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Bürgerkrieg in Syrien Muslimbrüder erwarten Entscheidungsschlacht in Damaskus


Die Rebellen haben ihren Kampf nach Damaskus, ins Herz der Macht von Präsident Baschar al-Assad, getragen. Für die Muslimbrüder ein Zeichen dafür, dass die Entscheidung in Syrien bevorsteht. Doch nicht alle Oppositionelle bevorzugen eine gewaltsame Lösung.

Die syrische Muslimbruderschaft hofft, dass die Straßenkämpfe in Damaskus den Niedergang des Regimes von Präsident Baschar al-Assad beschleunigen werden. In einer Erklärung, die von der Oppositionsgruppe am Dienstag nach einem Treffen in Istanbul veröffentlicht wurde, hieß es: "Die Schlacht unseres Volkes, die im Moment im Herzen der syrischen Hauptstadt tobt, wird bald die Festung des Tyrannen erreichen, der die Schuld trägt an allem, was unserem Volk angetan wird." Die sunnitische Muslimbruderschaft forderte ausdrücklich auch die Christen, Alawiten und Angehörige anderer Minderheiten an, sich den Anti-Assad-Protesten anzuschließen.

Eine Gruppe syrischer Diplomaten hat sich unterdessen für einen friedlichen Machtwechsel in Damaskus ausgesprochen. Eine entsprechende Erklärung im Namen einer Gruppe, die sich "Syrische Diplomaten für den zivilen demokratischen Staat" nennt, wurde am Dienstag auf der Website "All4Syria" veröffentlicht. Darin heißt es: "Wir lehnen jede Form von ausländischer Militärintervention in Syrien ab, egal unter welchem Vorwand." Die Gruppe betont ihre Unterstützung für die Revolution und fordert das Regime auf, sein Scheitern einzugestehen. Die Mitglieder der Gruppe, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollten, forderten ihre Kollegen im Außenministerium auf, sich ihnen anzuschließen.

Gleichzeitig hat der Iran sein Angebot vom Sonntag, eine Vermittlerrolle im Konflikt zu übernehmen, erneuert. "Der Iran hatte Kontakte mit der syrischen Opposition", sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums am Dienstag in Teheran ohne Details zu nennen. Die Anliegen der syrischen Opposition sollten in angemessener Atmosphäre und ohne die Einmischung fremder Länder angeschnitten werden können. Der Iran unterstützt den Friedensplan von Syrien-Sondervermittler Kofi Annan aber nur unter der Bedingung, dass Präsident Baschar al-Assad an der Macht bleibt.

Syrische Militärs flüchten in die Türkei

In der syrischen Hauptstadt Damaskus bringt die Staatsmacht unterdessen nach Angaben von Regierungsgegnern schwere Waffen gegen die Opposition in Stellung. "Syrische Truppen versuchen mit Hilfe von Panzern, das Viertel Al-Tadamon zu stürmen", sagte der Aktivist Haytham al-Abdallah aus Damaskus am Dienstag. Am Stadtrand setze das Regime auch Kampfhubschrauber ein. Die bewaffnete Opposition habe ihrerseits eine breit angelegte Militäroperation gegen Regierungseinheiten in der Hauptstadt begonnen, sagte Abu Omar, ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee, der Nachrichtenagentur dpa. Berichte von unabhängigen Beobachtern über die Lage in Damaskus lagen zunächst nicht vor.

Doch nicht alle Angehörige des Militärs stehen auf der Seite Assads: Ein syrischer Brigadegeneral und weitere Offiziere sind nach türkischen Angaben in der Nacht zum Dienstag in das Nachbarland geflüchtet. Sie hätten sich unter eine Gruppe von 1280 Syrern gemischt, die über die Grenze in die Provinz Hatay gekommen seien, verlautete es aus türkischen Behördenkreisen. Damit seien nun 18 Generäle, darunter einer im Ruhestand, in die Türkei geflohen. Insgesamt suchten demnach bislang 42.680 Menschen aus Syrien Schutz im Nachbarland.

Geld für syrische Flüchtlinge fließt nicht

Wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mitteilte, sei die Zahl der Syrer, die in Nachbarländern Schutz vor der Gewalt in ihrer Heimat suchen, extrem angestiegen: Allein seit April habe sich die Zahl der im Ausland offiziell registrierten syrischen Flüchtlinge auf 112.000 nahezu verdreifacht, teilten die UN am Dienstag in Genf mit. Drei Viertel von ihnen seien Frauen und Kinder, so Adrian Edwards vom UNHCR. Das Hilfswerk vermutet allerdings, dass bereits weit mehr Syrer ins Ausland geflohen sind. Viele der Flüchtlinge in der Türkei, in Jordanien, im Libanon und im Irak würden sich erst dann registrieren und die Unterstützung humanitärer Organisationen suchen, wenn ihre eigenen Vorräte aufgebraucht seien, erläuterte Edwards.

Das UNHCR sei den vier Staaten dankbar dafür, "dass sie weiterhin ihre Grenzen offen halten und Flüchtlinge willkommen heißen". Zugleich beklagten die Helfer, dass zwei Wochen nach der Verabschiedung eines internationalen Hilfsprogramms für syrische Flüchtlinge im Umfang von 193 Millionen Dollar (158 Millionen Euro) erst 26 Prozent der benötigten Mittel tatsächlich zugesagt wurden. Dadurch werde es für die Aufnahmeländer schwieriger, noch mehr Flüchtlinge zu versorgen.

jwi/DPA/AFP DPA

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