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Boris Beresowski: Der Tod des Putin-Gegners wirft Fragen auf

War es ein Herzfehler, Selbstmord oder doch Mord? Nach dem Tod des russischen Oligarchen und Putin-Kritiker Boris Beresowski will die britische Polizei offenbar noch keine Todesursache ausschließen.

Der russische Oligarch und Putin-Gegner Boris Beresowski ist tot. Er wurde nach Angaben der Polizei am Samstag leblos in seinem Haus nahe London aufgefunden, wo er seit dem Jahr 2000 im Exil lebte. Die Leiche des 67-Jährigen war laut Medienberichten am Samstag im Badezimmer des Hauses in Ascot in der Grafschaft Berkshire gefunden worden. Die Todesursache sei derzeit noch unklar, erklärten die Behörden. Eine Untersuchung dazu laufe. Unter anderem untersuchten Polizei-Experten für die atomare, biologische und chemische Gefahrenabwehr das Haus Beresowskis. Wie die zuständige Thames Valley Police mitteilte, handelte es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.

Vertraute sagten, Beresowski könne Selbstmord begangen haben oder einem Herzinfarkt erlegen sein. 2012 hatte er einen Prozess um milliardenschweren Schadenersatz gegen den russischen Geschäftsmann Roman Abramowitsch verloren, was ihm sichtlich zusetzte. Beresowskis Anwalt sagte der Agentur Interfax zufolge, sein Mandant sei zuletzt völlig überschuldet und in einem schrecklichen Zustand gewesen.

Beresowski und Putin gingen im Streit auseinander

Beresowski war in der Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion als Geschäftsmann aufgestiegen, als Korruption, Gesetzlosigkeit und unerbittliches Vorgehen gegen Rivalen die russische Geschäftswelt prägte. Unter dem früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin galt Beresowski als äußerst einflussreicher Strippenzieher. Später dann wurde er zu einem der wichtigsten Förderer von Wladimir Putin für Jelzins Nachfolge. Die beiden gerieten dann aber in Streit miteinander.

Beresowski, der in Russland an zahlreichen Firmen beteiligt war, floh ins Exil nach Großbritannien. Von da an entwickelte er sich zu einem der schärfsten Kritiker Putins. Er nannte den Präsidenten einen korrupten Banditen, der die in der Post-Sowjet-Ära erlangten Freiheiten wieder zurückdrehe. Der Ex-Milliardär unterstützte aus dem Exil russische Oppositionelle und ehemalige Spione wie den 2006 in London ermordeten Alexander Litwinenko.

Inbegriff eines Oligarchen

Die russischen Behörden legten Beresowski nach seiner Übersiedlung zahlreiche Wirtschaftsverbrechen zur Last und forderten von Großbritannien seit Jahren die Auslieferung. Unter anderem wurden mehrere Jachten Beresowskis beschlagnahmt. Die Regierung in London hatte eine Auslieferung stets abgelehnt. Auch wegen Beresowski - der mehrmals reklamiert hatte, sein Leben werde bedroht - sind die britisch-russischen Beziehungen massiv gestört. Erst vor einer Woche hatten sich die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder in London getroffen.

Putin bezeichnete den Geflohenen stets als Kriminellen, dem wegen Korruption und Steuervergehen der Prozess gemacht werden müsse. In Russland selbst war Beresowski für viele Landsleute der Inbegriff eines Oligarchen aus den 1990er Jahren: dreist, arrogant und ein gefährliches Alpha-Tier, dass die Regeln selbst bestimmte. "Man kann alles kaufen und jede Sache auf Erden hat ihren Preis", sagte er einmal. Und: "Politiker sind bezahlte Gehilfen der Unternehmer."

Prozessniederlage macht ihm zu schaffen

2012 verlor Beresowski in London einen Aufsehen erregenden Prozess gegen seinen früheren Partner, den Milliardär und Besitzer des britischen Fussballklubs FC Chelsea, Roman Abramowitsch. Beresowski warf diesem vor, ihn bei dem russischen Ölkonzern Sibneft betrogen zu haben und forderte sechs Milliarden Dollar - mehr als 3,5 Milliarden Euro. Die Richterin nannte Beresowski damals einen "von Natur aus unseriösen Zeugen".

Einige Vertraute Beresowskis sagten, er habe mit den finanziellen Folgen aus dem Urteil zu kämpfen gehabt, was zu Kosten von mehr als 100 Millionen Dollar führen könne. Zudem musste Beresowski hohe Kosten für seine Scheidung von seiner Frau Galina im Jahr 2011 tragen. In Medienberichten war von mehr als 100 Millionen Dollar die Rede. Um zu Geld zu kommen, soll Beresowski ein von Andy Warhol stammendes Lenin-Porträt versteigert haben.

Herzfehler oder Selbstmord?

In Russland wurde am Samstag eher eine natürliche Todesursache ins Spiel gebracht. "Meine Quellen sagen, es war ein Herzfehler", sagte etwa Alexej Wenediktow vom russischen Sender "Echo Moskwy". Nach dem verlorenen Gerichtsprozess sei Beresowski in tiefe Depressionen verfallen und deshalb auch in Behandlung gewesen.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, Beresowskis Moskauer Anwalt Alexander Dobrowinski habe dem Sender Rossiya 24 erklärt, ihm sei gesagt worden, sein Mandant habe Selbstmord begangen. Beresowski sei zuletzt in einem schrecklichen Zustand gewesen, "nichts als Schulden, er war praktisch pleite", wurde Dobrowinski zitiert.

tkr/DPA/Guy Faulconbridge/Maria Golovnina/Reuters / DPA / Reuters