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Anschläge in Jordanien: Demonstrationen gegen den Terror

Zu den Anschlägen in Amman hat sich al Kaida bekannt. Unklar bleibt jedoch die Absicht der Terrororganisation. Den Jordaniern sind die Hintergründe für die Gräueltaten unwichtig - sie gehen gegen den Terror auf die Straße.

Tausende von Jordaniern haben gegen den Terror und für König Abdullah II. demonstriert. Sie verurteilten die Anschläge auf drei Luxushotels in Amman, bei denen am Mittwoch 59 Menschen ums Leben gekommen waren. Wie Augenzeugen berichteten, versammelten sich die Menschen in der Hauptstadt Amman, in Maan, Salt und anderen Provinzstädten. Sie riefen nationalistische Parolen und trugen teilweise Bilder des Königs. Die Aufrufe zu den Protestaktionen waren per SMS verbreitet worden

Ein anderer Teil der Bevölkerung Jordaniens ist fassungslos. Ein Anschlag auf die Wachen vor der zur Festung ausgebauten israelischen Botschaft in Amman hätte hier niemanden überrascht, denn der Hass auf die israelische Besatzungsmacht in den palästinensischen Gebieten ist groß.

Auch Angriffe auf westliche Touristen gehörten zu den Gefahren, die der jordanische Geheimdienst vorhersehen konnte. Doch weshalb sich jemand bei einer jordanischen Hochzeitsfeier in die Luft sprengt, versteht selbst unter den Radikalen niemand. Die jordanische Muslimbruderschaft spricht von einem "kriminellen Terrorakt" und sogar die radikale Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad verurteilt die Tat.

Anschlag gilt dem "Tyrannen von Jordanien"

Die Terrororganisation al Kaida im Irak erklärte am Donnerstag im Internet, sie habe die Anschläge verübt. Jordanien sei "ein Hinterhof für die Feinde der Religion" und zu einem Zentrum des Verrats und der Prostitution geworden. Jetzt werde auch das "Hinterland der Kreuzritter-Armee" angegriffen, hieß es in der Erklärung mit Bezug auf die Präsenz der US-Truppen im Irak. Die Selbstmordattentäter betraten am Mittwochabend kurz vor 21 Uhr die Hotels Grand Hyatt, Radisson SAS und Days Inn und zündeten die mitgeführten Bomben. Im Radisson explodierte der Sprengsatz in einem Saal mit 300 Hochzeitsgästen. Unter den Toten sind mindestens 13 Ausländer, unter ihnen sechs Iraker und auch ein US-Bürger.

Nur wenige Stunden nach dem Dreifach-Anschlag zeigt die jordanische Führung schon mit dem Finger über die Grenze in den Irak, wo ihr Landsmann Abu Mussab al Sarkawi Angst und Schrecken verbreitet. Und tatsächlich taucht kurz darauf ein Bekennerschreiben der Gruppe zu der Bombenserie in Amman auf.

Der Anführer von al Kaida im Irak, kommt selbst aus Jordanien. Ein jordanisches Militärgericht hat al Sarkawi in Abwesenheit zum Tode verurteilt In dem Prozess wurde er für schuldig erklärt, den US-Diplomaten Laurence Foley im Oktober 2002 in Amman ermordet zu haben. Dieser hatte in Jordanien schon mehrer Haftstrafen für seine terroristischen Aktivitäten verbüßt.

Damit hat al Sarkawi auch noch eine Rechnung mit der jordanischen Monarchie offen. Doch ist es wirklich denkbar, dass al Sarkawis Arm auch bis auf die ägyptische Sinai-Halbinsel reicht, wo Selbstmordattentäter im vergangenen Juli nach dem gleichen Muster ein Touristenzentrum angegriffen hatten? Das Bekennerschreiben im Internet nimmt zwei Mal Bezug auf den "Tyrannen von Jordanien" und meint damit König Abdullah II.

Der ägyptische Terrorismusexperte Dia Raschwan ist überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen den beiden Anschlagserien gibt, und dass die Sarkawi-Terroristen aus dem Irak nicht die Täter sind. "Es ist undenkbar, dass al Sarkawi den Irak verlässt, wo es im Irak doch Tausende von amerikanischen und britischen Soldaten sowie irakische Polizisten gibt, die für ihn Anschlagziele darstellen", meint er.

Andere Beobachter sehen den Terror von Amman in einem größeren Zusammenhang. Sie glauben, dass die Extremisten nach Anschlägen in Saudi-Arabien und Ägypten nun in Jordanien zugeschlagen haben, weil König Abdullah II. enge Beziehungen zu den USA unterhält, die für das Terrornetzwerk al Kaida und andere Islamistengruppen der "große Feind" neben dem Erzfeind Israel sind. Tatsächlich gibt es in allen drei Staaten einen scharfen Kontrast zwischen dem offiziellen Kurs zu Washingtons Politik und der Meinung eines großen Teiles der Bevölkerung, der überzeugt ist, dass sich US-Präsident George W. Bush die Unterwerfung der Araber und Muslime zum Ziel gesetzt habe.

Mit Material von DPA