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Muellers Russland-Bericht: "Verärgert, beschämt, entsetzt" - das sagen Zeugen über Trumps vergangene Affäre

Während sich Donald Trump mit den Ermittlungen der neuen Affäre herumschlägt, kommen nun Details der Russland-Untersuchungen heraus. Sie geben einen interessanten Einblick in Trumps Welt und die Art, wie dort Politik gemacht wird.

Die Veröffentlichungen klingen wie das Echo einer längst vergangenen Zeit, die aber nicht einmal ein Jahr her ist. Auf Antrag des US-Portals "Buzzfeed" und des Senders CNN hat das Justizministerium Dokumente zu den Russland-Ermittlungen veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Aussagen von Donald Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen, dem früheren Vize-Generalstaatsanwalt Rod Rosenstein und der ehemaligen Kommunikationsdirektorin in Weißen Haus, Hope Hicks.

Die Befragungsabschriften rücken die Ergebnisse von Robert Muellers im März vorgestellten Abschlussbericht zur Russland-Affäre zwar nicht in ein neues Licht, zeigen aber einen interessanten Einblick ins Weiße Haus und die Art, wie dort seit einigen Jahren Politik gemacht wird.

Der Griff nach Hillary-Clintons-E-Mails

Auf der Suche nach Schmutz, mit dem man Kontrahentin Hillary Clinton bewerfen könnte, hatte sich Donald Trumps Wahlkampfteam offenbar um ihre E-Mails bemüht, die zu Tausenden von Russland entwendet und später auf Wikileaks veröffentlicht worden waren. Trumps stellvertretender Wahlkampfleiter Rick Gates wird in den Dokumenten so zitiert, dass Trump, sein Sohn und mehrere Führungsleute auf eine Herausgabe der E-Mails hofften. Der außenpolitische Berater Michael Flynn - der später für kurze Zeit Präsident Trumps nationaler Sicherheitsberater wurde – hätte seine Kontakte im Geheimdienstmilieu nutzen sollen, um die E-Mails zu bekommen, so Gates weiter.

Der Sterne-General Flynn habe auch die besten Russland-Kontakte gehabt, so Gates. Diese Kontakte, vor allem die zu einem russischen US-Botschafter, hatte Flynn gegenüber Vize-Präsident Mike Pence verschwiegen – was letztlich zu seiner Entlassung führte. Die sei von Pence betrieben worden. "Es war eines der wenigen Male bei denen Pence Trump gegenüber hartnäckig war", so Gates laut den Dokumenten.

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Michael Cohen und der Trump-Tower in Moskau

Michael Cohen war jahrelang Trumps Anwalt und Ausputzer. Nachdem er vom US-Präsidenten fallen gelassen wurde, wandte der sich gegen ihn. Cohen sitzt derzeit im Gefängnis - unter anderem, weil er den US-Kongress über ein Bauvorhaben Trumps in Moskau angelogen hatte. Der geplante Tower wurde nie gebaut, allerdings gab es den Verdacht, dass das Projekt in Zusammenhang mit einer möglichen Einmischung Moskaus in die US-Wahl stehen könnte.

Einige Details über den Moskau-Tower sollten auf Anweisung eines anderen Trump-Anwalts ,Jay Sekulow, nicht weiter in Berichten auftauchen, so Cohen, da das Geschäft nicht weiter verfolgt werde. Zudem hatte sich Cohen gewünscht, dass es in der Trump-Organisation genau so "kompetente Mitarbeiter" gäbe, wie eine Kreml-Assistentin, mit der er gesprochen hätte, und die wichtige Fragen zum Trump Tower Moskau gestellt habe.

Der Rauswurf von FBI-Chef James Comey

Die Entlassung des damaligen FBI-Chefs James Comey durch Donald Trump hatte zur Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller geführt. Der (ihm vorgesetzte) Vize-Justizminister Rod Rosenstein war nach eigener Aussage "verärgert, beschämt und entsetzt" über die Art, wie mit Comey umgegangen worden sei. Entgegen seiner Annahme sei Comey nicht direkt von einem Vorgesetzten über seine Entlassung informiert worden (also dem US-Präsidenten oder dem Justizminister), sondern per E-Mail. Zudem sei er "überrascht" darüber gewesen, dass das Weiße Haus ihn, also Rosenstein, als Impulsgeber für den Comey-Rauswurf dargestellt hatte. Deswegen habe er sich auch geweigert, an einer Pressekonferenz über Comeys Entlassung teilzunehmen, da sein Ministerium "nicht daran teilnehmen könne, eine falsche Geschichte zu veröffentlichen".

Die nun veröffentlichten 295 Seiten bilden die zweite Tranche von Ermittlungsdokumenten, die künftig in regelmäßigen Abständen herausgegeben werden sollen. Bislang wurde der Mueller-Bericht nur in Teilen geschwärzt veröffentlicht. Das Justizministerium wird voraussichtlich in den nächsten Jahren zu Beginn eines jeden Monats einen neuen Schwung der Memos aus dem Untersuchungsbericht veröffentlichen.

Quellen: "Buzzfeed", CNN, DPA, AFP

nik