HOME

Abstimmung in Frankreich: Parlament entscheidet über Homo-Ehe

Die französische Nationalversammlung stimmt heute über die Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare ab. Gleichzeitig entscheiden die Abgeordneten über das damit verbundene Adoptionsrecht.

Demonstranten in Paris für die Einführung der Homoehe. Heute stimmt das französische Parlament darüber ab.

Demonstranten in Paris für die Einführung der Homoehe. Heute stimmt das französische Parlament darüber ab.

Nach Massendemonstrationen und erbitterten Debatten im Parlament geht die Einführung der Homo-Ehe in Frankreich in ihre Schlussphase. In der Nationalversammlung steht am Dienstag die Abstimmung über das umstrittene Vorhaben der sozialistischen Regierung auf der Tagesordnung, im April soll sich der Senat damit befassen. Einige Länder in Europa sind bei der Gleichstellung von Homosexuellen schon weiter als Frankreich, in Nachbarstaaten wie Deutschland sorgt das Thema ebenfalls für Zündstoff.

In Deutschland gibt die seit 2001 bestehende eingetragene Lebenspartnerschaft homosexuellen Paaren in einigen Bereichen ähnliche Rechte wie Heterosexuellen, doch bei der Steuer und der Adoption von Kindern ist die Gleichstellung noch nicht erreicht. Leibliche Kinder eines Partners kann zwar der andere adoptieren, als homosexuelles Paar ist eine Adoption aber nicht möglich. Ein Vorstoß des Koalitionspartners FDP, der einer weitergehende Gleichstellung vorsieht, stieß bei der Union zuletzt auf Ablehnung.

Homoehe wurde zuerst in den Niederlanden eingeführt

In Frankreich gilt bisher die seit 1999 eingeführte Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare, die sie etwa in bestimmten Steuer- oder sozialen Fragen mit heterosexuellen Paaren gleichstellt. Bei Erbschaften oder Adoption ist dies aber nicht der Fall. Nach dem Gesetzesprojekt der Sozialisten soll künftig die vollständige Gleichstellung durch die Homo-Ehe und beim Adoptionsrecht sichergestellt werden. Als weltweit erstes Land wurde in den Niederlanden 2001 die standesamtliche Ehe auch Homosexuellen zugestanden, mit denselben Rechten und Pflicht wie für Heterosexuelle, darunter auch das Recht auf Adoption.

Auch in Belgien haben Homosexuelle Paare praktisch dieselben Rechte wie Heterosexuelle. Die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen ist dort seit 2003 erlaubt, die Adoption von Kindern seit 2006. In Spanien ist die Homo-Ehe seit Juli 2005 eingeführt. Auch die Adoption durch homosexuelle Paare - ob verheiratet oder nicht - ist erlaubt. Als Vorreiter beim Adoptionsrecht erlaubt Schweden seit Mai 2009 homosexuellen Paaren, standesamtlich oder kirchlich zu heiraten. Seit 1995 bestand dort bereits die Möglichkeit zur eingetragenen Partnerschaft.

Weltweit erste eingetragene Partnerschaft in Dänemark

In Dänemark, wo als erstem Land weltweit 1989 die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle eingeführt wurde, ist die Homo-Ehe auch kirchlich seit Juni erlaubt. Das Verbot der künstlichen Befruchtung wurde schon 2007 aufgehoben und seit 2009 ist die Adoption für Homosexuelle erlaubt.

Das britische Unterhaus stimmte erst Anfang Februar für die Einführung der Homo-Ehe. Dem Gesetzesvorhaben zufolge, dem das Oberhaus noch zustimmen muss, sollen sich Schwule und Lesben standesamtlich trauen lassen dürfen. Den meisten Kirchen wird freigestellt, ob sie die Homo-Ehe zulassen wollen, in der dominierenden Anglikanischen Kirche soll sie jedoch verboten bleiben. Bisher gibt es in Großbritannien eine "bürgerliche Partnerschaft", die Homosexuellen seit 2005 dieselben Rechte bei Adoption, Erbschaft, Arbeit und Rente zugesteht wie Heterosexuellen.

Als erstes Land in Afrika führte Südafrika im November 2006 die Ehe oder Partnerschaft für Homosexuelle mit Adoptionsrecht ein. Als erstes Land Lateinamerikas tat dies im Juli 2010 Argentinien. In den USA und in Mexiko ist die Homo-Ehe nur in Teilen der beiden Staaten möglich.

ds/DPA/AFP/DPA