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US-Wahlkampf: Donald Trump bläst zur Jagd auf demokratische Staaten

Das Rennen ums Weiße Haus wird enger als gedacht. In einigen Umfragen liegt Donald Trump schon vor Hillary Clinton. Auch weil er sich nicht scheut, da hinzugehen, wo es den Menschen schlecht geht: in Hochburgen der Demokraten.

Von Niels Kruse

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Was Österreich gerade hinter sich hat - ein Fotofinish bei der Präsidentenwahl - könnte im November auch auf die USA zukommen. Denn die beiden Konkurrenten um das Weiße Haus nähern sich in den Umfragen immer weiter an, überraschend weit. Noch bis vor wenigen Wochen schien ausgemacht, dass ein Donald Trump keine Chance gegen Hillary Clinton haben würde. Doch der umstrittene Immobilien-Milliardär holt auf und liegt bei einigen Wählerbefragungen sogar schon vor der Demokratin. Zwei Prozentpunkte etwa bei einer neuen Erhebung der "Washington Post" und des Senders ABC. Auch Fox News und der Rasmussen Report sehen Trump vor Clinton, letzterer sogar fünf Prozentpunkte.

Donald Trump und seine leidige Steuererklärung

Noch ist das Bild, das die Wählerbefragungen vermitteln, eher wackelig. Der echte Wahlkampf hat noch nicht begonnen, die ganze Schmutzwäsche wurde noch nicht einmal angefasst. Und dann ist da auch noch die Sache mit Trumps Steuererklärung, die er partout und unter ständig wechselnden Ausreden nicht veröffentlichen will. Dabei war es in den vergangenen Jahrzehnten Usus, dass Präsidentschaftsanwärter ihre Finanzen offen legen. Einen guten Eindruck macht das bei den Amerikanern nicht. 67 Prozent verlangen Transparenz vom Kandidaten, so das Ergebnis einer weiteren Umfrage.

60 Prozent mögen keinen der Kandidaten

Allerdings: Wenn es nur nach den Umfragen ginge, dann müssten sich ohnehin andere Kandidaten um den begehrten Posten im Weißen Haus balgen. Die "Washington Post" und "ABC" fanden nämlich auch heraus: 60 Prozent der Amerikaner mögen weder Trump noch Clinton, bei 45 Prozent der Menschen sind sie sogar "sehr unbeliebt" - ein historischer Tiefstwert. Doch solange kein unabhängiger, dritter Kandidat ins Rennen einsteigt, was fast die Hälfte der Menschen befürworten würde, wird es bei dem Duell der Ungeliebten bleiben.


Entschieden wird auch diese Wahl in den sogenannten Swing-States - Bundesstaaten, die traditionell weder nur demokratisch oder nur republikanisch wählen. Ohio und Florida gehören dazu, und auch Pennsylvania. Alle drei heiß umkämpften Staaten gingen bei den beiden letzten Wahlen an Barack Obamas Demokraten. Und auch wenn Hillary Clinton hier noch in den Umfragen führt, könnten die Republikaner am Ende die Nase vorn haben. Der Grund ist simpel: die Arbeitslosigkeit.

Trump versucht es in demokratischen Bastionen

Besonders Pennsylvania mit seinen vielen Stahlwerken ist davon betroffen. Es gibt einfach kaum noch Jobs für Arbeiter und der einzige der beiden Kandidaten, dem zugetraut wird, neue Jobs zu schaffen ist: Donald Trump.

Ähnlich sieht es in anderen Landstrichen des sogenannten Rust Belts aus; dem Nordosten der USA, einst größte Industrieregion des Landes, der besonders unter der Wirtschaftskrise leidet. Die ist zwar eigentlich längst überwunden, nur leider geht der Aufschwung an vielen Menschen vorbei. Vor allem an einfachen Arbeitern.

Dahin, wo es den Menschen schlecht geht

Zum Rostgürtel gehört auch Michigan - bislang fest in demokratischer Hand. "Da ist nie jemand hingegangen, weil jeder sagt: Lohnt sich nicht, hier kannst du nicht gewinnen. Wir aber werden Michigan belagern, weil wir hier natürlich gewinnen können", sagte der Milliardär selbstbewusst im April. Das könnte tatsächlich eine erfolgsversprechende Strategie werden: Bei den vergangenen Wahlen haben sich die Kandidaten meist nur auf die umkämpften Swing States konzentriert, weil sie sich der anderen Staaten sicher sein konnten. Doch Trump interessiert das nicht. Er geht dahin, wo es den Menschen schlecht geht - und macht ihnen, anders als Clinton, Versprechungen, für die sie gerade besonders anfällig sind: Arbeit, Geld, Perspektive.