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USA: Trumps Vorwürfe auf Twitter: Als würde er seine eigenen Taten ankündigen

Das Weitergeben von Geheimdienst-Informationen sei "unamerikanisch", schrieb US-Präsident Donald Trump noch vor drei Monaten auf Twitter. Jetzt steht gegen Trump genau dieser Vorwurf im Raum - nicht zum ersten Mal widerspricht er sich selbst.

US-Präsident Donald Trump folgen auf Twitter fast 30 Millionen Accounts

US-Präsident Donald Trump folgen auf Twitter fast 30 Millionen Accounts

Ein Vorteil der Dauerpräsenz von US-Präsident Donald Trump auf Twitter ist, dass ganz nebenbei eine beinahe lückenlose Chronologie seines Schaffens und eine Dokumentation seiner Meinungen entstehen. Für Trump selbst dürfte zumindest letzteres auch ein Nachteil sein, denn so wird eines relativ leicht klar:

Der US-Präsident agiert wie ein Wendehals: Was er gestern noch kritisierte, kann heute schon phantastisch sein. Was gestern bei anderen als Skandal galt, ist für Trump selbst offenbar heute okay.

Donald Trump verstrickt sich in Widersprüche

Der mächtigste Mann der Welt wirkt "wie ein Zeitreisender, der vergeblich vor sich selbst warnt", beschreibt ein amerikanischer Autor Trumps Twitter-Präsenz.

Das jüngste Beispiel: Trump plauderte gegenüber Russlands Außenminister freimütig hochsensible Geheimdienstinformationen aus, so ein Bericht der "Washington Post" glauben mag. Nach anfänglichen Dementis hat Trump den Bericht inzwischen indirekt bestätigt - natürlich via Twitter: Er habe mit Russland Fakten über Terrorismus und Flugsicherheit teilen wollen, schrieb der US-Präsident. Dazu habe er das Recht. Er habe es aus humanitären Gründen getan. Außerdem habe er Russland dazu bewegen wollen, mehr im Kampf gegen den Terrorismus zu tun.

Russland hat die Berichte über die Weitergabe von vertraulichen Informationen unterdessen zurückgewiesen. Bei den Berichten handele es sich um "fake news", schrieb Außenamtssprecherin Maria Sacharowa auf Facebook. 

So oder so, der ganze Vorgang wirkt dennoch bigott - durch die Tatsache, dass Trump vor einem Vierteljahr auf Twitter exakt das kritisierte: Den allzu laxen Umgang mit Erkenntnissen der Nachrichtendienste.

Trump schrieb dazu: "Der wahre Skandal ist, dass von 'Geheim'-Diensten vertrauliche Informationen illegal wie Süßigkeiten verteilt werden. Sehr unamerikanisch!"

Der US-Präsident bezog sich mit seinem Tweet auf Berichte von mehreren US-Medien über mögliche Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams - er beschuldigte Sicherheitsbehörden, diese Erkenntnisse weitergegeben zu haben. Das Leaken von geheimen Informationen warf Trump auch schon mehrfach Vertretern der Demokraten wie Hillary Clinton vor.

Trump-Memes auf Twitter: Was Trump wirklich auf seine Dekrete zeichnet

35.000 Tweets in acht Jahren

Und es war bei Weitem nicht das erste Mal, dass der 70-Jährige sich auf Twitter selbst widerspricht. Wühlt man sich durch die fast 35.000 (!) Tweets, die seit März 2009 auf dem Account @realDonaldTrump erschienen sind, stößt man auf gleich auf mehrere dieser eigentümlichen Prophezeiungen und Widersprüche:

2014 ließ sich Trump zum Beispiel zu der Aussage hinreißen, dass die einzige Klima-Erwärmung, um die sich die Menschen sorgen sollten, von den Atomwaffen der "schwachen" US-Regierung ausgehe. 

Kaum im Amt, begann Trump - selbsternannter Atomwaffengegner - selbst über den Ausbau des amerikanischen Nuklearwaffenprogramms zur Abschreckung zu fabulieren.

Auch bei der Haltung zum Krieg in Syrien wechselte Trump nach seiner Vereidigung die Seiten. Kritisierte er 2013 den damaligen Präsidenten Barack Obama für militärisches Engagement in Syrien ("Greifen Sie Syrien nicht an."), war es Trump selbst, der ebenfalls einen Luftangriff in dem Krieg befahl:

Wahlmänner: erst "Desaster", dann "genial"

Ein weiteres Beispiel, das zeigt, wie "flexibel" Trump die Meinung ändert, ist seine Einstellung zum Wahlmänner-Kollegium in den USA. 2012 war es noch ein "Desaster für die Demokratie", kurz nach der für ihn erfolgreichen Präsidentschaftswahl nannte er es dann "genial":

"Ich bin kein Jäger und ich finde es nicht gut, Tiere zu töten", ließ Trump 2012 die Welt wissen:

Eine seiner ersten Amtshandlungen im Weißen Haus: Unter anderem wurde der Abschuss von Bären, Wölfen und ihren Jungtieren in Alaska wieder erlaubt.