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Midterms 2018: Beto O'Rourke hat seine Wahl zwar knapp verloren. Trotzdem ist er die große Hoffnung der Demokraten

Die Wahl hat er verloren. Aber nur sehr knapp - als Demokrat im stockkonservativen Texas. Beto O'Rourke ist dennoch oder gerade deswegen der neue Hoffnungsträger der Opposition - und der Hype geht erst jetzt los.

Beto O'Rourke

Beto O'Rourke und seine Frau Amy feiern mit Anhängern in El Paso

DPA

Mitunter reicht ein kleines Wort, um in der Gunst noch weiter nach oben zu klettern. Manchmal sogar ein verbotenes. Wie etwa das universal einsetzbare, sogenannte F-Wort. Im US-Fernsehen verpönt, wird es, wenn irgend möglich, weggepiept. Nicht so bei Beto O'Rourke, frischgescheiterter Demokrat aus Texas. Als der in der Nacht seine Wahlniederlage einräumte, rief er seinen Anhängern aufmunternd zu: "I'm so fucking proud of you guys!" – also: "Ich bin so verdammt stolz auf euch!". Seine Rede wurde unter anderem vom Sender MSNBC live übertragen, nicht zensiert - und plötzlich feiern alle den Mann für seine "authentische" Sprache.

Shootingstar bei Schauspielern

Vermutlich hätte es gar kein Fucking gebraucht, um aus dem 46-Jährigen den Helden des Abends zu machen. Denn O'Rourke, genannt "der weiße Obama", ist nicht erst seit den Zwischenwahl ein Hoffnungsträger der Demokraten. Spätestens jetzt aber, nachdem er nur knapp im eigentlich erzkonservativen Texas gegen den amtierenden Senator Ted Cruz verloren hat, dürfte der Hype um ihn richtig losgehen. Schon am Wahlabend hagelte es prominente Unterstützung. Die Schauspieler Javier Muñoz und Ellen Pompeo teilten den Tweet: "Beto soll Präsident werden!" Ellen Barkin rief dazu auf, sich seine Reden anzuhören. Ihre Kollegin Olivia Wilde twitterte: "Beto 2020. Lasst es uns tun." Zuvor hatte schob Beyoncé auf Instagram mit einer Beto-Kappe posiert.

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Als Beto O'Rourke am Tag der Abstimmung durch einige Wahllokale in seinem Heimatstaat tourte, brach der eine oder der Wähler sogar in Tränen aus. Wie Pamela Aguirre aus El Paso. Laut der "Huffington Post" trug die 77-Jährige ein Beto-Fanshirt und schluchzte entzückt in die anwesenden TV-Kameras , dass er für alles stehe, was Donald Trump eben nicht sei. Inhaltlich plädiert O'Rourke für den Ausbau der "Armen"-Krankenversicherung Medicaid und die Beschränkung der Waffengesetze - zwei Punkte, mit denen man Wähler in Texas üblicherweise vertreibt. Und zwar meilenweit. Doch Beto O'Rourke hat geschafft, wovon andere Demokraten nur träumen: fast einen Republikaner zu schlagen.

Eine Niederlage wie ein Sieg

48,3 zu 50,3 ging das Rennen um den Senatssitz aus. Nur 222.000 Stimmen lag Amtsinhaber Ted Cruz am Ende vorne. Für texanische Verhältnisse, wo seit 30 Jahren nur Republikaner gewählt wurden, ist das beinahe eine Sensation. Zumal die meisten Umfragen O'Rourke deutlich weiter hinter seinem Konkurrenten gesehen hatten. Sein gutes Ergebnis verbreitet vor allem Hoffnung. Hoffnung, dass die Demokraten auch im konservativeren Süden der USA künftig bessere Chancen haben könnten.

O'Rourke ist ein drahtiger Typ, das Hemd steckt in der Hose, die Ärmel sind hochgekrempelt. Beim Reden gestikuliert er gerne wild mit einer Hand. Seine Stimme ist tief und klingt entschlossen. Manchmal wechselt er ins Spanische. Oft erwähnt er, dass er kein Geld von großen Lobbygruppen nähme und dass er in allen 254 Bezirken des Bundesstaates (immerhin fast doppelt so groß wie Deutschland) gewesen sei. O'Rourke hat über 61 Millionen US-Dollar an Spenden gesammelt – eine Rekordsumme. Ted Cruz 35 Millionen.

Beto O'Rourke - Vorteil Jugendlichkeit

O'Rourkes Auftritte erinnern an die von Barack Obama und Bernie Sanders, dem selbsternannten "demokratischen Sozialsten". Wie die beiden Parteifreunde begeistert auch er seine Anhänger mit dem Versprechen eines anderen Amerikas. Es ist ein optimistischer Gegenentwurf zur oft so düsteren Erzählung von Donald Trump und dessen Republikanern. Dass er in Texas auf Augenhöhe mit Cruz ist, liegt natürlich auch daran, dass Cruz, von Trump "Lyin' Ted", also Lügen-Ted genannt, ein Jahr älter ist, aber eine Generation weiter wirkt. Dieser Vorteil könnte ihn auch bei den Demokraten noch weit bringen. Die qua Amt wichtigste Trump-Widersacherin Nancy Pelosi ist 78.


Quellen: "Huffington Post", Twitter, Instagram, MSNBC/Realclearpolitics

nik mit DPA