Anschlag in Bagdad "Wir werden gewinnen"


Der Tod des irakischen UN-Sonderbeauftragten de Mello war angeblich das Ziel des gestrigen Anschlags auf das Hauptquartier der Vereinten Nationen in Bagdad. Die USA verurteilte den Anschlag auf schärfste.

Mindestens 17 Menschen sind am Dienstag in Bagdad bei dem größten Anschlag auf die Vereinten Nationen in der Geschichte der Weltorganisation ums Leben gekommen. UN-Sprecher Fred Eckhard teilte am späten Abend in New York mit, 86 UN-Mitarbeiter befänden sich mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäusern. 22 seien mit leichteren Verletzungen aus ambulanter Behandlung entlassen worden. Unter den Trümmern der UN-Mission in Bagdad "werden aber noch Tote vermutet»".

Tod von de Mello Ziel der Attentäter

Unter den Toten befindet sich auch der UN-Sonderbeauftragte für den Irak, Sergio Vieira de Mello (55). De Mello soll nach US-Angaben das eigentliche Ziel des Attentats gewesen sein, bei dem es sich laut "New York Times" um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe. Der US- Zivilverwalter für den Irak, Paul Bremer, sagte, der Lastwagen sei so geparkt gewesen, dass das Büro von de Mello von der Detonation habe getroffen werden müssen. Neben dem Brasilianer de Mello wurden nach UN-Angaben auch Bürger der USA, Großbritanniens, Ägyptens, der Philippinen und Kanadas getötet. Unklar blieb weiter, wer hinter dem Anschlag gesteckt haben könnte.

"Wir werden gewinnen"

US-Präsident George W. Bush und der UN-Sicherheitsrat verurteilten den Anschlag auf das Schärfste. Sie betonten, dass sie sich durch den Terrorakt nicht von ihrem Engagement im Irak abhalten lassen werden. Der amerikanische Anti-Terror-Krieg werde fortgesetzt und die Mörder zur Rechenschaft gezogen. "Und wir werden gewinnen", so Bush.

Für UNO "schwerer Schlag"

Der Tod de Mellos ist nach den Worten von UN-Generalsekretär Kofi Annan "ein schwerer Schlag für die Vereinten Nationen und für mich selbst". Die Mörder "haben nicht nur ein Verbrechen gegen die UN, sondern auch gegen den Irak selbst verübt», sagte Annan, der seinen Urlaub in Finnland abbrach und nach New York heimkehrte. US-Außenminister Colin Powell verurteilte den Anschlag als "verabscheuungswürdiges Verbrechen" gegen die internationale Gemeinschaft und das irakische Volk. Die USA würden die wichtige Rolle der Vereinten Nationen bei dem Wiederaufbau des Irak nachhaltig unterstützen, erklärte Powell in Washington. Auch Verteidigungsminister Rumsfeld zeigte sich betroffen und erklärte, dieser Terrorakt richte sich in Wirklichkeit gegen das irakische Volk selbst.

US-Zivilverwalter Bremer bezeichnete den Tod de Mellos als schweren Verlust für den Irak, die Vereinten Nationen und die alliierten Streitkräfte. De Mello habe unermüdlich und aufopferungsvoll dafür gearbeitet, Frieden und Demokratie für das zerstörte und traumatisierte Land zu bringen, so Bremer in Bagdad.

Fischer: De Mello "Freund Deutschlands

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach Annan in einem Telegramm sein Beileid aus. "Das ist ein verbrecherischer Anschlag, ausgeführt von Kräften, die nicht wollen, dass im Irak der Aufbau in Frieden und Freiheit gelingt", schrieb der Kanzler. Außenminister Joschka Fischer verurteilte den "verbrecherischen Terrorakt". De Mello sei auch ein Freund Deutschlands gewesen. "Dies ist ein kaum zu ersetzender Verlust für die Vereinten Nationen", erklärte Fischer am Dienstag in Berlin.

Wann enden die Anschläge

Der Anschlag auf das UNO-Hauptquartier reiht sich ein in die Reihe von Anschlägen, die esseit dem Seit dem 1. Mai, an dem Bush das Ende der «größeren Kampfhandlungen» erklärt hatte, auf amerikanische Soldaten und ausländische sowie internationale Einrichtungen im Irak gegeben hatte. So waren erst am 7. August bei der Explosion einer Autobombe vor der jordanischen Botschaft in Bagdad mindestens elf Menschen getötet worden.

Führen die Anschläge USA und UNO zusammen

In der internationale Presse wird die Befürchtung geäußert, dass der Anschlag nicht "der Letzte" sei, wie die konservative norwegische Aftenposten sei. Die Times spricht von einem Anschlag auf die "Weltgemeinschaft". Die "Times" glaubt, dass die Anschläge die USA und UNO weiter aneinander binden und so ein gemeinsames kooperativeres Vorgehen wahrscheinlicher wird. "Dieser tragische Angriff kann dazu dienen, die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen miteinander zu verbinden. Die Unstimmigkeiten der Vergangenheit darüber, ob es klug war, Saddam Hussein zu stürzen, sind irrelevant geworden. Die internationale Gemeinschaft hat jetzt die gemeinsame Aufgabe, den Irak wieder aufzubauen ... . Die übrig gebliebenen Baathisten sind eine Bedrohung für alle Mitglieder des Weltsicherheitsrates. ... Alle Seiten müssen ihre Ressourcen bündeln, wie sie es nie zuvor getan haben, in der pragmatischen Erkenntnis, dass die gemeinsame Basis die Bekämpfung des Terrorismus ist sowie der Wille, dem irakischen Volk Sicherheit und Fortschritt zu gewährleisten.", so das konservative Blatt wörtlich.

DPA

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