HOME

Apec-Gipfel: Wladimir Putin lässt die Muskeln spielen

Putin zeigt beim Asien-Pazifik-Gipfel ungebrochenen Machtwillen. Verdeckt droht er dem Westen. Der mögliche Nutzen dieser Geste ist fraglich - ebenso wie der Sinn der Milliardenkosten für das Treffen.

Ob als fliegender Anführer von Kranichen oder strahlender Gastgeber des Asien-Pazifik-Gipfels: Wladimir Putin hat kurz vor seinem 60. Geburtstag ungebrochenen Machtwillen bewiesen.

Auf einer spektakulär ausgebauten Pazifikinsel hofierte der Präsident die Chefs des aufstrebenden Wirtschaftsforums Apec und zeigte sich extrem selbstbewusst - auch gegenüber US-Außenministerin Hillary Clinton, die den Kremlchef zu mehr Druck auf Syrien drängen wollte.

Kritiker werfen Putin vor, er zeige sich lieber im Kreise asiatischer Führer, weil ihm dort die straffe Führung des Landes weniger vorgehalten werde als im Westen. Tatsächlich waren beim Apec-Treffen Fälle wie die jüngste Verurteilung von drei Frauen der kremlkritischen #link;www.stern.de/politik/ausland/pussy-riot-91428133t.html;Punkband Pussy Riot# kein Thema. Stattdessen gratulierten chinesische Journalisten bei einer Pressekonferenz Putin zur Rückkehr in den Kreml und staunten über seine Judo-Kenntnisse.

Gipfeltreffen teurer als die Olympischen Spiele in London

Angesprochen auf eine gigantische Brücke, die mit Hilfe deutscher Technik nun zwei Bezirke der Pazifikstadt Wladiwostok verbindet, sagte Putin, die Bewohner hätten sich diese Verbindung seit mehr als 100 Jahren gewünscht. "Nun ist sie da. Sie sehen: Wir machen Träume wahr", betonte der Präsident, der am 7. Oktober 60 Jahre alt wird, voller Pathos.

Mächtige Brücken, ein neues Kongresszentrum, mehr als 10.000 Sicherheitskräfte: Rund 16,5 Milliarden Euro hat sich der Kreml den Apec-Gipfel kosten lassen. Damit übersteigt das Treffen der 21 Asien-Pazifik-Staaten sogar die Ausgaben für die Olympischen Spiele in London.

Auf der Insel Russki, die so groß ist wie Sylt, wollte sich das Riesenreich seinen Nachbarn China, Japan und USA von der stärksten Seite zeigen. Aber nicht alle Bewohner der Region waren begeistert: Wegen der extremen Sicherheitsvorkehrungen sei die Insel so abgeschirmt gewesen wie zu Sowjetzeiten, hieß es. Damals war Wladiwostok als Sitz der Pazifikflotte ein "verbotener Ort".

"Kopf nach Osten drehen"

Experten und Einwohner streiten, ob die Stadt acht Flugstunden von Moskau entfernt nun das Ende von Russland oder der Anfang von Asien sei. Lange Jahrzehnte hatte der Kreml den Fernen Osten des Landes am Bettelstab gehen lassen. Doch dann erkannte man auch in der mehr als 8.000 Kilometer entfernten Hauptstadt die Gefahr, die strategisch wichtige Region an China zu verlieren. Seitdem herrscht Betriebsamkeit.

Der Apec-Gipfel war das erste Projekt, als Nächstes entsteht nahe der Grenze zu China ein neuer Weltraumbahnhof. Experten kritisieren aber, dass die Milliarden "in Stein und nicht in Menschen" investiert würden. Die Abwanderung der Bevölkerung werde andauern, meinen sie.

"Bürokraten und Investoren sollten ihren Kopf nach Osten drehen", sagte Putin während des Apec-Gipfels. Künftig wolle Russland in dem Bündnis, das mit 44 Prozent des Welthandels als Konjunkturmotor gilt, eine Führungsrolle übernehmen. Wenige Tage nach der Eröffnung eines EU-Kartellverfahrens gegen den Gazprom-Konzern ist es auch eine verdeckte Drohung an den Westen, dass das Riesenreich sich mit seinen Ressourcen abwenden könnte.

Putin sieht den Asien-Pazifik-Raum als Wiege einer neuen Weltordnung, in der Russland vorne mitspielen will. Noch fehlt jedoch viel dazu - zum Beispiel eine Leitung, um Gas oder Öl nach Osten zu pumpen.

Wolfgang Jung, DPA / DPA