HOME

Cambridge Analytica: "Präsidentenmacher" Nix plaudert fragwürdige Methoden aus: Schöne Frauen und viel Geld

Ohne Alexander Nix wäre Donald Trump heute vielleicht nicht Präsident. Doch seine Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica nutzt offenbar Erpressungstaktiken, mit denen Nix nun vor einem Kunden prahlte. Was er nicht wusste: Der "Kunde" war Reporter - und eine Kamera nahm alles auf.

Cambridge Analytica von Alexander Nix (rechts) unterstützte Donald Trump im Wahlkampf.

Cambridge Analytica unterstützte Donald Trump im Wahlkampf. Chef Alexander Nix pries nun vor vermeintlichen Kunden fragwürdige Erpressungsmethoden an

Die umstrittene Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica gerät weiter unter Druck. Denn: Chef Alexander Nix prahlte vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten. Ein Reporter des privaten britischen Senders Channel 4 hatte sich für den Vertreter eines potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen wolle. Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll.

Der Undercover-Reporter traf sich mit Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix und anderen Top-Managern mehrfach in Londoner Hotels von November 2017 bis Januar 2018. Der Sender machte die Aufnahmen nun öffentlich. In den Treffen machten Nix und seine Manager mehrfach Andeutungen, man könne unliebsamen Politikern bei Bedarf eine Falle stellen.

An einer Stelle des Beitrags antwortete Nix auf die Frage nach der Möglichkeit, negative Informationen über politische Opponenten zu beschaffen, seine Firma könne "Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken". Ukrainerinnen seien "sehr schön, ich finde, das funktioniert sehr gut". Eine weitere Vorgehensweise sei es, so erzählte der Cambridge-Analytica-Chef, einem Kandidaten viel Geld für seinen Wahlkampf anzubieten, zum Beispiel mit Land als Gegenleistung - und das Ganze auf Video aufzunehmen und später das Video der mutmaßlichen korrupten Handlung zu veröffentlichen. An anderer Stelle sagte Nix: "Wir können auf falsche Identitätskarten und Websites zurückgreifen, wir können als Studenten mit Forschungsprojekten auftreten oder als Touristen, da gibt es viele Möglichkeiten." Nix riet dazu, nicht so sehr darauf zu achten, "was genau ich sage, ich gebe euch nur Beispiele, davon, was man machen könnte und was bereits gemacht wurde".

 

Cambridge Analytica versucht den Spieß umzudrehen

Analytica ist seit dem Wochenende unter Beschuss. Die Firma habe unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht, erklärte Facebook und sperrte den Konzern. Nach Informationen der "New York Times" und des "Guardian" sollen einige Informationen von rund 50 Millionen Facebook-Mitgliedern zu Cambridge Analytica gelangt sein. Um sie zu sammeln, wurde eine Umfrage zu Persönlichkeits-Merkmalen aufgesetzt, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica.

Cambridge Analytica erklärte am späten Montag, die Darstellung von Channel 4 entspreche nicht der Vorgehensweise der Firma. Das Unternehmen versuchte, den Spieß umzudrehen: Man führe routinemäßig Unterhaltungen mit potenziellen Kunden, hieß es, um bei ihnen mögliche unethische oder illegale Absichten aufzudecken.

Facebook selbst unter Druck

Auch Facebook geriet nach den Enthüllungen rund um Cambridge Analytica in schweres Fahrwasser. Die Aktie fiel am Montag um rund sieben Prozent - und das ließ den Börsenwert von um über 35 Milliarden Dollar schrumpfen. Immer lauter wird gefragt, warum sich bisher Gründer und Chef Mark Zuckerberg nicht zu der Situation geäußert hat.

Zudem berichtete die "New York Times", dass der angesehene Sicherheitschef Alex Stamos das Unternehmen verlassen wolle. Er habe sich dafür eingesetzt, offener über die russische Einmischung in den US-Präsidentenwahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern abgebügelt worden, schrieb die Zeitung.

Michael Wolff, US-amerikanischer Autor, blickt mit nach rechts gedrehtem Kopf in die Kamera. Er trägt eine schwarze Brille
pg / DPA