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Transrapid: Mit Tempo 170 in den Tod

Der Transrapid ist auf der Teststrecke im Emsland mit 170 Stundenkilometern in einen Werkstattwagen gerast. 23 Menschen sind ums Leben gekommen, die Bahn sprang aus dem Gleis. Bundeskanzlerin Merkel hat sich am Unfallort bestürzt gezeigt.

Ein Transrapid ist am Freitag mit Tempo 170 auf der Teststrecke im Emsland in einen Werkstattwagen gerast und hat nach Polizeiangaben vom Abend 23 Menschen in den Tod gerissen. Wegen der unübersichtlichen Lage und der schwierigen Rettungsarbeiten war die Polizei zwischendurch von 25 Toten ausgegangen. Weitere zehn Menschen hätten die Katastrophe verletzt überlebt, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Karlheinz Brüggemann. Bis zum Abend waren den Angaben zufolge alle 35 Unfallopfer aus den Zugtrümmern geborgen worden. "Wir gehen davon aus, dass es keine weiteren Opfer mehr gibt", sagte eine Polizeisprecher am späten Abend. Fast 400 Rettungskräfte hatten den ganzen Tag darum gekämpft, zu den Opfern im völlig zerstörten vorderen Zugteil zu gelangen.

Die Betreibergesellschaft und die Staatsanwaltschaft Osnabrück vermuteten menschliches Versagen als Unglücksursache. Zusätzlich seien auch technische Fehler - etwa Funkprobleme - denkbar, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Bei Einhaltung aller Bestimmungen wäre dieser Unfall nicht möglich gewesen", sagte der Geschäftsführer der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG), Rudolf Schwarz, am Abend.

Merkel spricht Angehörigen Beileid aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Abend am Unfallort. Sie sprach den Angehörigen der Opfer im Namen der Bundesregierung ihr tiefes Beileid und Mitgefühl aus. "Ich bin aus traurigem Anlass hier", sagte sie in Lathen. Die Bundeskanzlerin hatte politische Gespräche abgebrochen und war an den Ort der Katastrophe geeilt. "Ich habe mir ein Bild nach dem Unglück machen können", sagte Merkel sichtlich erschüttert. Zahlreiche weitere Politiker äußerten ihre Bestürzung.

33 Menschen an Bord

Die führerlose Schwebebahn war am Vormittag mit vermutlich 33 Fahrgästen an Bord bei Lathen in Niedersachsen gegen einen Werkstattwagen gerast. Auf diesem Wagen waren zwei Angestellte wie jeden Morgen damit beschäftigt, die Strecke von Ästen und Schmutz zu befreien. Normalerweise hätte der Transrapid erst starten dürfen, nachdem der Arbeitswagen die Strecke verlassen hatte. Die beiden Angestellten auf der Arbeitsplattform sollen den Unfall schwer verletzt überlebt haben.

Um 9.59 Uhr ging der Notruf in der Rettungsleitstelle des Kreises ein. Daraufhin eilten zunächst mehr als 150 Hilfskräfte zur Unglücksstelle zwischen den Orten Lathen und Melstrup. Der Zug war nach dem Unfall zwar nicht von der rund fünf Meter hohen Trasse der Schwebebahn gekippt. Allerdings war der vordere Zugteil nach dem Aufprall zerstört und hing von den Stelzen herab. Trümmer und Kleidung lagen auf mehreren hundert Metern entlang der Unglückstrasse verstreut. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab, um Schaulustige abzuhalten.

Mit zwei Kränen versuchten die Rettungskräfte, Teile des Wracks anzuheben, um zu den Eingeschlossenen zu gelangen. 10 Menschen wurden schwer verletzt in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Privatleute waren in der Bahn

In dem Unglückszug befanden sich laut Polizei Angestellte des Energieversorgers RWE sowie Mitarbeiter der Versuchsstrecke. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um Beschäftigte des Regionalcenters Nordhorn, die aus den niedersächsischen Orten Nordhorn, Veldhausen und Meppen stammen. Weitere drei Passagiere sind der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge Mitarbeiter eines Papenburger Pflegedienstes.

Warum diese Gruppe von Menschen im Zug mitfuhr, war zunächst nicht bekannt. Die Industrieanlagen Betriebsgesellschaft (IABG) als Betreiberin betonte, es habe sich nicht um eine Besucherfahrt, sondern um eine "Messfahrt" gehandelt. Weitere Einzelheiten nannte die Gesellschaft nicht. Ob der Zug keine Abfahrtgenehmigung hatte oder der Werkstattwagen nicht im Einsatz hätte sein dürfen, blieb zunächst offen.

450 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit

Der Transrapid fährt seit 1984 auf der Teststrecke im Emsland. Auf der 31,5 Kilometer langen Versuchsanlage erreicht die Schnellbahn Geschwindigkeiten bis zu 450 Stundenkilometern. Die Strecke mündet im Norden und Süden in zwei Wendeschleifen - dazwischen liegt ein 12 Kilometer langer Abschnitt, der für die Höchstgeschwindigkeit ausgelegt ist. Die Versuchsanlage liegt zwischen den Gemeinden Dörpen und Lathen im Kreis Emsland nahe der holländischen Grenze. In Deutschland wird derzeit über eine Transrapid-Verbindung zwischen dem Münchner Flughafen und der Innenstadt verhandelt. Das Projekt droht jedoch an den hohen Kosten zu scheitern, die für die 38 Kilometer lange Strecke auf bis zu 1,85 Milliarden Euro geschätzt werden.

stern.de/AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters