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Trumps Richter-Kandidat "Schrecklich und verletzend": Die merkwürdigen Einträge in Kavanaughs Highschool-Jahrbuch

Donald Trumps Richterkandidat Brett Kavanaugh
Was meinte er mit "Renate Alumnius"? Donald Trumps Richterkandidat Brett Kavanaugh
© Chip Somodevilla / Getty Images
Renate Dolphin gehörte zu einer Gruppe von Frauen, die dem mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Supreme-Court-Anwärter Brett Kavanaugh den Rücken stärkten. Doch da kannte sie dessen Seite im Highschool-Jahrbuch noch nicht.

Als Brett Kavanaugh Anfang September des sexuellen Übergriffs beschuldigt wurde, stärkte ihm eine Gruppe von 64 Frauen mit einem Brief an den Justizausschuss des Senats den Rücken. Das Schreiben vom 14. September, in dem die Unterzeichnerinnen erklärten, sie hätten Kavanaugh während der Highschool-Zeit gekannt und er habe sich "ehrenvoll verhalten und Frauen mit Respekt behandelt", trägt auch die Unterschrift von Renate Schroeder, die mittlerweile Renate Dolphin heißt. Heute würde Renate Dolphin diesen Brief vermutlich nicht mehr unterzeichnen.

Brett Kavanaugh Mitglied von "Renate Alumni"

Wie die "New York Times" berichtet, gibt es im Jahrbuch der Georgetown Preparatory School von 1983 auf der Seite von Brett Kavanaugh einen Eintrag "Renate Alumnius". Der lateinische Begriff heißt eigentlich Alumnus und bezeichnet einen männlichen Hochschulabsolventen. Nach Angaben der Zeitung, die auch ein Bild veröffentlichte, das Kavanaughs Jahrbuchseite zeigen soll, findet sich der Eintrag zwischen Erinnerungen an Sportereignisse, Tringgelage und Strandpartys.

Das Wort "Renate" tauche mindestens 14 Mal in dem Jahrbuch auf, auf den Seiten einzelner Personen und auf einem Gruppenfoto von neun Footballspielern, die als die "Renate Alumni" bezeichnet worden seien, schreibt die "New York Times". Einer der Footballer sei Richter Kavanaugh.

"Renate Alumni" sei ein Hinweis auf Renate Schroeder, damals Schülerin einer nahegelegenen katholischen Mädchenschule, berichtet die Zeitung weiter. Nach Aussage von zwei Klassenkameraden von Kavanaugh seien die Erwähnungen von Renate Teil der substanzlosen Prahlerei der Footballspieler mit ihren Eroberungen gewesen.

"Sie waren sehr respektlos mit Renate, zumindest verbal", zitiert das Blatt Sean Hagan, damals Schüler der Georgetown Preparatory School, in Bezug auf Richter Kavanaugh und seine Teamkollegen. "Ich kann nicht ausdrücken, wie angewidert ich von ihnen bin, damals und heute."

"Schrecklich, verletzend und einfach unwahr"

Als Renate Dolphin Mitte September den Unterstützerbrief für Kavanaugh unterschrieb, wusste sie laut "New York Times" nichts von den Renate-Einträgen in dem Jahrbuch. "Ich habe erst vor ein paar Tagen von diesen Jahrbuchseiten erfahren", teilte Dolphin in einer Stellungnahme der Zeitung mit. "Ich weiß nicht, was 'Renate Alumnus' überhaupt bedeutet. Ich kann mir nicht im Entferntesten vorstellen, was in den Köpfen von 17 Jahre alten Jungen vorgeht, die solche Dinge schreiben, aber die Anspielung ist schrecklich, verletzend und einfach unwahr. Ich bete, dass ihre Töchter niemals so behandelt werden. Mehr werde ich dazu nicht sagen."

Kavanaughs Anwälte Beth Wilkinson und Alexandra Walsh erklärten gegenüber dem US-Sender CNN, dass ihr Mandant mit Renate Dolphin in der Highschool befreundet gewesen sei. "Er bewunderte sie damals sehr, und er bewundert sie bis heute." Kavanaugh und Dolphin hätten eine Highschool-Veranstaltung zusammen besucht und sich danach einen kurzen Abschiedskuss gegeben. Eine weitere derartige Begegnung habe es nicht gegeben. "Die Sprache in Richter Kavanaughs Highschool-Jahrbuch bezieht sich auf die Tatsache, dass er und Frau Dolphin diese eine Highschool-Veranstaltung besucht haben und sonst nichts."

Dolphin teilte der "New York Times" über ihren Anwalt mit: "Ich glaube, Brett muss mich mit jemand anderem verwechselt haben, weil ich ihn nie geküsst habe."

Kommilitone von Kavanaugh schrieb Renate-"Gedicht"

Vier der Footballspieler, die mit Kavanaugh auf dem Foto mit dem Titel "Renate Alumni" abgebildet waren, sagten nach Angaben der Zeitung, dass es sich lediglich um einen Hinweis auf "unschuldige Dates" oder das Tanzen mit Dolphin gehandelt habe und dass sie niemals mit sexuellem Kontakt oder ähnlichem mit Dolphin geprahlt hätten.

Michael Walsh, ein weiterer Student der Georgetown Preparatory School, schrieb dem Bericht zufolge ebenfalls "Renate Alumnus" auf seine Jahrbuchseite. Sein Eintrag enthielt demnach auch ein kurzes Gedicht:

"Du brauchst ein Date

und es wird spät

also zögere nicht

Renate anzurufen."

Walsh war einer von vielen Absolventen der Schule, die einen Brief an den Justizausschuss des Senats unterschrieben haben, in dem sie sich für Kavanaughs "scharfe intellektuelle Fähigkeiten, freundliche Art und einen fairen und praktischen Ansatz ohne parteipolitischen Zweck" verbürgen, wie CNN berichtet. Einer Bitte der "New York Times" um eine Stellungnahme zu seinem Jahrbuchtext kam er den Angaben zufolge nicht nach.

Kavanaugh weist in Interview alle Vorwürfe zurück

Kavanaughs Jahre an der Georgetown Preparatory School in Maryland, einem Vorort von Washington, werden derzeit genau unter die Lupe genommen. Auslöser ist der Vorwurf der Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford, Kavanaugh habe 1982 am Rande einer Schülerparty versucht, sie zu vergewaltigen. Für Donnerstag ist eine Anhörung von Kavanaugh und Ford vor dem Justizausschuss des Senats angesetzt. Die beiden sollen dort zu der Sache aussagen.

Am Wochenende kamen zudem Vorwürfe einer weiteren Frau an die Öffentlichkeit. Deborah Ramirez, eine frühere Kommilitonin Kavanaughs von der Universität Yale, sagte dem Magazin "The New Yorker", Kavanaugh habe sich Anfang der 80er-Jahre bei einer Studentenparty im Beisein von anderen plötzlich vor ihr ausgezogen und ihr seinen Penis ins Gesicht gestreckt.

Kavanaugh weist alle Anschuldigungen zurück. In einem Interview mit dem US-Sender bestritt er, auf der von Ford geschilderten Party gewesen zu sein. Er stelle nicht in Frage, dass sie von jemand anderem sexuell belästigt worden sei, er wisse aber, dass er niemals jemanden sexuell belästigt habe. Er habe während seiner Zeit in der Highschool und auch noch "viele Jahre später" keine sexuellen Kontakte zu Frauen gehabt. 

Der 53-Jährige stellte erneut klar, dass er an der Kandidatur für das Oberste Gericht festhalten wolle. "Ich werde mich nicht durch falsche Anschuldigungen davon abbringen lassen."

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tkr

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