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Politische Kriegsführung Donald Trump und die Beschwörung der Verschwörung


Und schon wieder eine "Hexenjagd": Seit Jahren beschwört der US-Präsident die Verschwörung – auch hinter der Ukraine-Affäre verbirgt sich für Donald Trump ein Komplott. Zufall? Natürlich nicht.

Was waren wir erschrocken. Damals, am 11. Januar 2017, als Donald Trump noch der künftige US-Präsident war. Und vor laufenden Kameras im New Yorker Trump Tower, bei einer offiziellen Pressekonferenz nach seinem Wahlsieg, einem Reporter des US-Senders CNN vorwarf: "Ihr seid Fake News!"

"Trump nennt CNN 'Fake News'"

"Trump beschimpft CNN-Reporter"

"Trump beschwört 'Fake News' bei Pressekonferenz"

Das waren vor zweieinhalb Jahren noch Schlagzeilen, die es weltweit auf Titelseiten schafften. Der designierte US-Präsident, bald der mächtigste Mann der Welt – er verliert die Fassung, hieß es in den Artikeln, und offenbart seine Verachtung für demokratische Selbstverständlichkeiten wie eine freie Presse. 

Und heute? Heute findet Trumps schwerwiegende Anklage kaum noch Gehör, in der Regel sorgt sie auch nicht mehr für Schlagzeilen. Irgendwie nicht mehr aufregend, die Aufregung? "Es ist einfach kein objektiver Nachrichtenfaktor mehr vorhanden", sagt der Politikberater Martin Fuchs zum stern. Zu inflationär rief der US-Präsident den "Fake News"-Vorwurf in den (Blätter-)Wald. 

Trump soll Theresa May in einem Interview kritisiert haben? "Fake News!"

Trump soll sich bei dem Verlauf eines Hurrikans geirrt haben? "Fake News!"

Trump wurde in Großbritannien mit Protesten empfangen? "Fake News!"

Drei Beispiele, in denen ausgerechnet Trump mit eben jenem Vorwurf selbst "Fake News" streut. Das hätten Medien mittlerweile gelernt, so Fuchs: "Jede auch kritische Wiederholung des Narrativs bestärkt dieses auch noch."

Dabei sollen ihm nicht nur die "Fake News"-Vorwürfe als Verstärker seines Narrativs dienen, also Trumps Erzählung einer Story. Ein regelrechter Dauerbrenner in seinem Repertoire: die "Hexenjagd".

Die ewige "Hexenjagd" gegen Donald Trump

Noch vor seinem Amtsantritt nannte Trump eine Wahlkampfeinmischung Russlands (die mittlerweile als erwiesen gilt) eine "politische Hexenjagd" – sah er sie doch als Schmähung seines Wahlsieges. Allein 2018 soll Trump 138 Mal auf Twitter von einer "Hexenjagd" gesprochen haben, zählt "Statista". Nun sieht Trump in der Ukraine-Affäre die wohl "größte Hexenjagd in der Geschichte unseres Landes".

Die US-Demokraten prüfen derzeit ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, weil er in einem heiklen Telefonat die Macht seines Amtes missbraucht haben könnte (warum, lesen Sie hier). Beinahe täglich kommen neue Enthüllungen ans Licht, die Trump in ähnlicher Taktung versucht zu brandmarken. Mal als eine "totale Hexenjagd", mal als "absurde Hexenjagd" oder eben als "größte Hexenjagd". Was steckt dahinter? Trump verfolge eine "klare Strategie", so Politikberater Fuchs. "Mit seinen Vorwürfen von 'Fake News' und 'Hexenjagd' versucht er seine Truppen hinter sich zu vereinen." 

Trumps Truppen: Das sind die Amerikaner, die seinen politischen Ansichten nahe stehen. "Alle anderen lässt er komplett außen vor. Er will sie gar nicht erreichen." Egal welche Fehler er mache, Trump versuche eine "Wagenburg-Mentalität" aufzubauen, sodass "jeder Angriff auf ihn als ein Angriff auf die AmerikanerInnen gesehen wird, die er vertritt."

Und so sang auch Trump im Zuge der Ukraine-Affäre in einem Twitter-Video den Refrain der Populisten: "Sie wollen mich stoppen, weil ich für euch kämpfe".

Sie gegen uns, wir gegen die anderen. "Und es funktioniert", sagt Fuchs, "diesen Zielgruppen sind all die 'Fake News', Inkompetenz und Fehltritte ziemlich egal."

Stattdessen wird zum Teil munter mitgesungen – etwa bei Trumps konservativem Haussender Fox News, der im Zuge der Ukraine-Affäre das Narrativ der "Hexenjagd" aufgriff. Tatsächlich haben sich die Zustimmungswerte für Trump  mit der Causa nur geringfügig verändert. Dass ihm dabei auch republikanische Parteifreunde beispringen und die "Hexenjagd" mitbeschwören, dürfte Trumps selbsterklärtes Ziel sein.

Ob Trump letztlich von seinem "Hexenjagd"-Narrativ profitiere, sei zwar schwer zu sagen, so Fuchs. "Aber es geht ihm meines Erachtens darum, die Republikaner im Kongress und im Repräsentantenhaus – die ihn ja auch nicht alle mögen – hinter sich zu vereinen, um das mögliche Impeachment zu überstehen." Stehen die Republikaner im Repräsentantenhaus geschlossen hinter Trump, könnten sie ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen ihn blockieren (warum, lesen Sie hier). Trump würde dann US-Präsident bleiben und als Sieger aus der Angelegenheit hervorgehen. Bis zur nächsten "Hexenjagd". 


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