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US-Präsidentschaftskandidat Donald Trumps ungewöhnlicher Mitarbeiter-Verschleiß

Donald Trump Corey Lewandowski
Du bist gefeuert: Corey Lewandowski (l.) zu Zeiten, als er noch Donald Trumps wichtigster Mann war
© Rhona Wise/AFP
Drei, eher fünf wichtige Berater hat Donald Trump bereits in seinem Wahlkampf verschlissen. Zuletzt einen Mann mit zweifelhaften Kontakten. Doch wer hofft, sein neues Team würde den Kandidaten milder machen, wird enttäuscht.
Von Niels Kruse

Wenn es stimmt, was die "New York Times" schreibt, dann hängt in der Wahlkampfzentrale von Donald Trump der Haussegen schief. Der Chef selbst sei erratisch, erschöpft und zudem frustriert von seinen Beratern, schreibt das US-Blatt. Denen wiederum gehe es genauso, denn ihr Kandidat verweigere sich störrisch jedwedem Ratschlag. Etwa dem, in der Öffentlichkeit zahmer aufzutreten. Und dann der Blick auf die desaströsen Umfragen: Sechs Prozentpunkte liegt Trumps Konkurrentin Hillary Clinton im Durchschnitt vor dem Republikaner. Es läuft nicht gut. Grund genug, das Wahlkampfteam einmal ordentlich durchzurütteln.

Drei wichtige Berater haben sich in den vergangenen Monaten aus Trumps Umfeld verabschiedet oder besser: wurden verabschiedet. Zwei weitere Ex-Mitarbeiter befinden sich zwar noch in der Umlaufbahn des republikanischen Präsidentschaftsanwärters, wollen aber offiziell nicht als Teammitglieder geführt werden.

Ein Überblick über Donald Trumps Berater-Verschleiß:

  • Paul Manafort

Der jüngste spektakuläre Abgang. Manafort war erst im März als Wahlkampfleiter zum Trump-Team gestoßen. Zum Verhängnis wurden ihm nicht so sehr die schwachen Umfragen, sondern seine finanziellen Verbindungen zu einer pro-russischen Partei in der Ukraine. Manafort hatte als internationaler Lobbyist auch für Diktatoren wie den früheren philippinischen Machthaber Ferdinand Marcos gearbeitet. Offiziell bleibt er jedoch im Trump-Team.

  • Corey Lewandowski

"Lasst Trump Trump sein", sagte Lewandowski einmal über den Kandidaten. Der damalige Wahlkampfleiter und Vorgänger von Paul Manafort galt als Gegner der Strategie, den schwierigen Kandidaten für die Wähler weichzuspülen. Im April 2016 musste Lewandowski gehen. Gründe wurden offiziell nicht genannt, Gerüchten zufolge war der Politmanager mit seinen Kollegen im Wahlkampfteam aneinandergeraten. Zudem wurde ihm vorgeworfen, eine Journalistin angegriffen zu haben.

  • Rick Wiley

Der erfahrende Berater war das erste Opfer der internen Grabenkämpfe im Trump-Team. Im Mai 2015 trennten sich Wiley und Trump. Offenbar wurde er wegen eines Dauerzwists mit Corey Lewandowski gefeuert.

Sie wurden mehr oder weniger abserviert

Der "politische Auftragsmörder", Urgestein und Meister der politischen Intrige, begleitet Trump schon seit vielen Jahren und war zu Beginn seiner Kandidatur dessen wichtigster Mann, wenn auch nur für zwei Monate. Nachdem der wahlkämpfende Milliardär der Fox-Moderatorin Megyn Kelly indirekt Menstruationsprobleme unterstellt hatte, trennten sich die beiden. Wobei unklar ist, wer von wem. Trump sagt, er habe Stone gefeuert, Stone sagt, er habe gekündigt. Stone setzt sich aber weiterhin und auch offen für Trump ein.

  • Roger Ailes

Gründer des erzkonservativen Senders Fox. Ailes und Trump verbindet eine langjährige Freundschaft. Gerüchten zufolge soll Ailes, der schon Richard Nixon, Ronald Reagan und Geige Bush Senior beraten hat, Donald Trump auf seine Fernsehauftritte vorbereiten. Doch sowohl das Trump-Team als auch Ailes selbst dementieren eine offizielle Zusammenarbeit. Spekulationen zufolge ist das allerdings nur eine Verlautbarung für die Öffentlichkeit, da Ailes sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. Hinter den Kulissen soll Ailes dem Kandidaten durchaus zur Seite stehen.

Wer ist noch übrig?

Donald Trump, der sich gerne damit brüstet, alle Entscheidungen im Alleingang zu treffen, verfügt trotz interner Querelen durchaus noch über einen großen Beraterstab:

Stephen Bannon, Gründer des äußerst rechten Onlinekanals Breitbart, ist neuer Wahlkampfchef. Der Scharfmacher steht für die konsequenteste Form politischer Rücksichtslosigkeit.

Kellyanne Conway, eine Umfrage- und Datenspezialistin, arbeitet seit Juli für Trump.

Carter Page ist außenpolitischer Berater mit guten Verbindungen nach Moskau

Michael Flynn, Ex-General, berät den Kandidaten ebenfalls in außenpolitischen Fragen. Gilt ebenfalls als Putin-Versteher.

Hope Hicks, Pressesprecherin, Seelenverwandte und Türsteherin von Donald Trump

 Mit dem Umbau seiner Mannschaft hat Donald Trump ein klares Signal gesetzt: Statt präsidialer dürfte sein Wahlkampf nun um einiges hässlicher werden. "Große Veranstaltungen, brutale Kämpfe mit Clinton, größtmögliche Betonung von Nationalismus und Populismus" - das erwartet die "Washington Post".


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