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Anti-Wall-Street-Bewegung "Occupy" Behörden räumen Protestcamps in den USA


In den USA geht die Polizei gegen die Camps der "Occupy"-Bewegung vor. In New York haben Beamte das Lager im Zuccotti-Park unweit der Wall Street geräumt. Über 200 Menschen wurden festgenommen.

Die New Yorker Polizei hat in der Nacht zum Dienstag überraschend das bankenkritische "Occupy"-Protestcamp in Manhattan geräumt. Binnen einer Stunde vertrieben hunderte Beamte die Anti-Wall-Street-Demonstranten aus dem Zuccotti-Park, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Protestler waren zuvor mit Handzetteln und Megafonen aufgefordert worden, das Gelände zu verlassen.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg bezeichnete die Zustände auf dem Gelände als "nicht zu tolerieren". Die Demonstranten hätten zwei Monate lang den Zuccotti-Park nahe des Finanzdistrikts mit Zelten und Schlafsäcken belegen können. "Nun müssen sie den Raum mit der Kraft ihrer Argumente besetzen." In Teilen des Park roch es nach Fäkalien, zudem gab es Berichte über sexuelle Übergriffe, Diebstähle und Drogenhandel. Nach Bloombergs Worten gab es annähernd 200 Festnahmen im Park und den umliegenden Straßen, in die Protestler geflüchtet waren. Die meisten Menschen hätten den Park nach Angaben der Polizei aber friedlich verlassen.

Über soziale Netzwerke wie Facebook begannen die Demonstranten gleich wieder, sich zu organisieren. Am Morgen zogen sie in großen Gruppen durch Downtown Manhattan. Ihr Motto nun: "Erbobert die Wall Street zurück." Für Donnerstag haben die Demonstranten einen Straßenkarneval direkt an der Finanzmeile angekündigt. Schon am Dienstag war es für viele Beschäftigte mühsam, an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.

Bedingungen in Protestcamps verschlechtern sich

Im kalifornischen Oakland räumten hunderte Polizisten am Montag ein Zeltlager der Bewegung, nach Polizeiangaben wurden mehrere Demonstranten festgenommen. Bereits am Sonntag hatte die Polizei in Portland im westlichen Bundesstaat Oregon bei der Räumung eines Protestcamps rund 50 Menschen in Gewahrsam genommen. Portlands Bürgermeister Sam Adams sagte dem Nachrichtensender CNN zufolge, dass die Kriminalität um die Zeltstadt zuletzt um 20 Prozent zugenommen habe.

In mehreren US-Städten betrachten die Behörden die Lager der Bewegung zunehmend als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und bemängeln die hygienischen Zustände an den Versammlungsorten. In Oakland war am vergangenen Donnerstag ein Mann am Rande des Protestcamps offenbar nach einer Auseinandersetzung erschossen worden, US-Medienberichten zufolge soll sich der mutmaßliche Täter regelmäßig in dem Lager aufgehalten haben. Anfang November waren bei Auseinandersetzungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei in Oakland mehrere Menschen verletzt worden.

Im Protestcamp in Burlington im Bundesstaat Vermont war in der vergangenen Woche ein Mann ebenfalls durch Schüsse in seinem Zelt ums Leben gekommen, laut Polizei deuteten die Verletzungen aber auf Selbstmord hin. Auch in New Orleans wurde vergangenen Dienstag in einem Lager der Occupy-Bewegung ein 53-jähriger Mann tot aufgefunden. In Salt Lake City in Utah starb ein Mann laut Berichten lokaler Medien an einer Kohlenmonoxidvergiftung in Verbindung mit einer Überdosis Drogen.

In Philadelphia soll eine Frau am Wochenende in einem Zelt sexuell angegriffen worden sein. Bürgermeister Michael Nutter sprach am Sonntag von "sich dramatisch verschlechternden Bedingungen" in dem Protestcamp, wie einem deutlichen Anstieg von Diebstählen. Außerdem beklagte er, dass Teilnehmer der Proteste in der Öffentlichkeit urinierten und der Abfall des Zeltlagers nicht ordnungsgemäß entsorgt werde.

Demonstranten planen bislang größte Protestaktion

Unterdessen plant die Occupy-Bewegung ihre bislang größte Protestaktion mit einer Blockade der Wall Street am Donnerstag. Die New Yorker Börse soll mit einem Straßenkarneval lahmgelegt werden, wie die Bewegung auf ihrer Facebook-Seite am Montag ankündigte. Daran könnten bis zu 10.000 Menschen teilnehmen, sagte ein Occupy-Sprecher. Die Demonstranten feiern damit ihr zweimonatiges Jubiläum. Seit der ersten Aktion am 17. September hat sich die Bewegung auch auf andere Länder, unter anderem Deutschland, ausgeweitet. Am Wochenende gab es erneut in Berlin und Frankfurt Demonstrationen gegen die Macht der Banken und das aus Sicht der Teilnehmer ungerechte Finanzsystem.

Am Donnerstag wollen die Protestierenden von ihrem in einem nahe gelegenen Park errichteten Zeltlager zur Wall Street marschieren und sich von dort aus mit der U-Bahn über die Stadt verteilen. Später wollen sie sich erneut versammeln zu einem Marsch über die Brooklyn Bridge. Vergangenen Monat waren bei einem aufsehenerregenden Protestzug über die Brücke mehr als 700 Demonstranten in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie dort den Verkehr blockiert hatten.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, die New Yorker Börse werde pünktlich öffnen. "Die Leute werden zur Arbeit gehen können", machte Bloomberg deutlich, der früher selbst Aktienhändler war.

kave/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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