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Twitter-Rüpel: Was genau hat Donald Trump gegen TV-Moderatorin Mika Brzezinski?

Die Frühstücksshow "Morning Joe" war eine Trump-freundliche Insel beim linken Sender MSNBC. Deren Moderatorin Mika Brzezinski hat Donald Trump nun übel beleidigt. Nicht zum ersten Mal. Chronik einer bizarren On-Off-Beziehung.

Donald Trump Mika Brzezinski

Es gibt leider kein deutsches Pendent zu Mika Brzezinski. Leider. Vielleicht hätte es dann hier im Fernsehen auch einmal so eine charmante Anarchoszene gegeben wie damals vor zehn Jahren: Als Moderatorin der Frühstücks-TV-Sendung "Morning Joe" weigerte sie sich, die Meldung zu verlesen, Paris Hilton sei aus dem Gefängnis entlassen worden. Brzezinski fand schlicht, diese Lappalie habe keinen Nachrichtenwert. Doch ihre Kollegen sahen das anders und legten ihr eine Stunde später die News erneut auf den Tisch. Brzezinski nahm das Blatt und zerschredderte es demonstrativ vor laufenden Kameras im Reißwolf. Das Publikum war begeistert, Co-Moderator Joe Scarborough weniger.

Mika Brzezinski führte sich mit einem "Eklat" ein

Die Sendung "Morning Joe" war 2007 gerade frisch an den Start gegangen, da kam so ein "Eklat" über journalistische Relevanz natürlich ganz gelegen. Zumal das Schicksal von Paris Hilton zu dem Zeitpunkt ohnehin die halbe Welt in Atem hielt. Mit der Hotelerbin war es damals wie heute mit Donald Trump: Keiner weiß, wie es je so weit kommen konnte. Brzezinski war auch schon vor ihrem Engagement beim Morgentalk keine Unbekannte. Sie hatte sich bei verschiedenen Sendern einen Namen als TV-Journalistin gemacht: ABC, CBS, NBC, allesamt Sender die nicht unbedingt als konservativ gelten. Nur "Morning Joe" bei der eher linken MSNBC war eine Ausnahme: Namensgeber Joe Scarborough ist Republikaner.

Früh im Wahlkampf wurde dem Duo Scarborough/Brzezinski zu viel Nähe zum Kandidaten Trump vorgeworfen. Moderator Scarborough pries den Kandidaten und brüstete sich damit, ihn beraten zu haben. Doch irgendwann kippte die gute Stimmung zwischen den dreien. Spätestens seit der Ex-Immobilienmilliardär im Weißen Haus sitzt, hat sich der Sound geändert, Kritik an den Konservativen ist keine Ausnahme mehr und vielleicht war das Grund für Donald Trumps neuesten Twitterausfall, der selbst für seine Verhältnisse heftig war.

Donald-Trump-Tweets von seltener Bosheit

"Ich habe gehört, dass 'Morning Joe' schlecht über mich spricht", begann er seine Attacke. Dann nannte er Joe Scarborough einen Psycho und Mika Brzezinski eine Verrückte mit niedrigem IQ. Und wörtlich: "Zu Silvester verbrachten die beiden drei Nächte in Mar-a-Lago (Trumps Hotel-Anlage in Florida, die Redaktion) und bestanden darauf, mich zu sehen. Sie blutete noch wegen ihres Faceliftings. Da habe ich Nein gesagt."

Was den Präsidenten genau in Rage gebracht hatte, ist nicht genau bekannt, wahrscheinlich aber war es ein Satz der Moderatorin von vor wenigen Tagen, als sie sagte, er, Trump, lüge jeden Tag und zerstöre das Land. Außerdem äußerte sie erneut Zweifel an seinem Gesundheitszustand. Dass die 50-Jährige den Präsidenten kritisiert ist eigentlich wenig verwunderlich, denn sie ist Demokratin von Haus aus. Ihr Vater, ein Einwanderer aus Polen, brachte es zum Berater des früheren, demokratischen Präsidenten Jimmy Carter, ihre Mutter ist Bildhauerin. Der eine Bruder ist Botschafter, der andere ein Außenexperte bei der Nato. Aus ihrer politischen Ansicht hat sie auch nie keinen Hehl gemacht.

Schon im Sommer vergangenen Jahres hatte Donald Trump Mika Brzezinski per Twitter ins Visier genommen. Im Juni schrieb er, ihr Hass lasse sie durchdrehen und an sie und ihren Kollegen Scarborough gerichtet: Die beiden seien vom Weg abgekommen. Kurz darauf streute er das Gerücht weiter, die beiden hätten eine romantische Beziehung, was sich später sogar als wahr entpuppte. Erst im vergangenen Jahr ließ sie sich nach 23-jähriger Ehe von ihrem Mann scheiden.

Silvester bei Trump in Florida

Zum Jahreswechsel dann wurden Scarborough und Brzezinski in Trumps Florida-Anwesen Mar-a-Lago vorstellig. Dort habe ihnen der prominente Hausherr angeboten, ihre Hochzeit auszurichten, wie sie dem US-Blatt "Vanity Fair" erzählten. Brzezinski soll den Vorschlag mit den Worten kommentiert haben: "Wenn es nicht Trump wäre, könnte man darüber nachdenken." Warum genau sie überhaupt in Florida waren, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Offiziell wollten sie dort ein Interview mit Donald Trump arrangieren.

 

Die On-Off-Beziehung zwischen dem "Morning Joe"-Paar und dem Präsidenten scheint aktuell wieder in einem tiefen Tal angekommen zu sein, was möglicherweise nicht nur an den beiden TV-Journalisten liegt. Trump war in der Vergangenheit schon öfter mit Gift-und-Galle-Spucken über weibliche Prominente im Allgemeinen und Moderatorinnen im Besonderen aufgefallen.

Donald Trump Mika Brzezinski

Streit mit konservativer Moderatorin Kelly

Im August 2015, bei einer der ersten Fernsehdebatten, setzte ihn Megyn Kelly vom erzkonservativen Sender Fox News vor laufenden Kameras derart unter Druck, dass er kurz darauf meinte: "Überall aus ihr kam Blut." Offensichtlich unterstellte ihr der damalige Kandidat Menstruationsprobleme, eine Entschuldigung für seine Entgleisung lehnte er ab. Und Mika Brzezinski? Die kommentierte die neuesten Ausfall ohne Worte, dafür mit einem Video auf ihrer Twitter-Seite: Es zeigt ein kleines Kind, wie es nach Frühstücksflocken greift. "Für kleine Hände gemacht" steht darunter. Eine Anspielung auf die angeblich kleinen Hände des US-Präsidenten, die wiederum eine Anspielung auf seine Penisgröße ist.