Afghanistan Jung bestätigt Tod deutscher Soldaten


Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) blieb am Abend nur, zu bestätigen, was während des Tages schon zur bitteren Gewissheit geworden war. Zwei Bundeswehrsoldaten wurden in Kundus durch einen Selbstmordattentäter in den Tod gerissen. Auch fünf spielende Kinder wurden zufällig Opfer des Anschlags.

Wenige Tage nach der Mandatsverlängerung für die Bundeswehr sind bei einem Selbstmordanschlag der Taliban nahe der nordafghanischen Stadt Kundus zwei deutsche Soldaten getötet worden. Fünf Kinder, die in der Nähe spielten, seien bei der Detonation ebenfalls ums Leben gekommen, sagte der Gouverneur der Provinz, Mohammad Omar. Darüber hinaus seien zwei weitere Bundeswehr-Soldaten und zwei Kinder verletzt worden. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bestätigte am Abend in Berlin die Angaben. Die Taliban hatten sich im Laufe des Tages zu dem Anschlag bekannt.

Die Soldaten gehören nach Angaben Jungs dem Fallschirmjägerbataillon 263 aus dem rheinland-pfälzischen Zweibrücken an. Bei den Toten handelt es sich um einen 25 Jahre alten Stabsunteroffizier und einen 22-jährigen Stabsgefreiten. Minister Jung, der angesichts der Ereignisse seinen Urlaub unterbrochen hatte und nach Berlin zurückgekehrt war, äußerte große Betroffenheit über den "feigen und hinterhältigen" Selbstmordanschlag. Er mache die "brutale und menschenverachtende Einstellung der Taliban" deutlich. Der Minister sprach den Angehörigen der Toten sein Mitgefühl aus.

Die Isaf teilte mit, die Angehörigen der Opfer seien benachrichtigt worden. Isaf-Sprecher Richard Blanchette sprach ihnen sein Mitgefühl aus. Der Brigadegeneral sagte: "Taten wie diese, die nichts bieten außer Gewalt und Tod, werden uns von unserem Engagement zur Schaffung eines besseren Afghanistan nicht abbringen." Auch Minister Jung betonte in Berlin, dass die Bundeswehr ihre Aufgaben in Afghanistan weiterhin erfüllen werde, "weil es darum geht, den Terror in Afghanistan zurückzudrängen, bevor der Terror nach Deutschland kommt".

Gouverneur Omar erklärte, der Anschlag sei im Distrikt Char Dara fünf Kilometer südwestlich von Kundus verübt worden. Insgesamt 160 deutsche und 30 afghanische Soldaten sowie 20 einheimische Polizisten waren an einer Suchaktion nach versteckten Waffenlagern beteiligt. Neben dem Konvoi der Bundeswehr habe sich ein Attentäter auf einem Fahrrad in die Luft gesprengt. Man habe vor dem Anschlag Erkenntnisse über fünf aus Pakistan eingesickerte Selbstmordattentäter gehabt.

In Char Dara war Ende August ein deutscher Soldat getötet worden, als sein Konvoi in eine Sprengfalle geriet. Auch zu dieser Tat hatten sich die Taliban bekannt. Die Zahl der in Afghanistan seit Beginn des Einsatzes getöteten deutschen Isaf-Soldaten stieg mit den jüngsten Opfern auf 30.

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte am Montag auf der Homepage der Aufständischen wenige Stunden nach dem Anschlag mit, ein Selbstmordattentäter namens Islamuddin habe sich in die Luft gesprengt. Zu dem Anschlag sei es gekommen, als die "Invasionstruppen" Häuser im Dorf Hadschi Amanullah nahe Kundus durchsucht hätten. Medienberichten zufolge sollen die Taliban weitere Anschläge auf die Bundeswehr angedroht haben.

Der Bundestag hatte das Mandat für den Bundeswehr-Einsatz in der Isaf am vergangenen Donnerstag für 14 Monate verlängert. Die Obergrenze wurde um 1000 auf 4500 Soldaten erhöht. Im Rahmen der Isaf sind nach Angaben der Bundeswehr derzeit gut 3300 deutsche Soldaten eingesetzt.

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Birgit Homburger erklärte, der "hinterhältige und menschenverachtende Anschlag" mache erneut das hohe Risiko der deutschen Soldaten bei ihrem Einsatz in Afghanistan für Frieden, Fortschritt und Stabilität deutlich. Der Abgeordnete der Linkspartei, Wolfgang Gehrcke, sagte, seine Fraktion habe bei der Ablehnung über die Verlängerung des Mandats an die Opfer dieses Krieges gedacht.

Studie prangert Misshandlungen durch afghanische Polizei an

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef veröffentlichte unterdessen in Köln eine Studie, wonach afghanische Polizisten Kinder und Jugendliche oft misshandeln. 36 Prozent der der befragten 247 Minderjährigen habe über Schläge und Misshandlungen durch die Polizei geklagt, 62 Prozent sagten, sie wurden im Gefängnis nachts angekettet. Das Jugendstrafrecht in Afghanistan müsse reformiert und die Ausbildung der Polizei verbessert werden, forderte Unicef.

Das Auswärtige Amt erklärte nach Angaben des ARD-Politmagazins "Report Mainz", bei der afghanischen Polizei gebe es "sicherlich Misshandlungen". Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) räumte Probleme bei der Polizeiausbildung am Hindukusch an. "Es ist uns natürlich nicht gelungen, eine Polizei in der Größenordnung von 80.000 Leuten auszubilden, die rechtsstaatlich wirklich einwandfrei handeln," sagte GdP-Chef Konrad Freiberg dem Magazin. Seit 2002 haben deutsche Experten rund 24.000 afghanische Polizisten aus- und fortgebildet.

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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