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Konferenz in Doha Deutschland verliert beim Klimaschutz an Boden

Trotz Energiewende: Deutschland rutscht im neuen Klimaschutz-Index ab. Die Studie zeigt darüber hinaus: Wirtschaftskrisen sind ein Glücksfall für die Umwelt.

Die klimaschädlichen Emissionen durch fossile Energieträger wie Erdöl steigen weltweit weiter an. Ein Ende dieses Trends sei weiterhin nicht in Sicht, heißt es in dem am Montag veröffentlichten achten Klimaschutz-Index der Organisationen Germanwatch und Climate Action Network (CAN). Der Index listet die 58 Länder mit dem höchsten CO2-Ausstoß nach ihren Klimaschutzleistungen auf.

Dabei schneidet Europa weltweit am besten ab. Gründe dafür sind die Wirtschaftskrise und eine vergleichsweise gute Klimapolitik. Spitzennoten verteilte Germanwatch in diesem Jahr aber nicht. Die Plätze eins bis drei blieben wieder frei, da keines der 58 untersuchten Industrie- und Schwellenländer nach Ansicht der Autoren genug tut, um den Klimawandel zu bremsen. Bestplatziertes Land ist Dänemark. Deutschland fiel in der Bewertung um zwei Plätze auf Rang acht.

"Solange die EU blockiert ist und sich nicht darauf einigen kann, die Emissionen bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren, werden sich die Länder der EU nicht mehr lange auf den vorderen Plätzen halten können", warnte Wendel Trio vom Climate Action Network Europe.

Die Klimagipfel von Rio bis Doha


Rio de Janeiro 1992 Auf dem Gipfel von Rio vereinbaren die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase zu begrenzen. Sie dürfen nur so weit steigen, dass sich "die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Rund 190 Staaten haben die Klimarahmenkonvention (UNFCCC) ratifiziert, darunter die USA.

Kyoto 1997

:Das Protokoll von Kyoto gilt als erster konkreter Schritt, um die Rio-Ziele umzusetzen. Die Industriestaaten vereinbaren, den Ausstoß wichtiger Treibhausgase von 1990 bis 2012 um mindestens 5 Prozent zu senken. Die USA und Kanada treten später aus.

Kopenhagen 2009

: Die Konferenz scheitert darin, eine Fortsetzung des Kyoto-Protokolls zu vereinbaren. Die Staaten nehmen lediglich "zur Kenntnis", dass die Erdtemperatur um nicht mehr als zwei Grad steigen sollte, und versprechen Geld für die Entwicklungsländer.

Cancún 2010

: Die Konferenz vereinbart lose Fahrpläne für die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls und für die Klimaziele der USA und der Entwicklungsländer. Alle einzelnen Länder werden zu mehr Klimaschutz ermahnt, damit das globale Zwei-Grad-Ziel erreicht wird.

Durban 2011

: In Südafrika beschließen die EU und andere Kyoto-Staaten eine zweite Phase des Kyoto-Protokolls ab 2013. China, die USA und weitere Staaten wollen bis 2015 bei einem globalen Klimaabkommen mitmachen, das feste Reduktionsziele ab 2020 enthält.

Doha 2012

: Im Ölstaat Katar sollen konkrete Punkte von Kyoto 2 festgelegt werden. Entwicklungsländer fordern konkretere Geldzusagen.

DPA

Spitzenreiter Dänemark

Die Experten lobten in Dänemark den Trend zu immer weniger CO2-Emissionen sowie die Klimagesetzgebung. Schweden folgt auf Rang fünf. "Für eine Überraschung sorgte in diesem Jahr der sechste Platz von Portugal", heißt es im Bericht. Bedingt durch die schwere Wirtschaftskrise seien dort - wie auch in Spanien, Italien, Irland und Griechenland - die Emissionen deutlich zurückgegangen. Anders als die übrigen Euro-Krisenländer habe Portugal aber seine positive Klimapolitik fortgeführt. Die Wirtschaftskrise sei nur ein "kurzfristiger Faktor", auf dem sich kein Land ausruhen dürfe.

"Deutschland hat etwas an Boden verloren", stellen die Autoren fest. Zwar könne die deutsche Energiewende ein Modell für andere Länder sein, die versuchen, von fossilen Energieträgern loszukommen. Gleichzeitig aber befürchten die Experten, dass die Energiewende und der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland ins Stocken geraten könnten. Berlin müsse entschlossener handeln, hieß es. Insgesamt aber seien die Investitionen in erneuerbare Energien vielversprechend - und das nicht nur in Deutschland.

Auch China (54) und die USA (43) hätten in den vergangenen Jahren massiv investiert. Das werteten die Autoren im Falle Chinas als einen "Lichtblick", da sich das Emissionsniveau dort immer weiter verschlechterte. Die USA hätten - ausgehend von einem sehr hohen Emissionsniveau - ihren CO2-Ausstoß deutlich senken können. Grund dafür seien aber vor allem wirtschaftliche Einbrüche gewesen. Kanada schnitt beim Klimaschutz als schlechtester der Industriestaaten ab.

Deutsche Firmen zahlen Milliarden für Umweltschutz

Das finanzielle Engagement der deutschen Unternehmen im Umweltschutz hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Vom Baugewerbe abgesehen hätten die Unternehmen des produzierenden Gewerbes im Jahr 2010 rund 24 Milliarden Euro in den Umweltschutz gesteckt, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Im Vergleich zu 2009 habe das einen Anstieg um 7,6 Prozent bedeutet. Sechs Milliarden Euro seien dabei 2010 in Investitionen in eine umweltschonende Ausstattung der Betriebe geflossen, teilten die Statistiker mit. Den laufenden Umweltschutz hätten sich die Betriebe 17,8 Milliarden Euro kosten lassen. Ein Großteil dieses Geldes sei in Betrieb und Wartung etwa von Klär-, Luftfilter- oder Entsorgungsanlagen geflossen. (AFP)

Saudi-Arabien, Iran und Kasachstan sind Schlusslichter

Schlusslichter sind erneut Saudi-Arabien, Iran und Kasachstan. Sie sind abhängig von ihren Öl- und Gasexporten. "Einen Funken Hoffnung verbreitet Saudi-Arabiens Ankündigung, eine Investitionsstrategie in erneuerbare Energien vorzulegen", heißt es in der Studie. Katar wurde nicht bewertet. Bei den Emissionen aber schneide der Gastgeber der Klimakonferenz noch schlechter als Saudi-Arabien ab.

Für den Klimaindex bewerten die Experten die Höhe der Emissionen, den Emissionstrend, den Anteil erneuerbarer Energien und die Klimapolitik. Germanwatch hatte zusammen mit dem Climate Action Network (CAN Europe) 58 Länder untersucht, die für 90 Prozent der weltweiten, energiebedingten Kohlendioxidemissionen verantwortlich sind. Sie berücksichtigten Daten bis zum Jahr 2010. Im Bereich Politik wurden dagegen auch jüngste Entwicklungen einbezogen.

kng/dho/DPA/AFP DPA

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