VG-Wort Pixel

Chinesische Propaganda Die Gedankenwelt des Xi Jinping: Ein neues Schulfach soll die Ideologie des Machthabers lehren

Xi Jinping Gedankengut
Xi Jinping Gedankengut als neues Schulfach: Chinesische Schüler sollen ihren Staatschef kennen und ihr Land lieben lernen
© Hector RETAMAL / AFP
Lernen ist Staatssache – zumindest in China. Ein neues Schulfach soll bereits Grundschülern die "Liebe zum Vaterland" lehren. Kritiker sprechen von "Gehirnwäsche"

Chinas knapp 300 Millionen Schüler lernen seit Mittwoch die Ideologie von Staats- und Parteichef Xi Jinping von einem starken China und der Führung der allmächtigen Kommunistischen Partei. "Xi Jinpings Gedankengut über den Sozialismus chinesischer Prägung für eine neue Ära" wurde zum Schulbeginn auf den Lehrplan gesetzt. Es soll jungen Menschen helfen, "den Glauben in den Marxismus aufzubauen und das Vertrauen in den Weg, die Theorie, das System und die Kultur des Sozialismus chinesischer Prägung zu stärken", wurde das Bildungsministerium zitiert.

Grundschulen sollen sich darauf konzentrieren, "die Liebe zum Vaterland, zur Kommunistischen Partei und zum Sozialismus zu kultivieren", berichtete die "Global Times", die vom Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird. In den Mittelschulen soll jungen Menschen mit dem Wissen geholfen werden, grundlegende politische Meinungen zu formulieren, während in den Hochschulen mehr die Theorie im Mittelpunkt stehe, hieß es. Die neuen Lehrinhalte sind Teil der zunehmenden Ideologisierung und des Personenkults um Xi Jinping.

Anekdoten aus dem Leben des chinesischen Machthabers

2018 hatte die chinesische Staatsregierung "Xi Jinpings Gedankengut" in der Verfassung festgeschrieben. Seitdem hatten vor allem offizielle Stellen heroische Zitate des Staatschefs rezitiert. Jetzt werden sie an die jüngsten in der Gesellschaft weitergetragen. Neue Schulbücher, deren Cover das Gesicht des chinesischen Machthabers sowie dessen Zitat zieren, sollen Grundschülern die Errungenschaften der chinesischen Ziviliation und der Kommunistischen Partei näherbringen.

Wie unter anderem britische Medien berichteten, werden die Unterrichtsstunden mit Anekdoten über Xi Jinping und seinen Begegnungen mit dem Volk gefüllt. Schulbücher für höhere Klassenstufen enthielten komplexere Themen über Chinas Errungenschaften in der Raumfahrt und die Geschichte über die Entwicklung hin zur "modernen sozialistischen Supermacht".

Anonyme Kritik in sozialen Netzwerken

Kritiker sprachen von "Gehirnwäsche" und dem Versuch, die nachwachsende Generation zu beeinflussen und Unterstützung für die Partei und Xi Jinping sicherzustellen. Es geht um Themen wie "Es gäbe kein neues China ohne die Kommunistische Partei" oder "Der Schutz der nationalen Sicherheit ist jedes Bürgers Pflicht" oder "Wir folgen der Kommunistischen Partei mit ganzem Herzen". Auch wird auf die Sorge von "Großvater Xi" um das chinesische Volk abgehoben.

Der Sechstklässler Xu trägt seinen körperbehinderten, besten Freund Zhang täglich in die Schule.

Wie der britische "Guardian" berichtete, melden sich auch anonyme Kritiker in den sozialen Medien zu Wort. "Können wir dem standhalten?", frage etwa ein anonymer User auf der Plattform Weibo. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge regt sich auch unter den Eltern Protest. "Ich hasse den Gedanken, dass Kinder gezwungen werden, Ideologien zu studieren", sagte die Mutter eines zehnjährigen Schülers in der Provinz Jiangsu dem Blatt. Ein Vater bezeichnet das neue Schulfach als "widerwärtig". Er könne hoffen, dass seine Tochter das Gelernte nach den Prüfungen wieder vergesse.

Die Expertin für Internationale Angelegenheiten von der Technichen Hochschule Georgia, Wan Fei-Ling, sagte dem "Guardian", dass die Schulbücher ein Beispiel dafür seien, wie die Kommunistische Partei den Personenkult eines Anführers mit maoistischen Zügen fördert. Für viele Schüler könnte der Unterricht eher langweilig sein, andere würden ihn im besten Fall gar nicht ernst nehmen.

Quellen:BBC, "The Guardian", "Financial Times"

cl DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker