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Aufruhr in Ägypten: Übergangspräsident Mansur ruft erneut zur Versöhnung auf

Die Angehörigen des gestürzten Präsidenten Mursi werfen dem Militär Menschenraub vor. In Kairo verbreitet man das Gerücht, Mursi habe für die USA spioniert - um es umgehend dementieren zu lassen.

Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur hat seine Landsleute erneut zur Versöhnung aufgerufen. "Es ist höchste Zeit, ein Land zu werden, das sich mit der Vergangenheit ausgesöhnt hat, um die Zukunft zu bauen", erklärte Mansur am Montag in einer Fernsehansprache. Vor der Rede war es in Kairo und zwei anderen Orten zu blutigen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi gekommen. Dabei starben mindestens drei Menschen. 40 Menschen seien verletzt worden, berichteten staatliche ägyptische Medien weiter.

Der arabische Nachrichtensender al Dschasira und die Zeitung "Al-Ahram" berichteten, dass es auch am frühen Dienstagmorgen wieder heftige Konfrontationen gegeben habe.

Die Familie Mursis erhob schwere Vorwürfe gegen das Militär, das den Politiker an einem unbekannten Ort festhält. "Wir klagen (den Armeekommandanten) Abdel Fatah al-Sisi und die anderen Putschführer an, den Bürger und Präsidenten Mohammed Mursi entführt zu haben", sagte Mursis Sohn Osama am Montag auf einer Pressekonferenz in Kairo. International werden die Rufe nach einer Freilassung Mursis lauter.

EU verlangt Neuwahlen

Die EU-Außenminister forderten in einer gemeinsamen Erklärung zu Ägypten ausdrücklich "die Freilassung aller politischen Häftlinge, Mohammed Mursi eingeschlossen". Zugleich verlangten sie erneut Wahlen und einen Übergang zu einer zivilen Regierung in Ägypten. "Es ist jetzt von äußerster Wichtigkeit, dass Ägypten einen Wandel einleitet, der einen Übergang der Macht zu einer von Zivilisten geführten und demokratisch gewählten Regierung erlaubt", hieß es in Brüssel weiter.

Die USA verlangten ein Ende aller politisch motivierten Festnahmen und Inhaftierungen in Ägypten. "Und wenn ich das sage, schließt es auch Präsident Mursi mit ein", fügte Regierungssprecher Jay Carney in Washington hinzu. Alle Parteien sollten die Freiheit haben, an der Gestaltung der politischen Zukunft des Landes mitzuwirken.

Mursi soll spioniert haben

Mursi war am 3. Juli nach Massenprotesten gegen seine islamistische Herrschaft vom Militär gestürzt worden. Seitdem halten ihn die Generäle an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage in Haft. Weder Angehörige noch Anwälte hatten bislang Zugang zu ihm. Die Familie wolle nun juristisch gegen die Gefangennahme vorgehen, sagte Mursis Sohn. Man wolle auch erreichen, dass sich internationale Menschenrechtsorganisationen mit dem Fall befassen. Das Militär behauptet, Mursi werde "zu seiner eigenen Sicherheit" festgehalten.

Fast drei Wochen nach seiner Entmachtung wird der Ex-Präsident zunehmend zum Gegenstand von Gerüchten und Spekulationen. In der Nacht zum Montag brachte die Webseite der Tageszeitung "Al-Ahram" eine Eilmeldung, wonach Mursi wegen Spionage für die USA angeklagt werden sollte. Der Bericht erregte auch deshalb Aufsehen, weil "Al-Ahram" als sehr staatsnah gilt. Sprecher der Staatsanwaltschaft und der Armee bezeichneten die Nachricht kurz nach ihrem Erscheinen als "Falschmeldung". Der Herausgeber der Zeitung, Abdel Nasser Salama, wurde am Montag von der Staatsanwaltschaft vorgeladen.

ds/DPA / DPA