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US-Bericht jetzt öffentlich: Folter-Verhöre der CIA brachten kaum Erkenntnisse

Menschen wurden gefoltert, der "Informationswert" war gering: Nach heftigem Streit haben die USA einen detaillierten Bericht über CIA-Verhöre nach den Attentaten vom 11. September veröffentlicht.

Die Verhöre von Terrorverdächtigen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 durch den US-Geheimdienst CIA waren brutaler als bislang bekannt und brachten nur geringen geheimdienstlichen Nutzen. Das geht aus einem mit Spannung erwarteten Untersuchungsbericht des US-Senats hervor, der in Washington nach langem Ringen zwischen Parlament und Geheimdiensten veröffentlicht wurde.

Der Senat macht dem Geheimdienst darin schwere Vorwürfe: Die CIA habe sowohl das Weiße Haus als auch den Kongress über das Ausmaß der Misshandlungen in die Irre geführt. Dem Dokument zufolge waren die von Präsident George W. Bush angeordneten "erweiterten Verhörtechniken" zudem ineffektiv und führten vielmehr zu zahlreichen Fehlinformationen.

"Der heute veröffentlichte Bericht untersucht die geheime Inhaftierung von mindestens 119 Individuen durch die CIA im Ausland und den Einsatz von Zwangs-Verhörtechniken, die in einigen Fällen auf Folter hinausliefen", sagte die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Dianne Feinstein.

Der Bericht führt unter anderem aus, wie CIA-Agenten beim sogenannten Waterboarding Terrorverdächtigen das Gefühl des Ertrinkens gaben. Ein Verdächtiger sei anschließend "nicht ansprechbar" gewesen, während "Blasen in seinem offenen, gefüllten Mund aufstiegen". Dokumentiert wird weiter, wie im November 2002 ein halbnackter, an den Betonboden geketteter Gefangener an Unterkühlung starb. Andere Personen seien bis zu 180 Stunden am Schlafen gehindert worden. Häftlinge seien "rektal ernährt" worden. Derartige Methoden hätten zu Falschinformationen geführt wie etwa die Behauptung, dass die Al-Kaida gezielt schwarze Amerikaner anwerbe.

Obama: USA werde "niemals wieder auf solche Methoden zurückgreifen"

Präsident Barack Obama erklärte in einer ersten Stellungnahme, er werde dafür sorgen, dass die USA "niemals wieder auf solche Methoden zurückgreifen". Er sagte, dass die "Folter" von Terrorverdächtigen gegen die Werte der USA verstoßen habe. CIA-Direktor John Brennan beharrte hingegen darauf, dass der Einsatz der umstrittenen Verhörmethoden geholfen habe, "Anschlagspläne zu vereiteln, Terroristen zu fassen und Leben zu retten".

Der Bericht wurde vom Geheimdienstausschuss der Kongresskammer erarbeitet, in dem Obamas Demokraten noch bis Januar die Mehrheit haben. Die Schlussfolgerungen wurden bereits vor der Veröffentlichung von Geheimdienstmitarbeitern und Republikanern scharf kritisiert. Ihrer Darstellung nach führten die Verhöre zu wichtigen Durchbrüchen. Zahlreiche Republikaner hatten massiv davor gewarnt, den Report publik zu machen. Namhafte Parteivertreter, darunter der damalige Vizepräsident Dick Cheney, verteidigten die Praktiken als notwendig für den Schutz des Landes. Der prominente republikanische Senator John McCain distanzierte sich dagegen von den Methoden und sprach von Folter.

Aus Furcht vor möglichen Ausschreitungen und Terror-Anschlägen nach der Veröffentlichung hatte die US-Regierung den Schutz vieler Botschaften und Militäreinrichtungen im Ausland verstärkt. Vor allem in Nahen Osten herrschte erhöhte Alarmbereitschaft.

car/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters