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US-Präsident in der Krise Donald Trump und die niedrigen Corona-Zahlen: US-Präsident mit nächstem denkwürdigen TV-Interview

Donald Trump Axios Interview
"Das kannst du nicht machen": Donald Trump beim Axios-Interview
© Screenshot/Axios on Twitter / stern
Mit drei Grafiken und Zahlen, die sonst keiner benutzt, versucht Donald Trump seine umstrittene Corona-Politik zu verteidigen. Es ist das nächste TV-Interview, in dem der US-Präsident keinen guten Eindruck hinterlässt.

Mit TV-Interviews hat der US-Präsident derzeit kein Glück. Erst kürzlich wurde Donald Trump auf dem ihm eigentlich wohlgesinnten Sender Fox News regelrecht vorgeführt, nun geriet er in einem Gespräch mit dem Politikportal "Axios" ins Schlingern. Anlass war eine Diskussion mit Interviewer und Starreporter Jonathan Swan über die Corona-Pandemie. Trump behauptete, seine Regierung würde einen "unglaublichen Job" machen – er hatte dazu extra Grafiken dabei, um das zu belegen - doch deren Aussagekraft traf nicht ganz den Punkt.

"In zahlreichen Kategorien sind die USA am niedrigsten"

In der besonders bemerkenswerten Passage des Interviews wiederholt der US-Präsident zunächst sein Standardargument, nachdem die Infektionszahlen in die USA nur deshalb so hoch seien, weil das Land soviel teste. Dann holt er ein paar Zettel hervor: "In zahlreichen Kategorien aber sind die USA am niedrigsten", so Trump, "niedriger als die Welt. Niedriger als Europa". Swan versteht nicht und fragt nach: "In was?" Der Präsident überreicht ihm ein Blatt und sagt: "Todesfälle." Der Journalist wendet ein, dass es ja um "Todesfälle pro Infektionen" handele, er spreche selbstverständlich von "Todesfälle pro Einwohner", der weltweit übliche Vergleich. "Hier sind die USA wirklich schlecht. Viel schlimmer als Deutschland, Südkorea", so Swan.

Trump blickt ihn entgeistert an und meint: "Das kannst du nicht machen". Swan: "Was kann ich nicht machen?". "Du musst das auf die Fälle beziehen", so das Staatsoberhaupt, doch der Reporter lässt sich nicht locker: "Nehmen wir einmal Südkorea als Beispiel: 50 Millionen Einwohner, 300 Tote." Da sei es doch verrückt, von einer hohen Sterberate zu sprechen, versucht der Journalist Trump zu erklären. Doch der zieht die nächste Grafik hervor, die seine Sicht der Dinge stützt: "Hier die USA, bei den Fällen sind wir erster." Jonathan Swan dämmert es, dass sein Gesprächspartner die unterschiedliche Aussagekraft der Zahlen nicht verstehen will und muss sich von Trump anblaffen lassen: "Sie berichten das einfach falsch."

Höchste absolute Corona-Infektionszahl 

Auf Seiten der Forschung wird unter Sterberate normalerweise die Zahl der Toten pro Einwohner verstanden. In den USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern sind bislang mehr als 155.000 Menschen in Verbindung mit einer Coronavirus-Infektion gestorben, so die Johns-Hopkins-Universität. Die Zahl der bestätigten Infektionen liegt bei 4,7 Millionen - in absoluten Zahlen ist das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Gemessen an der Gesamtbevölkerung schneiden Länder wie Italien, Spanien und Großbritannien schlechter ab als die Vereinigten Staaten. Vergleicht man allerdings Tote mit Infektionen, dann sinkt die Sterberate automatisch mit einer hohen Zahl an Infizierten – so berechnet fallen die Zahlen in den USA entsprechend gut aus.

Trump deutete auch an, dass ihm die Menge an Tests in den USA nicht gefalle: "Und dann gibt es diejenigen, die sagen, dass man auch zu viel testen kann, wie du weißt", so der Präsident. Der erstaunte Reporter fragte zurück: "Sagt wer?" "Lies die Anleitungen, lies die Bücher, lies die Anleitungen", entgegnet ihm der Präsident. Swan versteht nicht: "Anleitungen? Welche Anleitungen? Welche Bücher?" Trump aber lässt die Frage einfach im Raum stehen.

Trump: "Wünsche Ghislaine Maxwell alles Gute"

Allein der kurze Schlagabtausch aus dem insgesamt rund 40 Minuten langen Interview wurde binnen weniger Stunden mehr als zehn Millionen aufgerufen. Swan, der als einer der wenigen Nicht-Fox-News-Journalisten von Trump angeblich Vorab-Informationen bekommen soll, befragte den Präsidenten auch zu anderen Themen wie dem umstrittenen Wahlkampfauftritt in Tulsa (Trump: "Hat Fox News die besten Samstagseinschaltquote beschert"), der Festnahme von Jeffrey Epsteins Vertrauter Ghislaine Maxwell (Trump: "Ihr Freund starb im Gefängnis, ich wünsche ihr alles Gute.") und sein Fernblieben von der Trauerfeier für die Bürgerrechtslegende John Lewis (Trump: "Ich kannte ihn nicht. Er ist auch nicht zu meiner Amtseinführung gekommen.").


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