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Krieg in der Ukraine Britischer Kriegsgefangener berichtet: Schläge, Folter und die Aussicht auf einen qualvollen Tod

Bilder des Austausches
Bilder des Austausches
© SECURITY SERVICE OF UKRAINE / AFP
In der vergangenen Woche kamen britische Kämpfer frei, die aufseiten der Ukraine gekämpft haben. Aiden Aslin berichtet von seiner Zeit im Foltergefängnis der "Volksrepublik" Donezk.

In einem großen Austausch sind in der letzten Woche zahlreiche ukrainische Kämpfer freigekommen, darunter auch Ausländer, die aufseiten Kiews kämpften und den Russen in die Hände fielen. Nun spricht der Brite Aiden Aslin, 28, erstmals mit der "Sun" über seine Gefangenschaft.

Inzwischen ist Aiden Aslin wieder bei seiner Mutter und seiner ukrainischen Verlobten. Der "Sun" sagte er: "Ich hätte nie gedacht, dass ich da lebend rauskomme."

Lebte in der Ukraine

Aslin lebte schon vor dem russischen Überfall in der Ukraine, er verliebte sich dort, siedelte um und diente in der Marine. Dann wurde seine Einheit in Mariupol eingeschlossen. Als Lebensmittel und Munition ausgingen, mussten die Kämpfer aufgeben. Zuvor konnte er noch mit seiner Familie telefonieren. Seiner Verlobten machte er Mut: "Egal, was passiert, ich werde dich wiedersehen."

Doch schon bei der Gefangennahme merkten die Russen, dass er kein Ukrainer war. "Sie sahen sich meinen Pass an und merkten schnell, dass er nicht ukrainisch war." Als er zugab, aus Großbritannien zu kommen, wurde ihm direkt ins Gesicht geschlagen.

"Sie trennten mich von den anderen und begannen, mich auf dem Rücksitz eines gepanzerten Fahrzeugs zu befragen."

Aiden wurde bewusst, dass es schlecht um ihn stand. Bevor er abtransportiert wurde, verabschiedete er sich von seinem Kommandanten. Er sagte ihm, dass die Russen ihn wahrscheinlich töten würden. Und bat: "Sie müssen meiner Familie sagen, dass ich sie liebe, wenn Sie hier rauskommen."

Fünf Monate Foltergefängnis 

In einem Lager in der "Volksrepublik Donezk" wurde er verhört, dabei immer wieder auf den Kopf geschlagen. Für jede Antwort, die er gab, erhielt er weitere Schläge, und man drohte ihm, ihm das Ohr abzuschneiden.

Dazu kam Psycho-Terror. Der Mann, der ihn folterte, kniete sich vor ihm hin und fragte: "Weißt du, wer ich bin? Ich bin dein Tod." Er zeigte ihn das Messer, mit dem er ihn in den Rücken gestochen hatte. Dann wurde Aiden gefragt, ob er einen schnellen oder einen schönen Tod haben wollen – gemeint ist damit ein langsamer, spektakulärer Tod. Aiden wollte den schnellen Tod. Der Mann sagte ihm: "Nein, du wirst einen schönen Tod haben ... und ich werde dafür sorgen, dass es ein schöner Tod ist."

Fünf Monate lang wurde er in einer Zelle festgehalten, die nur 1,5 mal 1,5 Meter groß war. Ohne Sonnenlicht, dafür wurde ihm unentwegt die russische Nationalhymne vorgespielt. Im Mai stand er vor Gericht und wurde als Söldner zum Tode verurteilt. "Als ich hörte, dass ich zum Tode verurteilt worden war, wollte ich weinen, aber ich konnte einfach nicht. Es ging buchstäblich darum, zu überleben."

Dieses Überleben war schlimm, weil man sich der Willkür beugen musste. "Dein Leben liegt in den Händen dieser Leute, und du tust, was sie dir sagen, oder du trägst die Konsequenzen."

Trotzdem gab er die Hoffnung nicht auf. Von Beginn der Gefangenschaft an wurde darüber spekuliert, dass die Gefangenen ausgetauscht werden würden. Für einen Krieg ist das ungewöhnlich, doch in der Ukraine werden auch während der Kampfhandlungen Gefangene ausgetauscht. Nach dem Fall von Mariupol ergab sich das Problem, das Russland weit mehr Gefangene hatte als die Gegenseite. Erst mit dem Putin-Vertrauten Viktor Medwedtschuk hatte Kiew eine Person, die "wertvoll" genug war, um sie gegen die ausländischen Kämpfer einzutauschen.

Schon vor der Übergabe erreichten die Gefangenen Gerüchte. "Ich hörte einen der Soldaten 'Austausch' sagen. Ich fing an, mich aufzuregen, aber ich sagte mir immer wieder: 'Hör auf, beruhige dich.'"

Dankbarkeit für die Vermittlung

Gefesselt mit verbundenen Augen wurden sie schließlich stundenlang in einem Lkw transportiert. "Ich hatte keine Ahnung, was los war, aber nach ein paar Stunden kamen wir am Flughafen an. Dann sehe eine Gruppe von Saudis und einer der Jungs sagte: 'Ist das Roman Abramowitsch?'".

In dem Moment wusste Aslin, dass sie befreit worden waren. Abramowitsch beobachtete sie in dem Jet zunächst nur. "Er war ein bisschen schüchtern und wollte uns nicht bedrängen."

Das Interview endet: "Ich möchte Herrn Abramovitsch von ganzem Herzen danken. Wegen ihm bin ich heute hier und nicht an diesem furchtbaren Ort.“

Quelle: "The Sun"

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