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Bürgerkrieg in Syrien: Briten spenden Rebellen Ausrüstung im Millionenwert

Großbritannien unterstützt Syriens Rebellen mit millionenschwerer Ausrüstung, will damit aber keine Position im Bürgerkrieg beziehen. Die Oppositionellen planen derweil in Aleppo eine Gegenoffensive.

Großbritannien stellt den Rebellen in Syrien Ausrüstung im Wert von fünf Millionen Pfund (6,3 Millionen Euro) für ihren Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar al Assad zur Verfügung. Dabei handle es sich nicht um tödliche Waffen, betonte Außenminister William Hague am Freitag in London. Unter den Hilfsmitteln seien vor allem Funk- und Kommunikationstechnik sowie medizinische Hilfe. Auch Schutzanzüge seien dabei. "Da es keine diplomatischen Fortschritte gibt, wird das Vereinigte Königreich jetzt einiges mehr tun." Die Rebellen kündigten unterdessen ihrerseits eine Gegenoffensive im umkämpften Aleppo an.

Er habe seine Kämpfer an der Front neu aufgestellt, sagte Rebellen-Kommandeur Abu Dschamil am Freitag. Die Rebellen wollen nach ihren jüngsten militärischen Rückschlägen verlorenes Terrain zurückgewinnen. Ein Hauptproblem stellten jedoch die Scharfschützen der Assad-Armee dar. So versuche er seit zwei Tagen vergeblich, einen seiner getöteten Männer aus dem Stadtbezirk Salaheddine zu holen. Bei dem Versuch die Kontrolle über die Wirtschaftsmetropole zurückzuerlangen, hatten Regierungstruppen die Rebellen am Vortag aus einigen Stellungen vertrieben.

Einwohner nutzen Kampfpause zur Flucht

Ein kurzes Abflauen der Kämpfe nutzten viele Einwohner, um vor den Kämpfen zu fliehen. Sie beluden ihre Autos mit Matratzen, Kühlschränken und anderen Habseligkeiten. Seit Beginn des Aufstandes vor 17 Monaten haben nach Angaben der Vereinten Nationen 150.000 offiziell registrierte Flüchtlinge Schutz in der Türkei, Jordanien, im Libanon oder im Irak gesucht. In der Türkei lebten mittlerweile mehr als 50.000 Flüchtlinge - allein in dieser Woche seien 6000 Menschen über die Grenze gekommen.

Die Situation der syrischen Flüchtlinge wird nach Einschätzung der Hilfsorganisation World Vision jedoch immer prekärer - vor allem im Libanon. Dort drohen sie die Lage in dem früheren Bürgerkriegsland sogar zu destabilisieren. Viele Flüchtlinge hätten ihre Reserven inzwischen aufgebraucht und wüssten kaum noch, wovon sie Miete und Lebensmittel bezahlen sollten, so ein World-Vision-Sprecher am Freitag in Beirut. Anders als in den anderen aufnehmenden Ländern existierten im Libanon keine Flüchtlingslager, da die Regierung dies nicht zulasse. Flüchtende Syrer kämen daher bei Gastfamilien, Freunden und Bekannten unter oder mieteten selbst Unterkünfte. Diese seien jedoch teilweise überteuert und in desolatem Zustand. Beim UN-Flüchtlingswerk UNHCR registrierte Syrier erhalten Lebensmittelgutscheine und und medizinische Versorgung. Viele Flüchtlinge lassen sich jedoch nicht registrieren, da sie fürchten, später Repressalien ausgesetzt zu werden, so World Vision.

Briten: "Beziehen keine Position im Bürgerkrieg"

Die größte Hilfe wäre, wenn Syriens Präsident Assad aufgeben würde. Obwohl das Regime zum Scheitern verurteilt sei, sei es weiterhin extrem gefährlich, begründet Großbritannien seine Unterstützung für die Aufständischen. Die Hilfe solle unbewaffnete Oppositionsgruppen, Menschenrechtsaktivisten und Zivilisten vor "einigen Auswüchsen der schlimmsten Gewalt" schützen. "Wir sind sehr vorsichtig damit, wem wir helfen", sagte Außenminister Hague. Die Mittel seien separat von der humanitären Hilfe in Millionenhöhe zu sehen, die Großbritannien bereits nach Syrien geschickt hat.

Die Briten unterstützen nach Angaben eines Sprechers des Londoner Außenministeriums vor allem die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA). Es sei wichtig, dass das Land auf den Übergang vorbereitet sei, wenn Assad gestürzt werden sollte, damit dann keine radikalen Gruppen Fuß fassen könnten. "Deshalb treffen wir uns mit Vertretern der FSA. Wir beziehen damit aber nicht Position in einem Bürgerkrieg", erklärte der Sprecher.

dho/DPA/Reuters / DPA / Reuters