HOME

Weihnachtswetter: Stürme über Westeuropa sorgen für Chaos

Umgeknickte Bäume, gekappte Stromleitungen, ein entgleister Zug, mehrere Tote und etliche Verletzte: Orkantief "Dirk" hat den Westeuropäern einen stürmischen Weihnachtsbeginn beschert.

Hier bitte keinen Weihnachtsspaziergang: Wellen brechen an der Kaimauer von San Sebastian

Hier bitte keinen Weihnachtsspaziergang: Wellen brechen an der Kaimauer von San Sebastian

Stürmische Weihnachten: Ausläufer des Orkantiefs "Dirk" sind über Westeuropa hinweggezogen und haben vermutlich vier Menschen das Leben gekostet. In Großbritannien, Frankreich und Spanien waren an Heiligabend Hunderttausende Haushalte ohne Strom. In Nordwestspanien riefen die Behörden die höchste Alarmstufe aus. Nach Deutschland trieb der Sturm milde Luft.

In Großbritannien kamen zwei Menschen ums Leben. Am Montag wurde im nordenglischen Cumbria ein Mann in einen Fluss gespült - Rettungskräfte konnten nur noch die Leiche bergen. In einem Fluss in Wales wurde am Dienstag die Leiche einer Frau gefunden. Bei Verkehrsunfällen starben weitere Menschen - ob ein Zusammenhang zu den Unwettern bestand, konnte die Polizei zunächst nicht sagen.

Der Weihnachtsverkehr kam in Teilen Großbritanniens streckenweise zum Erliegen. In der Nacht zum Dienstag saßen zahlreiche Autofahrer im Hafen von Dover fest, weil der Fährverkehr gestoppt werden musste. Eine Fähre vom englischen Portsmouth ins nordspanische Bilbao habe in Nordfrankreich festmachen müssen, weil der Sturm für das Schiff zu heftig war, berichtet "Daily Mail". Mehrere Autofahrer waren in ihren Wagen eingeschlossen, weil sie auf überfluteten Straßen weder vorwärts noch zurück konnten.

Verzögerungen in Heathrow und Gatwick

Zahlreiche Zugverbindungen mussten eingestellt werden, auf anderen Strecken konnten die Bahnen nur mit verminderter Geschwindigkeit fahren.

Die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick rechneten mit Verzögerungen. Die Flüge von und nach Lille im Norden Frankreichs wurden gestrichen, auch im bretonischen Brest war der Flugverkehr beeinträchtigt. Mehrere Zugverbindungen in der Bretagne wurden unterbrochen. Vom Mittag an nahm der britische Wetterdienst Met Office seine Wetterwarnungen jedoch weitgehend zurück. Der Sturm sollte dann nur noch im Norden Schottlands und Nordirlands weiter wüten.

Mindestens zwei Tote in Frankreich

Bei heftigen Stürmen im Nordwesten Frankreichs wurden vermutlich zwei Menschen getötet. In der Nacht zu Dienstag waren nach Angaben des Energieversorgers ERDF rund 240.000 Haushalte ohne Strom, davon etwa 130.000 in der Bretagne.

In Saint-Germain-de-Tallevende im Calvados starb am Montag ein zwölf Jahre altes Kind, als auf einer Baustelle eine Mauer einbrach. Bei der Staatsanwaltschaft in Caen hieß es, der Unfall könne mit dem Sturm zusammenhängen.

Rund 200 Kilometer nordwestlich von Brest wurde ein russischer Seemann bei bis zu sieben Meter hohen Wellen von Bord des niederländischen Frachters "Victoriaborg" gespült. Die Suche nach dem Mann sollte nach Polizeiangaben am Dienstag fortgesetzt werden. Das Frachtschiff selbst musste von einem Schlepper gesichert werden.

Zug entgleist

Im Nordwesten Spaniens und Portugals knickte der Sturm Bäume um und ließ in mehreren Orten die Stromversorgung zusammenbrechen. Bei der Ortschaft Covas in der Region Galicien stürzte ein Baum auf die Gleise einer Schmalspurbahn und brachte einen Zug zum Entgleisen. Wie die Bahngesellschaft am Dienstag mitteilte, waren die zehn Fahrgäste bei dem Unglück am Vorabend unverletzt geblieben. Sie wurden per Taxi an ihre Reiseziele gebracht.

Für die Atlantikküste in Galicien gaben die Behörden die höchste Alarmstufe. Dort wurden Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 140 km/h und heftige Regenfälle erwartet. Auf dem Flughafen von Bilbao im Baskenland wurden am Dienstag wegen des Unwetters mehrere Flüge gestrichen.

In Galicien fiel in mehreren Orten in den Gegenden von La Coruña und Pontevedra zeitweise der Strom aus, weil der Sturm Leitungen von den Masten gerissen hatte. Das Sturmtief war von Großbritannien in den Nordwesten Spaniens gelangt. Nach Vorhersagen des spanischen Wetteramts wurde erwartet, dass es sich auch auf andere Teile der Iberischen Halbinsel ausdehnen würde.

Mildes Weihnachtswetter in Deutschland

Das Orkantief auf dem Ostatlantik bringt laut "Deutschem Wetterdienst" (DWD) Deutschland an der Küste sowie im Bergland zwar viel Wind, aber mildes Wetter. An den Alpen kommt Föhn auf, im Westen herrscht gebietsweise Dauerregen. Laut wetter.net erreichen die Temperaturen tagsüber elf Grad, nachts kühlt es dann auf 6 Grad ab. "Die Weihnachtsgans kann man in diesem Jahr getrost auf dem Balkon grillen", sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold.

"In diesem Jahr dominiert ein mächtiger Tiefdruckkomplex aus dem Orkantief "Dirk" mit Kern über dem Nordmeer und seinem Randtief "Christian" über der Bretagne unser Weihnachtswetter mit milder Meeresluft", ergänzte DWD-Meteorologe Thomas Ruppert.

Über Weihnachten soll "Dirk" laut DWD nordwärts wandern. Sein Frontensystem schleppe er über Deutschland und Europa hinweg nach Osten. "So ist für genug Regen gesorgt, und in höheren Lagen fällt Schnee", sagte Ruppert. Nachdem an Heiligabend der Südwestwind auf den Bergen in Böen Orkanstärke erreichte, wird der erste Weihnachtsfeiertag am Mittwoch völlig verregnet. Oberhalb von 1300 Metern fällt Schnee. Nur im äußersten Osten und Südosten und später auch wieder im Nordwesten soll es weitgehend trocken sein.

Am Donnerstag lässt der Regen in den meisten Regionen allmählich nach, aber in Bayern bleibt es nass, und in den Alpen schneit es oberhalb von 700 Metern ergiebig. Am Freitag erwarten die Meteorologen das nächste Sturmtief bei den Britischen Inseln. Seine Ausläufer greifen auf Deutschland über. Insgesamt werde es windig bis stürmisch bleiben, vor allem an der See und im Bergland. Bis ins neue Jahr werde sich daran nichts ändern.

swd/tkr/anb/DPA/AFP / DPA