Chronologie Die gestörte deutsch-amerikanische Beziehung


Seit einem halben Jahr herrscht Funkstille zwischen US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sind seit dem Bundestagswahlkampf 2002 schwer gestört. Grund ist die ablehnende Haltung der Bundesregierung zum Krieg der USA gegen den Irak. Eine Chronologie.

Seit einem halben Jahr herrscht Funkstille zwischen US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sind seit dem Bundestagswahlkampf 2002 schwer gestört. Grund ist die ablehnende Haltung der Bundesregierung zum Krieg der USA gegen den Irak. Eine Chronologie.

15. März 2002: Schröder macht klar, dass sich Deutschland ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrats nicht an einem Militärschlag gegen den Irak beteiligen wird.

22./23. Mai: Bush kommt zu seinem ersten Deutschland-Besuch nach Berlin. Er versichert, die USA hätten derzeit keine konkreten Militärpläne gegen den Irak. Schröder und Bush betonen Übereinstimmung in vielen Fragen.

3. August: Im Bundestagswahlkampf schließt der Kanzler eine deutsche Beteiligung an einem Irak-Krieg definitiv aus: "Für Abenteuer stehen wir nicht zur Verfügung."

20. September: Schröder drückt in einem Brief an Bush sein Bedauern über den angeblichen Hitler-Bush-Vergleich seiner Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) aus. US- Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice spricht von einer "vergifteten" Atmosphäre.

23. September: Einen Tag nach seinem Wahlsieg betont Schröder, dass die Regierung an der Ablehnung eines Irak-Krieges festhält. Bush gratuliert nicht zum Wahlsieg.

30. Oktober: Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) trifft in Washington seinen US-Amtskollegen Colin Powell. Powell sagt, im deutsch-amerikanischen Verhältnis habe es auch früher Störungen gegeben. Fischer bezeichnet die beiden Länder als "sehr gute Verbündete".

8. November: Schröder telefoniert mit Bush. Das "konstruktive und vertrauensvolle" Gespräch dauert zehn Minuten. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sieht die "Eiszeit" nach einem Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Donald Rumsfeld als beendet.

20. November: Schröder und Bush begrüßen sich am Vorabend des Nato-Gipfels in Prag mit einem Handschlag. Schröder versichert Bush, dass der Streit um den Irak zu keiner Zeit persönlich gemeint war. Bush beschreibt die Begegnung als "herzlich".

21. Januar 2003: Im niedersächsischen Landtagswahlkampf legt sich Schröder in Goslar definitiv fest: "Rechnet nicht damit, dass Deutschland einer den Krieg legitimierenden Resolution zustimmt."

6. Februar: Nach der Präsentation angeblicher Beweise gegen den Irak durch Powell im UN-Sicherheitsrat bleibt die Bundesregierung bei ihrem Nein zu einem Krieg. Rumsfeld stellt Deutschland deswegen auf eine Stufe mit Libyen und Kuba.

8. Februar: Bei der Münchner Sicherheitskonferenz verläuft das Vier-Augen-Gespräch zwischen Struck und Rumsfeld "sehr angenehm".

27. Februar: Angela Merkel (CDU) beendet ihre fünftägige USA- Reise. Merkels Empfang in Washington wird als besondere Geste der US-Regierung bewertet.

18. März: Nach dem amerikanischen Ultimatum an Saddam Hussein spricht der Kanzler den USA das Recht für einen Krieg ab.

26. März: Schröder rechnet fest damit, dass sich trotz des Irak- Kriegs wieder eine "vernünftige Arbeitsbeziehung" zu Bush entwickelt. Im Blick auf das militärische Vorgehen der USA und Großbritanniens sagt er: "Ich bin fest überzeugt, dass ich richtig gehandelt habe. Aber ich maße mir nicht an, andere in die Ecke der Unmoral zu stellen."

5. Mai: Struck trifft sich erstmals nach dem Irak-Krieg mit Rumsfeld. Er sagt, man sei auf dem Weg zur Normalisierung ein gutes Stück voran gekommen.

9. Mai: Schröder sichert vor der US-Handelskammer in Berlin den USA enge Partnerschaft und Bündnistreue zu, verteidigt aber erneut die deutsche Haltung zum Irak-Krieg.

15. Mai: Hessens Regierungschef Roland Koch (CDU) wird bei einem USA-Besuch von Präsident Bush empfangen

16. Mai: Powell kommt erstmals nach dem Irak-Krieg in Berlin mit Schröder und Fischer zusammen.


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