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Buch-Neuerscheinung: Alles, was man über Donald Trump wissen muss, steht in diesen Auszügen aus "A Very Stable Genius"

Und noch ein Buch über Donald Trump. In diesem Fall von zwei "Washington-Post"-Journalisten, die auf 560 Seiten alles zusammengetragen haben, was man über den US-Präsidenten und seine bisherige Amtszeit wissen muss - 13 Auszüge.

Donald Trump und Lawrow im Weißen Haus

Donald Trump und Russland Außenminister Sergej Lawrow im Mai 2017 in Washington: "Das Weiße Haus schloss die versammelte Presse von der Beobachtung des Treffens mit den Russen aus. Ein Fotograf der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS begleitete jedoch die russische Delegation und schoss Fotos von einem jovialen, entspannten US-Präsidenten, der den Gesandten des Kremls grinsend die Hand reicht", heißt es zu dem Treffen im Buch "A Very Stable Genius".

DPA

Beinahe ein Dutzend Enthüllungs- und Hinter-den-Kulissen-Bücher sind über Donald Trump erschienen. So unterschiedlich sie auch erzählt sind, sie alle zeichnen das Bild eines intellektuell beschränkten, uninformierten und narzisstischen Cholerikers, der seine Mitarbeiter und Vertraute schikaniert und Freunde wie Feinde behandelt. Auch in "A Very Stable Genius" (auf Deutsch "Trump gegen die Demokratie") kommen die beiden Pulitzer-Preisträger und "Washington-Post"-Journalisten Philip Rucker und Carol Leonnig auf mehr als 500 Seiten zum gleichen Schluss – wenn auch auf anderen Weg als andere Autoren.

200 Menschen aus dem Donald-Trump-Umfeld

Ex-FBI-Chef James Comey etwa merkt man in "Größer als das Amt" seine persönliche Verletzung durch den US-Präsidenten an. Michael Wolff hat für seine beiden Bücher "Feuer und Zorn" und "Unter Beschuss" vor allem Klatsch und Tratsch gesammelt. Und der anonyme Regierungsbeamte betont in dem Buch "Warnung", dass ihn vor allem die Sorge um das Amt und sein Land hat zur Feder greifen lassen. Rucker und Leonnig haben nach eigenen Angaben mit 200 Menschen aus dem Umfeld Donald Trumps gesprochen und verstehen sich als Dokumentare und nicht so sehr als Anti-Trump-Kämpfer.

stern-Auslandskorrespondent Jan-Christoph Wiechmann begleitet Robyn Wingerter im US-Bundesstaat Iowa.

Die eher neutrale Beobachterperspektive macht die schier unübersehbare Zahl an Anekdoten und Gesprächen umso intensiver. Denn die allermeisten Vorkommnisse stehen für sich und entwickeln ihre Wirkung auch ohne empörten Unterton. Wie etwa der Ursprung des (englischen) Buchtitels "A Stable Genius" (ein stabiles Genie). Der Ausdruck geht auf einen Tweet aus dem Jahr 2018 zurück. Als Reaktion auf Zweifel an seiner Amtsfähigkeit twitterte Trump: "In meinem Leben waren meine beiden größten Trümpfe geistige Stabilität und dass ich schlau bin. Ich habe es von einem erfolgreichen Geschäftsmann zum Fernsehstar zum US-Präsidenten gebracht. Ich denke, das qualifiziert mich nicht nur als schlau, sondern als Genie ... und als sehr stabiles Genie noch dazu."

Die folgenden 13 Auszüge aus "Trump gegen die Demokratie" erzählen so gut wie alles, was man über den US-Präsidenten wissen muss:

  • Wahllose Beförderungen

"Oh, General Flynn, Sie haben so loyal zu meinem Vater gehalten", sagte Ivanka mit ihrer markant rauchigen Stimme und fügte noch ein paar Worte hinzu, die man als die Frage interpretieren konnte: "Was wollen Sie denn tun?". (…) Einige Anwesende konnten kaum glauben, dass bestimmte Personen so wahllos und verantwortungslos in Schlüsselpositionen befördert wurden. (…) McGahn und Bannon, sonst alles andere als Verbündete, teilten die Einschätzung, dass dies ein Rezept für Fehltritte und – sehr wahrscheinlich – Katastrophen war.

  • Spontane Pressekonferenzen

Am 16. Februar kam Michael Dubke wieder, diesmal zu einem Vorstellungsgespräch (für den Posten des Kommunikationsdirektors, d.Red.) bei Trump. Er hatte dem Präsidenten erst wenige Minuten über das von ihm gegründete Unternehmen und seine Philosophie des Branding berichtet, als Trump eine Idee kam. »Was halten Sie von einer Pressekonferenz?«, fragte er. "Nun, ich würde festlegen, welches die drei Botschaften sind, die Sie rüberbringen wollen (…)", sagte Dubke.

"Nein, nein, nein, nein, nein", sagte Trump. "Heute. Wie wäre es, wenn wir das heute machen?" Dubke hielt das für einen Scherz. Doch Trump meinte es ernst. Spicer eilte schnurstracks aus dem Büro und begann mit den Vorbereitungen. Eine derart reflexhafte und unüberlegte Entscheidung würde in jeder normalen Regierung als verrückt empfunden. Aber in Trumps Weißem Haus war es ein ganz gewöhnlicher Donnerstag.(…)

"Ich bin Mike Pence", stellte sich ihm der Vizepräsident vor.

"Ja, Sir, ich weiß, wer Sie sind. Ich bin Mike Dubke", sagte er.

"Also, was geht hier vor?", wollte Pence wissen.

"Hier wird wohl gerade eine Pressekonferenz vorbereitet", sagte Dubke.

"Und welche Rolle spielen Sie dabei?", hakte Pence nach.

"Nun, ich hatte ein Vorstellungsgespräch als Kommunikationsdirektor."

Pence lachte, es war ein spontanes Eingeständnis der Absurdität dieser Situation.

Trumps Pressekonferenz hatte kein festes Thema. Der Präsident wollte sie einfach haben. Trump ging ans Rednerpult und lieferte vor einem Live-Fernsehpublikum eine hitzige Tirade ab, eine Litanei seiner ungefilterten Gedanken, die eine Stunde und 17 Minuten dauerte. "Ich schalte den Fernseher ein, schaue in die Zeitungen, und ich sehe dort Geschichten über Chaos, Chaos«, sagte Trump." Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Diese Regierung funktioniert wie eine sehr präzise eingestellte Maschine."

  • Erfundene Geschichten

Trump hatte seit jeher die Neigung, von negativen Geschichten in der Presse dadurch abzulenken, dass er einfach neue Geschichten in die Welt setzte. Und so ließ er ab 6 Uhr 35 am Morgen des 4. März vier Tweets vom Stapel, in denen er Obama beschuldigte, er habe ein politisch motiviertes Komplott gegen ihn geschmiedet und im Vorfeld der Wahlen die Telefone seiner Wahlkampfzentrale im Trump Tower angezapft. "Wie tief ist Präsident Obama gesunken, dass er meine Telefone während des geheiligten Wahlprozesses abhören lässt", schrieb Trump. (…) Er setzte diese explosive Anschuldigung ohne den kleinsten Beweis in die Welt, nur ein Breitbart-Artikel vom Vortag hatte über die angeblichen "Polizeistaat"-Methoden der Regierung Obama berichtet und unter den leitenden Mitarbeitern Trumps die Runde gemacht.

  • Angriffslustige Verschwörungstheorien

Er erteilte Cliff Sims, einem der Pressereferenten, eine ungewöhnliche Anweisung: "Ich möchte, dass Sie über die Mueller-Ermittlungen etwas so Vernichtendes schreiben, wie Sie noch nie geschrieben haben, über diese ganze Hexenjagd. Und heute Abend kommen Sie zu mir und dann nehmen wir dieses Video auf."

Sims hastete zu seinem Schreibtisch zurück und tippte eilig einen etwa 500 Wörter umfassenden Text. Die Rhetorik war angriffslustig und mit Verschwörungstheorien angereichert. "Das ist ein Putsch", hieß es darin. Der Text ging weit über den Ton hinaus, in dem Trump bis zu diesem Zeitpunkt die Russland-Ermittlungen kommentiert hatte. (…)

Sims wusste, dass sein "Putsch"-Skript völlig überzogen war. Er zeigte es Hope Hicks, der Direktorin für strategische Kommunikation im West Wing, die als cleverste Interpretin der Instinkte und Dekrete Trumps galt.

"Das ist Wahnsinn", sagte Hicks.

"Was soll ich damit machen?", wollte Sims wissen.

"Na ja, der Präsident hat Sie darum gebeten", antwortete sie. "Also zeigen Sie es ihm."

Trump saß am Resolute Desk, als Sims ihn aufsuchte. Sims legte ihm seinen Entwurf vor.

"Ich habe das nur geschrieben, weil Sie mich dazu aufgefordert haben", sagte Sims. "Aber es wäre eine Katastrophe, wenn Sie es auf Video aufnehmen würden."

Trump las den Entwurf durch und stimmte ihm zu.

  • Erstes Putin-Treffen

Trumps Zuversicht, wie mit Putin umzugehen sei, änderte sich jedoch schon bald nach ihrer persönlichen Begegnung am 7. Juli in Hamburg und zwar auf dramatische Weise. Trump hielt sich inzwischen für einen Russland-Experten. Diese Beziehung reklamierte er für sich. Tillersons in jahrelangen Verhandlungen mit Putin erworbene Erfahrungen und seine Einsicht in Putins Schachzüge waren plötzlich irrelevant geworden.

"Ich habe zwei Stunden lang mit Putin gesprochen", erklärte Trump dem Außenminister. "Mehr muss ich nicht wissen … Ich kann die Sache jetzt gut einschätzen. Ich habe das im Griff."

(…) In diesem Moment war sein (Außenminister Tillerson, d.Red.) gesamtes diplomatisches Geschick gefordert, um seinem Boss klarzumachen, dass er vorsichtig sein müsse (...) Putin sei ein meisterhafter Manipulator, als ehemaliger KGB-Agent sei er bestens trainiert, die Schwachstellen seiner Gegenspieler aufzuspüren und sie zu seinen Gunsten auszubeuten. Aber Trump winkte nur ab. "Davon verstehe ich mehr als Sie", sagte er.

  • Bittere Einsicht

"Wir müssen einen richtigen Anwalt hinzuziehen. Ich will nicht mehr derjenige sein, der diese ganze Scheiße ausbaden muss«, sagte McGahn. "Das ist alles total abgefuckt." (Der Anwalt des Weißen Hauses, Don McGahn über Trumps Drängen, Sonderermittler Robert Mueller zu feuern)

  • Wütender Oberbefehlshaber

Trump überlegte laut, ob es nicht angebracht sei, den US-Militärbefehlshaber in Afghanistan, General John Nicholson, abzulösen. "Ich glaube, der weiß gar nicht, wie man siegt", sagte der Präsident über den abwesenden Nicholson.

Dunford versuchte, Nicholson zu verteidigen, aber der sanftmütige General kam gegen den erzürnten Präsidenten nicht an. "Mr. President, das ist einfach nicht …" fing er an. "Wir hatten bisher andere Befehle." Das Ziel in Afghanistan sei bisher nicht gewesen, den Gegner auszulöschen, versuchte Dunford klarzumachen, sondern eine Strategie der Obama-Regierung umzusetzen, die darin bestand, die Militärpräsenz in Afghanistan allmählich zu reduzieren.

Trumps Antwort war unmissverständlich. "Ich will gewinnen", sagte er. "Wir gewinnen keine Kriege mehr. Wir geben sieben Billionen Dollar aus, alle anderen kriegen ihr Öl, und wir gewinnen nicht mehr."

Jetzt hatte er sich in Rage geredet. Er war so wütend, dass er kaum noch Luft bekam. (…) "Mit solchen wie Ihnen würde ich mich auf keinen Krieg einlassen", schalt Trump die versammelten Kommandeure. An den ganzen Raum gewandt blökte der Oberbefehlshaber, "Ihr seid nichts als ein Haufen Weicheier und Babys."

(…) Die Besprechung endete danach rasch, und Trump ging. Auf dem Weg zu seiner Wagenkolonne verabschiedete er sich von den Soldaten, die sich entlang des Korridors aufgestellt hatten. Im Vorraum sprach Tillerson mit einer Gruppe enger Berater, denen er vertraute, Klartext. "Er ist ein fucking moron, ein verdammter Vollidiot", sagte der Außenminister über seinen Präsidenten.

  • Mangelnde Geschichtskenntnisse

Der Präsident und die First Lady sollten eine private Führung durch das "USS Arizona Memorial" bekommen. Die Gedenkstätte liegt direkt vor der Küste Honolulus und sitzt auf dem Wrack des gleichnamigen Kriegsschiffes, das während des japanischen Überraschungsangriffes im Jahr 1941 im Pazifik versank. Auf dem Passagierschiff, das die Trumps zu dem grellweißen Mahnmal brachte, zog der Präsident Kelly zu einer privaten Unterredung beiseite. "Hey, John, worum geht’s hier? Was besichtigen wir gerade?«, fragte Trump seinen Stabschef. Kelly war einen Augenblick lang sprachlos. Trump hatte den Name "Pearl Harbor" schon mal gehört und wusste, dass er gleich den Schauplatz einer historischen Schlacht besichtigen würde, aber abgesehen davon schien er nicht viel zu wissen. "Manchmal war er gefährlich uninformiert", sagte ein ehemaliger Berater.

Trump Junior, Kushner und Manafort hatten an einer Besprechung teilgenommen, der sie besser ferngeblieben wären, aber dabei waren keine Deals vereinbart worden und das Gespräch hatte keinerlei Folgen gezeitigt. Kushner hatte wiederholt gewitzelt, die Behauptung der Demokraten, Trump oder seine Berater könnten mit den Russen Absprachen getroffen haben, sei ohnehin lächerlich, weil das Wahlkampfteam so schlecht organisiert gewesen sei, dass "wir nicht einmal mit uns selbst Absprachen treffen konnten".

  • Zerstörte Zauber

Für diesen Regierungsmitarbeiter (Ex-Elitesoldat William McRaven, d.Red.) hatte die Präsidentschaft immer etwas Magisches gehabt – bis Trump kam. Gleichgültig welcher Partei der Präsident angehörte, er trug doch die Last der Geschichte auf seinen Schultern, mit allem Ernst, den diese Aufgabe erforderte. Das galt jetzt nicht mehr. "Er hat diesen Zauber zerstört", sagte der Mitarbeiter über Trump. "Mit seiner Verachtung, die er für die Fundamente unseres Landes und seine Prinzipien an den Tag legt. Mit seiner Missachtung von Recht und Unrecht. Man ballt die Fäuste. Man knirscht mit den Zähnen. Die Nackenhaare sträuben sich. Ich muss mich ständig daran erinnern, dass ich einen Eid auf dieses Dokument im Nationalarchiv abgelegt habe – auf die Verfassung. Aber ich habe keinen Eid auf diesen Dummkopf geschworen."

  • Gespielte Lügen

Lügen hat schon immer zu Trumps Performance gehört. "Die Leute fragen mich oft, ob der Präsident lügt. Wollt ihr mich verarschen? Er lügt wie gedruckt", sagte Anthony Scaramucci. "Er lügt die ganze Zeit." (…)

Scaramucci erinnert sich, dass er Trump danach gefragt habe: "Spielst du eine Rolle?" Trump habe geantwortet: "Natürlich spiele ich eine Rolle. Es ist mir unbegreiflich, dass die Leute das nicht kapieren."

  • Verständnisloser Staatschef

"Es ist einfach unfair, dass amerikanische Firmen keine Bestechungsgelder zahlen dürfen, um internationale Aufträge zu bekommen", sagte Trump der Gruppe. "Das werden wir ändern." Dann schaute er Tillerson an und sagte: "Sie müssen dieses Gesetz abschaffen." Als hätte der Außenminister die Macht, wie durch Zauberei ein Bundesgesetz außer Kraft zu setzen.

  • Profitgieriger Militärchef

"All diese Länder müssten uns eigentlich dafür bezahlen, dass wir unsere Truppen zu ihnen schicken. Wir müssen etwas daran verdienen", sagte Trump. "Das könnte sehr profitabel für uns werden." General Joseph Dunford, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, versuchte, dem Präsidenten noch einmal freundlich zu erklären, dass die Truppen in den Regionen, in denen sie stationiert waren, für Stabilität sorgten und Amerika damit im Endeffekt sicherer machten. Ein anderer Offizier warf ein, dass es ungesetzlich wäre, anderen Ländern für US-Soldaten Rechnungen auszustellen. "Aber es funktionierte einfach nicht", erinnert sich ein ehemaliger Trump-Berater. "Nichts drang zu ihm durch."

  • Verweigerter Nobelpreis

Der Präsident stellte sich den historischen Abrüstungsgipfel als die größte Donald-J.-Trump-Produktion aller Zeiten vor. Er glaubte, ein Treffen mit Kim Jong Un könnte ihm vielleicht den Friedensnobelpreis einbringen. Trump hatte schon lange zuvor damit begonnen, sich die Feierlichkeiten auszumalen. (…) (...)

Die Scharen von Anhängern und die Journalisten, die über diesen Tag berichteten, konnten nicht wissen, dass Trump an diesem Tag erfolglos versucht hatte, den Friedensnobelpreis verliehen zu bekommen. Er hing ständig am Telefon, um wichtige Personen dazu zu bringen, ihn für den Preis vorzuschlagen. (…) Seine Werbebotschaft in eigener Sache lautete ungefähr: "Es ist an der Zeit. Obama hat ihn bekommen, obwohl er nichts getan hat. Ich habe Frieden nach Nordkorea gebracht. Ich muss den Nobelpreis bekommen." (…)

Trumps Hunger nach Anerkennung erstreckte sich auch auf andere Preise. Wenn er erfuhr, dass jemand für sein Lebenswerk eine Auszeichnung, verliehen bekommen hatte, kam es oft vor, dass sich Trump bei seinen Mitarbeitern beklagte, er habe die Auszeichnung viel mehr verdient. (…) Als Trump die Biographien potenzieller Kandidaten für die Freiheitsmedaille durchlas, sagte er zu einigen Mitarbeitern, "Well, ich habe wahrscheinlich sogar noch mehr gemacht. Vielleicht sollte ich das kriegen."