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Bertelsmann-Studie Angst vor Globalisierung treibt Europas Populisten Wähler in die Arme

Globalisierung
55 Prozent der EU-Bürger sehen die internationale Verflechtung als Chance - 45 Prozent empfinden sie hingegen als Gefahr
© Klaus-Dietmar Gabbert/DPA
Wer wählt AfD, Front National oder UKIP? Und warum? Laut einer Studie sind es in der Mehrheit EU-Bürger, die Angst vor der Globalisierung haben. Dabei spielt auch das Alter und der Bildungsgrad eine wichtige Rolle.

Die große Mehrheit der Menschen mit Sympathien für rechtsnationale und populistische Parteien empfindet die Globalisierung laut einer aktuellen Umfrage als Bedrohung. Sorge um die Folgen der internationalen Verflechtung scheint den Erfolg rechtsnationaler Parteien in Europa zu begünstigen, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten EU-weiten Erhebung der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Demnach sind Globalisierungsängste ein "prägendes und gemeinsames Merkmal" der Anhänger populistischer Gruppierungen.

Der Untersuchung zufolge begreift eine Mehrheit von 55 Prozent der EU-Bürger die internationale Verflechtung als Chance - 45 Prozent empfinden sie jedoch als Gefahr. Dabei gilt: Je niedriger das Bildungsniveau und je höher das Alter der Befragten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer ablehnenden Haltung zur Globalisierung.

Etablierte Parteien müssen Ängste ernst nehmen

Die Ängste vor einer stärker zusammenwachsenden Welt und ökomischem Abstieg beeinflussen der Erhebung zufolge auch die Einstellung zu Politik und Gesellschaft. So sehen jeweils deutlich mehr als zwei Drittel der Unterstützer der AfD in Deutschland, der Front National in Frankreich und der FPÖ in Österreich die Globalisierung als Bedrohung.

Bezogen auf alle rechtsnationalen Parteien - von der italienischen Forza Italia bis zur britischen UKIP - äußerten in der Befragung stets mindestens die Hälfte der Parteianhänger Globalisierungsängste. "Wir dürfen das Werben um besorgte Bürger nicht den Populisten überlassen", mahnte der Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, Aart De Geus. "Die etablierten Parteien müssen die Angst vor der Globalisierung in ihre Arbeit einbeziehen."

Globalisierungs-Ängste auch bei linken Parteien 

Bei linken Parteien spielen der Untersuchung zufolge Globalisierungsängste zwar auch eine Rolle - sie sind aber nicht so bestimmend wie im rechtsnationalen Spektrum und überschreiten seltener die 50-Prozent-Marke. EU-weit am ausgeprägtesten sind Globalisierungsängste in der linken Parteiengruppe bei der französischen Front de gauche mit 58 Prozent und der deutschen Linkspartei mit 54 Prozent. Bei CDU/CSU, SPD und den Grünen spielen Globalisierungsängste keine herausragende Rolle: Jeweils gut ein Drittel der Anhänger dieser Parteien hat laut Umfrage Angst vor der Globalisierung.

Während in Österreich mit 55 Prozent und in Frankreich mit 54 Prozent die Angst vor der Globalisierung am höchsten ist, sehen 64 Prozent der Menschen in Großbritannien und jeweils 61 Prozent der Italiener und Spanier die Globalisierung als Chance. Deutschland liegt hier im EU-Trend - 55 Prozent der Bundesbürger begreifen die internationale Verflechtung als Chance, 45 Prozent haben Angst vor ihr.

Arbeiterschicht besonders besorgt

Wie die Umfrage weiter ergab, sind in allen EU-Ländern Einkommen, Bildungsgrad und Alter der Menschen ausschlaggebend für ihre Haltung zur Globalisierung: 63 Prozent der Befragten, die sich selbst der Mittelschicht zuordnen, sehen die Globalisierung als Chance, in der Arbeiterschicht trifft dies nur auf 53 Prozent zu.

Auch sehen Höherqualifizierte die Globalisierung häufiger positiv (62 Prozent) als Geringqualifizierte (53 Prozent). Am aufgeschlossensten gegenüber der Globalisierung sind junge Europäer zwischen 18 und 25 Jahren - in dieser Altersgruppe betrachten 61 Prozent die Globalisierung als Chance. Für die Umfrage wurden im August EU-weit 14.936 Menschen befragt. Die Erhebung ist repräsentaiv für die Europäische Union und deren neun größte Mitgliedstaaten.

amt AFP

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