HOME

Autounfall: Belgischer Premierminister mit Schutzengel

Der belgische Premierminister Guy Verhofstadt hat einen schweren Autounfall mit leichten Verletzungen überlebt. Bereits an diesem Mittwoch will er seine Arbeit wieder aufnehmen.

Der Unfall ereignete sich auf der Heimfahrt von rund 16-stündigen Verhandlungen über Nachtflüge in Brüssel. Nach Zeugenaussagen war Verhofstadts Wagen am späten Dienstagabend von der Fahrbahn abgekommen und überschlug sich mehrere Male. "Der Premierminister hat einige Prellungen erlitten, blieb aber bei Bewusstsein", sagte ein Polizeisprecher in Gent. Auch Verhofstadts Chauffeur wurde verletzt.

Keine Pause für Verhofstadt

Der Regierungschef müsse über Nacht noch zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben, sagte Chefarzt Renaat Peleman am Mittwoch. Verhofstadts Sprecher Didier Seeuws ergänzte, der Premierminister habe angeschnallt vorne im Wagen gesessen. Verhofstadt wolle schon an diesem Mittwoch seine Arbeit wieder aufnehmen: "Er will unbedingt einen Durchbruch schaffen" im Streit um mehr Nachtflüge vom Brüsseler Flughafen Zaventem, sagte Seeuws.

Der Streit hatte Verhofstadts Koalitionsregierung aus Liberalen und Sozialisten am Dienstag in eine schwere Krise gestürzt. Dem Premierminister war es nicht gelungen, einen Kompromiss zu den Nachtflügen durchzusetzen. Die Regionalregierungen von Flandern und der Hauptstadtregion Brüssel konnten sich nicht auf Verhofstadts Vorschläge verständigen. Kurz vor dem Autounfall in Gent hatte der Premierminister den belgischen König Albert II. und das Parlament über die verfahrene politische Lage informiert.

Alternativen zu Brüssel

Der Kurierdienst DHL, eine Tochter der Deutschen Post AG, droht mit einer Verlagerung seines europäischen Drehkreuzes, wenn Belgien ihm keine Ausweitung seiner Nachtflüge erlaubt. Als Alternativen zu Brüssel sind die Flughäfen von Leipzig und im französischen Vatry im Gespräch. DHL-Geschäftsführer Xavier De Buck sagte der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel, alle drei Flughäfen böten gleichwertige Alternativen. DHL und Deutsche Post wollten bis Ende November über das künftige Standort ihres Frachtflugzentrums entscheiden.

DPA / DPA