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Aufstand in Ägypten Tote bei Stürmung von Protestcamps


Aufruhr in Kairo: Zwei Camps mit Unterstützern des abgesetzten Präsidenten Mursi wurden geräumt. Es gab viele Tote und Verletzte; Verkehrswege wurde gesperrt. Auch in anderen Städten gibt es Unruhen.

Schwarze Rauchwolken steigen auf, Polizeihubschrauber kreisen über dem Gebiet: Die ägyptische Polizei hat am Mittwoch zwei Protestcamps geräumt, in denen Anhänger des Ex-Präsidenten Mohammed Mursi seit Wochen für dessen Wiedereinsetzung ins Amt protestiert haben. Entgegen der Ankündigung der Übergangsregierung, die Plätze Rabaa-al-Adawija und Al-Nahda "schrittweise" zu räumen, rückten die Einsatzkräfte im Morgengrauen auf die Plätze vor. Bewohner des Viertels Nasr-City berichteten, die Einsatzkräfte hätten rund um die Zeltstadt der Mursi-Anhänger Tränengas-Granaten abgefeuert. Zuvor waren mehrere umliegende Straßen blockiert worden.

Nach Angaben der Muslimbruderschaft sollen mehr als hundert Menschen getötet worden sein. Mehr als 2000 weitere seien verletzt worden, teilten die Muslimbrüder über Twitter mit. Aus Sicherheitskreisen verlautete dagegen, bisher habe es 14 Tote gegeben, darunter seien vier Polizisten. Die Zahl der Opfer werde vermutlich noch steigen, sagte ein Beamter. Einen unabhängigen Überblick über die Lage gibt es zur Stunde nicht. Ein AFP-Reporter zählte allein auf dem Platz nahe der Rabaa-al-Adawija-Moschee 43 Leichen.

Straßen zum Airport gesperrt

Das ägyptische Innenministerium hat nach den gewaltsamen Zusammenstößen den Zugverkehr in Kairo gestoppt. Alle Verbindungen von Nord und Süd nach Kairo seien auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Damit soll nach Einschätzung von Beobachtern verhindert werden, dass sich Unterstützer aus der Provinz den Protestaktionen der Islamisten in Kairo anschließen. Auch auf den Straßen rund um den internationalen Flughafen Kairos errichteten Polizei und Armee Straßensperren. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilte ein Mitarbeiter der Flughafengesellschaft mit. Offenbar gehen aber noch Flüge raus - meist mit Verspätung, da Passagiere an den Sperren aufgehalten werden.

Das ägyptische Nachrichtenportal "youm7" meldete, nachdem aus dem Sicherheitsapparat verlautet war, dass die Räumung der zwei Lager kurz bevorstehe, hätten sich einige der Islamisten zum Rückzug entschlossen. Vor allem Frauen hätten die Zeltstädte am frühen Morgen verlassen. Andere Teilnehmer der Protestaktionen hätten jedoch an den Barrikaden am Eingang Position bezogen, um mögliche Angriffe der Polizei abzuwehren.

Übergangsregierung gab Polizei grünes Licht für Räumung

Das Innenministerium veröffentlichte am Mittwoch wenige Minuten nach Beginn der Operation eine Erklärung an die Demonstranten. Darin heißt es, wer jetzt das Lager verlasse, werde nicht festgenommen, wenn kein Haftbefehl vorliege. Die Polizei warnte die Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi davor, "Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilde einzusetzen". Gleichzeitig erklärte das Ministerium, für die beiden Zeltlager am Al-Nahdha-Platz im Stadtteil Giza und vor der Rabea-al-Adawija-Moschee in Nasr-City gebe es jeweils nur noch einen einzigen Ausgang. Alle anderen Straßen seien gesperrt worden.

Die Übergangsregierung hatte der Polizei grünes Licht für die Räumung der zwei Lager gegeben. Bislang sind die Sicherheitskräfte jedoch nicht zu den Protestierenden vorgedrungen. Diese fordern, dass der vom Militär entmachtete Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

Seit Mursis Sturz am 3. Juli wurden bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen ägyptischen Sicherheitskräften und den Islamisten sowie bei Auseinandersetzungen zwischen Mursi-Anhängern und -Gegnern mehr als 250 Menschen getötet.

ds/kmi/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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