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Telefon-Protokoll: Trump nennt Impeachment wegen Ukraine-Affäre einen "Witz" – Biden meldet sich zu Wort

US-Präsident Donald Trump zeigt sich in der Ukraine-Affäre von einer drohenden Amtsenthebung unbeeindruckt. Und tatsächlich gibt es mit dem veröffentlichten Telefonprotokoll ein Problem für die Trump-Gegner.

Donald Trump

US-Präsident Donald Trump hat das von der Opposition angestrebte Amtsenthebungsverfahren wegen der Ukraine-Affäre als "Witz" bezeichnet. "Dafür ein Amtsenthebungsverfahren? Dass man ein wunderbares Treffen oder ein wunderbares Telefonat hatte?", fragte Trump am Mittwoch bei einer Pressekonferenz am Rande der UN-Generaldebatte. Den oppositionellen US-Demokraten warf der Präsident erneut eine "Hexenjagd" gegen ihn vor.

Zuvor hatte die Veröffentlichung des Protokolls eines Telefonats mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj belegt, dass Trump Ermittlungen gegen seinen möglichen Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl 2020, Joe Biden, und dessen Sohn erbeten hatte.

Biden wirft Trump Machtmissbrauch vor

Via Twitter hat Joe Biden sich zu Wort gemeldet: "Donald Trump hat die Ukraine gedrängt, Schmutz über einen innenpolitischen Gegner zu konstruieren – das zeigt das 'Transkript' deutlich. Es ist ein Machtmissbrauch, der den Amtseid verletzt und unsere Demokratie untergräbt", schreibt er. "Der Kongress muss ihn zur Rechenschaft ziehen."

"Es wird viel über Bidens Sohn geredet, dass Biden die Ermittlung gestoppt hat, und viele Leute wollen etwas darüber herausfinden, also was auch immer Sie mit dem (US-)Justizminister tun können, wäre großartig", sagte Trump in dem Gespräch Ende Juli. Hunter Biden arbeitete früher für ein ukrainisches Gasunternehmen. In der Firma soll es Fälle von Korruption gegeben haben, Hunter Biden selber wurden aber nie derartige Vorwürfe gemacht.

Trump fordert Ermittlungen der Ukraine

"Biden hat überall rumposaunt, dass er die Strafverfolgung gestoppt hat", sagt Trump in dem Gespräch über den früheren Vizepräsidenten weiter. Auch dazu solle die Ukraine ermitteln, forderte Trump. Sein persönlicher Anwalt Rudy Giuliani und Justizminister William Barr würden sich von US-Seite aus darum kümmern.

Joe Biden hatte sich als Vizepräsident gemeinsam mit anderen westlichen Ländern dafür eingesetzt, dass der damalige ukrainische Generalstaatsanwalt Viktor Schokin abgesetzt wurde. Ihm wurde vorgeworfen, nicht genug gegen Korruption zu tun.

Collage: Telefonprotokoll, Donald Trump mit Telefon

Hauptvorwurf nicht belegt

Der Hauptvorwurf gegen den US-Präsidenten, er habe die Freigabe von US-Militärhilfen an die Ukraine an die Lieferung von belastendem Material über Biden geknüpft, wird in dem Gesprächsprotokoll nicht belegt. Allerdings sprachen die beiden Politiker durchaus über Hilfen. Außerdem gibt es in dem Protokoll zahlreiche Auslassungen - es dokumentiert nicht das gesamte Telefonat im Wortlaut.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung des Protokolls sagte Trump, er sehe sich entlastet. "Es gab keinerlei Druck." Ähnlich äußerte sich Selenskyj selbst. "Das war ein gutes Telefonat, es war normal", sagte der ukrainische Präsident bei einem Treffen mit Trump am Rande der UN-Generaldebatte. "Niemand hat Druck auf mich ausgeübt."

"Klassischer Mafiastil"

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses, der Demokrat Adam Schiff, sprach nach der Veröffentlichung des Gesprächsprotokolls dagegen von "klassischem Mafiastil".

Weitere Erkenntnisse könnten die Angaben eines US-Geheimdienstmitarbeiters bringen, der die Affäre mit einer internen Beschwerde ins Rollen gebracht hatte. Der anonyme Informant hatte sich alarmiert über das Telefonat Trumps mit Selenskyj gezeigt. Trump versprach den US-Abgeordneten "Transparenz" im Umgang mit der Beschwerde, auch wenn es sich "vermutlich um Informationen aus zweiter Hand" handele.

Über die Beschwerde wird es am Donnerstag bei einer Befragung des geschäftsführenden Direktors der US-Geheimdienste, Joseph Maguire, im Kongress gehen. Die oppositionellen Demokraten wollen wegen der Affäre eine parlamentarische Untersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump starten.

tkr/Sebastian Smith / AFP