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Afghanistan: Schusswunden bei toter Geisel festgestellt

Deutsche Beamte haben den Leichnam des in Afghanistan getöteten Deutschen untersucht und Schusswunden festgestellt. Die Todesursache bleibt jedoch weiter unklar - womöglich war der Mann bereits tot, bevor man auf ihn schoss.

Der Leichnam des in Afghanistan getöteten Deutschen weist nach Angaben des Auswärtigen Amtes Schusswunden auf. Dies habe sich bei einem ersten Augenschein durch deutsche Beamte gezeigt, sagte AA-Sprecher Martin Jäger am späten Sonntagabend auf Nachfrage. Die Leiche befinde sich seit dem Abend in Kabul. "Eine abschließende Aussage zur Todesursache lässt sich zur Stunde nicht treffen", erklärte der Sprecher.

Über die Todesursache gibt es bislang widersprüchliche Angaben. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte gesagt, der Ingenieur sei an Erschöpfung gestorben und nichts weise auf einen Mord hin. Dagegen hieß es in westlichen Sicherheitskreisen in Afghanistan, die Leiche weise eine tödliche Schusswunde auf.

Der Sprecher des Gouverneurs von Wardak schloss nicht aus, dass der Ingenieur auf einem strapaziösen Fußmarsch durch die Berge Afghanistans zusammengebrochen war und seine Entführer später auf ihn feuerten. Der Leichnam des Mannes soll nun möglichst schnell nach Deutschland übergeführt und dort obduziert werden.

Telefonkontakt mit lebender Geisel

Die Getötete war einer der beiden Deutschen, die seit Mittwoch in Afghanistan vermisst werden. Die Bemühungen um das Leben des zweiten ins afghanische Bergland verschleppten deutschen Ingenieurs gehen unterdessen weiter. Ein von den Kidnappern freigelassener Afghane sagte der Polizei, der Deutsche und vier weitere mit ihm entführte Afghanen seien noch am Leben, berichtete der Sprecher des Gouverneurs der in Zentralafghanistan gelegenen Provinz Wardak. Zudem soll es laut Medienberichten am Wochenende einen Telefonkontakt zwischen der noch lebenden deutschen Geisel und einem Mittelsmann der Behörden gegeben haben.

Nach ZDF-Angaben handelt es sich bei dem Toten um einen 44-Jährigen aus Teterow in Mecklenburg-Vorpommern. Die zweite deutsche Geisel soll nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" angeblich aus Ottobrunn bei München stammen. Die beiden sollen für die Baufirma KBC-Kabul Berlin Corporation gearbeitet haben. Sie waren zusammen mit fünf Afghanen am Mittwoch entführt worden.

Stammesfehde als Hintergrund für die Entführung?

Beobachter in Kabul schlossen nicht aus, dass eine Stammesfehde Hintergrund der Entführung ist und die Kidnapper es ursprünglich auf den inzwischen frei gelassenen afghanischen Ingenieur Eshak Noorzai abgesehen hatten. Auch deutsche Ermittler glaubten inzwischen an diese Version, berichtete Spiegel online. Noorzai ist der Bruder des stellvertretenden Parlamentssprechers Arif Noorzai und gehört einer prominenten, wohlhabenden und mächtigen afghanischen Familie an.

Steinmeier zeigte sich empört darüber, dass das Schicksal der Geiseln von den radikal-islamischen Taliban instrumentalisiert worden sei. Damit bezog er sich auf Äußerungen eines Sprechers der Islamisten, der behauptet hatte, dass die beiden deutschen Ingenieure von den Taliban entführt und nach Ablauf eines an Berlin gerichteten Ultimatums zum Abzug der deutschen Truppen ermordet wurden. Eine entsprechende Mitteilung auf der Internetseite der Taliban wurde bis Sonntag wieder aus dem Netz genommen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters