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Bürgerkrieg in Syrien Gefechte erreichen Innenstadt von Damaskus


Die Kämpfe in der syrischen Hauptstadt Damaskus haben das Zentrum erreicht. Der UN-Sondergesandte Annan ringt derweil in Moskau weiter um eine Lösung des Konflikts.

In der syrischen Hauptstadt Damaskus ist es den dritten Tag in Folge zu Gefechten zwischen Aufständischen und Regierungskräften gekommen. Anwohner berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass sogar im Stadtzentrum Schüsse zu hören gewesen seien. Auf dem Platz Sabaa Bahrat, wo die syrische Zentralbank ihren Sitz hat, wurde demnach mit Schnellfeuerwaffen geschossen. Die Augenzeugen sagten, Mitglieder der Sicherheitskräfte seien mit Kalaschnikows in der Hand über den Platz gerannt. Auch auf der nahegelegenen Bagdadstraße wurde demnach geschossen.

Oppositionelle berichteten, dass Raketen und Artilleriegeschosse im Viertel Tadamon am Rande der Stadt eingeschlagen seien. Im Stadtteil Midan seien Sicherheitskräfte mit Panzern in Stellung gegangen. Bewohner berichteten von Scharfschützen auf Dächern. "Überall sind Soldaten. Ich kann Rettungswagen hören", sagte ein Anwohner. Man fühle sich wie im Krieg.

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London nahm die Armee in der Nacht das Viertel Kabun im Osten der Stadt mit Helikoptern unter Beschuss. Laut der Beobachtungsstelle brachten die Aufständischen unterdessen die Stadt Talbisse an der Grenze zum Libanon unter ihre Kontrolle. Sie kontrollierten mittlerweile alle Posten der Sicherheitskräfte in der Stadt, die zuvor lange unter Beschuss gestanden hatte. Am Montag wurden landesweit fast 150 Menschen getötet, darunter mehr als 80 Zivilisten. Mit 33 toten Zivilisten gab es die meisten Opfer in der Protesthochburg Hama.

Rebellen rufen landesweite Offensive aus

Die Regierung hält sich mit Äußerungen über die Kämpfe in Damaskus bedeckt. Das amtliche Fernsehen berichtete, dass Sicherheitskräfte auf der Jagd nach "Terrorgruppen" seien, die sich in einigen Vierteln versteckt hielten. Einer der Oppositionellen berichtete in Tadamon, die Rebellen verteilten sich über die Stadt, um eine Niederlage wie in der Stadt Homs zu vermeiden. Dort konzentrierten sich die Kämpfer im Viertel Baba Amr, das von Truppen des Staatschefs Baschar al Assad schließlich gestürmt wurde.

Nach dem Ausbruch der Kämpfe in der Hauptstadt riefen die Aufständischen eine landesweite Offensive aus. Die Kommandozentral der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) in Homs rief am Montagabend in einer Erklärung "in Reaktion auf Massaker und barbarische Verbrechen" der Regierung zu Angriffen auf alle Sitze der Sicherheitskräfte auf. Ihre Kämpfer sollten alle Kontrollposten der Armee, der Sicherheitskräfte und der Schabiha-Milizen einkreisen und eliminieren.

Moskau: Annan will Beobachtermission verlängern

Im Ringen um eine Lösung des Syrien-Konflikts unterstützt der UN-Sondergesandte Kofi Annan nach Angaben aus Moskau Russlands Wunsch nach einer Verlängerung der UN-Beobachtermission. Annan habe dem russischen Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen in Moskau zugestimmt, dass die UN-Beobachter eine wichtige und konstruktive Rolle spielen würden. Das sagte der russische Vizeaußenminister Gennadi Gatilow am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax. Annan hatte am Vorabend mit Lawrow gesprochen und will am Dienstag mit Kremlchef Wladimir Putin zusammenkommen.

Im Streit mit dem Westen um eine härtere Linie gegen Syrien will Russland Medienberichten zufolge vorerst nicht einlenken. Putin habe bei einer vertraulichen Strategiesitzung eine "harte Linie" Russlands vorgegeben, berichtete die Tageszeitung "Kommersant".

Der prominente syrische Überläufer Nawaf Fares, zuletzt Assads Botschafter im Irak, warnte, das Regime sei im Kampf gegen seine Gegner zu allem bereit. Selbst der Einsatz von Chemiewaffen sei nicht mehr ausgeschlossen, sagte Fares dem Sender BBC. Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, das syrische Regime sei dabei, Chemiewaffen aus den Lagern zu holen. Unklar sei, ob die Waffen vor Aufständischen in Sicherheit gebracht oder einsatzbereit gemacht würden, womöglich auch nur als Drohgebärde, zitierte das Blatt US-Regierungsvertreter. Syrien besitze größere Mengen des Nervenkampfstoffes Sarin und Senfgas.

mlr/Reuters/DPA/AFP DPA Reuters

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