstation in Itzehoe und wurde später wegen ihrer Kopfverletzungen nach Heide verlegt.

Weiteres Opfer schwebt in Lebensgefahr

Der Arzt Marko Fiege vom Klinkum Itzehoe meinte, für die Diagnose "klinisch tot" erfolge eine umfassende klinische Einschätzung. Dabei flössen neben dem EKG auch Blutdruck, Puls, Atmung und die jeweiligen Verletzungsmuster ein. "Die Frau muss noch eine Eigenatmung gehabt haben, nur konnte sie offenbar am Unfallort nicht wahrgenommen werden." Dass lediglich eine Elektrode des EKG abgerutscht und deswegen kein Herzschlag mehr feststellbar gewesen sein könnte, kann Fiege zufolge die Fehldiagnose nicht erklären.

Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Autos starben eine Frau, 36, und ein Junge, 6, aus Husum. Außerdem gab es sechs Schwerverletzte, unter ihnen drei Kinder. Ein 18-jähriger Fahranfänger war mit seinem Kombi in einer Autobahnbaustelle auf die nicht mit einer Leitplanke gesicherte Gegenfahrbahn geraten. Er schwebe weiter in Lebensgefahr, teilte das Klinikum Itzehoe am Dienstag mit.

"Dramatische Umstände bedenken"

"Der Fall der für klinisch tot gehalten Frau ist an sich ungewöhnlich, aber man muss die dramatischen Umstände mitbedenken", sagte der Sprecher der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein, Christian Mandel. An den Unfallort rasten vier Rettungswagen mit zwölf Rettungsassistenten und vier weitere Notarzteinsatzwagen.

"Außerdem war noch der leitende Notarzt dabei, der aber nicht selber diagnostiziert und behandelt, sondern den medizinischen Einsatz koordiniert. Ein leitender Notarzt muss relativ schnell Entscheidungen treffen: Leicht verletzt, schwer verletzt oder auch klinisch tot", sagte Mandel. Er müsse zudem medizinische Behandlungen und Krankenhaustransporte anweisen.

Am Vortag hatte das Klinikum Itzehoe nach Rücksprache mit dem leitenden Notarzt zur Situation unmittelbar nach dem Unfall erklärt: "Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt fehlenden Vitalzeichen und Schwere der Verletzungen wurde die Patientin als klinisch tot eingeschätzt. Die Versorgung wurde auf die verletzt liegenden Unfallopfer ausgerichtet."

Matthias Hoenig/DPA DPA

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