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Zoff in Washington: Donald Trumps Streit mit Demokratinnen eskaliert: "In mir ist keine Spur Rassismus"

Je stärker die Gegenwehr desto härter schlägt Donald Trump zu. Dieses oft wiederkehrende Spektakel ist bei einem Streit zwischen dem US-Präsidenten und vier Politikerinnen zu beobachten. Trotz harscher Worte - ein Rassist sei er nicht, beteuert Trump.

Donald Trump sagt Demokratinnen, sie sollten in ihre Heimat zurückkehren

Mittlerweile ließe sich ein Lexikoneintrag zum Thema "sich in etwas verbeißen" mit Donald Trumps Twitter-Foto bebildern. Ob Barack Obama oder Hillary Clinton, Vorwürfe wegen illegaler Absprachen, die Abschaffung von Obamacare, Nancy Pelosi, das Atomabkommen mit den Iran – wenn der US-Präsident jemanden zum Raufen gefunden hat, beißt er zu und lässt nicht wieder los. Ganz gleich wie ergiebig, sinnvoll, sinnlos oder verzweifelt der Streit auch sein mag – Donald Trump haut immer weiter drauf. Je lauter die Gegenwehr desto härter. So ist es kein Wunder, dass er – ohne absehbares Ende - sich nun seit Tagen mit vier Politikerinnen der oppositionellen Demokraten in den Haaren liegt.

Trump: "In mir ist keine Spur von Rassismus"

In fünf Tweets, unterbrochen nur von einem Lob-Posting an seinen Unterstützer und Software-Investor Peter Thiel, teilte er erneut gegen Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib, Ayanna Pressley und Ilhan Omar aus. Sie hätten einige der "abscheulichsten, hasserfülltesten und ekelhaftesten Dinge ausgespuckt, die jemals von einem Politiker im Repräsentantenhaus oder im Senat gesagt worden" seien, polterte er. "Schrecklich Anti-Israel, Anti-USA, Pro-Terrorist." Und später dann: "Diese Tweets waren nicht rassistisch. In mir ist keine Spur von Rassismus."

AOC hat sich in einer emotionalen Rede zu Trumps rassistischen Vorwürfen geäußert

Am letzteren Punkt war der ohnehin schon schwelende Streit zwischen Trump vor allem mit Ilhan Omar richtig entflammt:

  • Am Sonntag hatte der US-Präsident die vier Demokratinnen, ohne sie namentlich zu nennen, dazu aufgefordert, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzugehen und die Probleme dort zu lösen, statt den USA gute Ratschläge zu geben. Alle vier sind US-Bürgerinnen und wurden, bis auf Omar, auch in den Vereinigten Staaten geboren. 
  • Am Montag hatte Trump bei einem Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses nachgelegt und den Frauen vorgeworfen, die USA zu hassen. Sie beschwerten sich ständig und verbreiteten unter anderem antisemitische Positionen, beklagte er. "Wenn es ihnen hier nicht gefällt, dann können sie gehen." Auf die Frage, ob er darüber besorgt sei, dass viele Menschen diese Äußerungen als rassistisch betrachteten, sagte Trump: "Das besorgt mich nicht, weil die Leute mir zustimmen."
Trumps Tweets Dienstag

Ein Auszug aus Trumps Twittersturm gegen vier Demokratinnen

stern
  • Am gleichen Tag hatten auch die vier Frauen Stellung bezogen. Trump habe zu einer "unverhohlen rassistischen" Attacke ausgeholt, um von der Korruptheit seiner Regierung abzulenken, sagte Ilhan Omar auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. "Das ist die Agenda weißer Nationalisten, egal ob es in Chatrooms passiert oder im nationalen Fernsehen. Und nun hat es den Garten des Weißen Hauses erreicht." Doch sie ließen sich nicht einschüchtern. Pressley sagte, man dürfe sich nicht von ihm "ködern" lassen, weil er damit nur von der "herzlosen, chaotischen und korrupten" Kultur in seiner Regierung ablenken wolle. 

US-Repräsentantenhaus verurteilt Trumps Attacke

Die Demokraten selbst haben derweil die bislang weitgehend schweigenden Republikaner gezwungen, Position zu beziehen und im Abgeordnetenhaus eine Resolution eingebracht, in der Trumps Äußerungen als  "rassistische Kommentare" verurteilt werden. Die Kommentare des Präsidenten hätten "Ängste vor und Hass gegen Neu-Amerikaner und Dunkelhäutige legitimiert und verstärkt", heißt es in dem Text. 240 Abgeordnete der Kongresskammer stimmten am Dienstagabend Washingtoner Zeit für die Resolution, darunter vier Republikaner sowie der unabhängige Abgeordnete Justin Amash, der die Partei vor Kurzem verlassen hatte. 187 Abgeordnete votierten gegen die nicht bindende Erklärung. Die Führung der Republikaner hatte sich zuvor hinter Trump gestellt. Dieser hatte sich schon vorab über das Vorgehen der Demokraten auf Twitter beklagt und gefragt, warum das "Repräsentantenhaus nicht darüber abstimme, die Kommentare der Frauen zu tadeln?"

Speziell mit Ilhan Omar, erste schwarze Muslimin im US-Kongress, zofft sich der US-Präsident schon lange. Grund sind einige missverständliche Äußerungen über Juden und die Anschläge vom 11. September 2001. Obwohl sie sich dafür entschuldigt hatte, antisemitische Klischees bedient zu haben, wirft Trump seitdem der gesamten Demokratischen Partei vor, eine "antiisraelische und antijüdische" Haltung einzunehmen.

(Hinweis: Dieser Text wurde nach Verabschiedung der Resolution im US-Repräsentantenhaus aktualisiert)

mit DPA