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USA: Trump und die Syrien-Wende: Was seine Tweets verraten

Jahrelang hat Donald Trump die Syrien-Politik der USA kritisiert und vor den Folgen einer Einmischung gewarnt. Seine Twitter-Chronik belegt dies. Doch der Giftgasangriff, der auf das Konto von Assad gehen soll, bringt ihn nun in dieselbe Bredouille wie einst Obama.

Donald Trump hat eine Kehrtwende in der Syrien-Politik angedeutet

Donald Trump hat eine Kehrtwende in der Syrien-Politik angedeutet

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff schlägt Donald Trump in Sachen Syrien einen neuen Ton an. Die zivilisierte Welt könne eine Schande wie den Angriff auf Chan Scheichun nicht einfach ignorieren, sagte der US-Präsident am vergangenen Dienstag. "Für mich sind damit eine ganze Reihe von Linien überschritten worden", spitzte er am Mittwoch noch zu. Der Angriff auf Frauen, Kinder und Babys sei entsetzlich und furchtbar. Dieser "Affront des Assad-Regimes gegen die Menschlichkeit kann nicht toleriert werden."

Wie die amerikanische Antwort aussehen wird, ließ Trump allerdings offen. Aber er deutete die Möglichkeit einer militärischen Intervention an. Die syrische Regierung werde ein Zeichen erhalten. "Sie werden es auf jeden Fall bekommen, glauben Sie mir das", drohte er.

Eine bemerkenswerte Wende, die Trump da quasi über Nacht vollzogen hat. Lehnte er doch jahrelang eine amerikanische Einmischung in Syrien rigoros ab. Seine Twitter-Timeline führt dies deutlich vor Augen. 122 Tweets zum Thema Syrien setzte er seit 2011 ab. Die große Mehrheit seiner Statements wendet sich dabei gegen die US-Politik und verurteilt das Vorgehen Obamas.

"Syrien ist NICHT unser Problem"

Im Mai 2013 bezog er zum ersten Mal eine eindeutige Position. "Obama will in Syrien eine Flugverbotszone einrichten, um Al-Kaida-Islamisten zu schützen. Syrien ist NICHT unser Problem" twitterte er. 

Im Juni 2013 weiteten die USA jedoch ihre militärische Unterstützung für die syrischen Rebellen noch aus. Einen Tag später schrieb Trump: "Wir sollten uns verdammt nochmal aus Syrien raushalten. Die 'Rebellen' sind genauso schlimm wie das aktuelle Regime. Was werden wir für unsere Leben und Milliarden von Dollar bekommen? Nichts."

Im August 2013 spottete Trump über Obama, dass dieser lieber auf dem Golfplatz weile, während Syrien, Ägypten und der Irak brennen.

Donald Trump warnte vor einer US-Niederlage

Immer wieder warnte er vor den syrischen Rebellen. "Denkt daran, all diese 'Freiheits-Kämpfer" in Syrien wollen Flugzeuge in unsere Gebäude fliegen", schrieb er am 28. August 2013 in Anspielung auf die Terroranschläge vom 11. September. "Der syrische Präsident töten grausam die Menschen. Aber die sogenannten 'Rebellen' sind genauso schlimm, wenn nicht schlimmer!", heißt in einem anderen Tweet einige Tage später. "Viele der syrischen 'Rebellen' sind radikale Dschihadisten. Sie sind nicht unsere Freunde. Sie zu unterstützen, ist nicht in unserem nationalen Interesse. Lasst die Hände von Syrien!", forderte Trump immer wieder. "Die Terroristen in Syrien nennen sich selbst Rebellen und kommen damit davon, weil unsere Anführer so unglaublich dumm sind", wetterte er gegen die US-Regierung.

In dutzenden Tweets rief er Obama dazu auf, sich in Syrien nicht einzumischen und prophezeite eine amerikanische Niederlage. "An all diejenigen, die Syrien angreifen wollen: Die USA haben den wichtigen Effekt der Überraschung verloren. So dumm. Das Ganze könnte in einer Katastrophe enden!"

"Glaubt ihr, Obama stattet in Syrien 'gemäßigte Rebellen' mit Waffen aus. Ich bin nicht so sicher, wer sie sind. Was zum Teufel macht er da. Das Ganze wird sich gegen uns wenden", warnt er in einem anderen Statement und erinnert an den desaströsen US-Einsatz im Irak: "Die gesamte Bush-Administration sollte in Sachen Syrien nichts zu sagen haben. Der Irak war eine Verschwendung von Blut und Geld."

Hans-Ulrich Jörges' Klartext: Trumps Weg in den Krieg

In derselben Bredouille wie einst Obama

Schon 2013 klingen einige von Trumps Tweets ganz nach seinen späteren Wahlkampfparolen: "Obama muss sich jetzt auf unser eigenes Land konzentrieren: Arbeitsplätze, Gesundheitswesen und all unsere Probleme. Vergesst Syrien und macht Amerika wieder groß!", forderte er bereits vor mehr als drei Jahren.

Als ein Nutzer ihn 2013 fragte, was er als Präsident tun würde, antwortete Trump: "Ich würde sie alle sich gegenseitig bekämpfen lassen und mich auf die USA konzentrieren!"

Der verheerende Giftgasangriff, der mutmaßlich auf das Konto des Assad-Regimes geht, lässt Trump aber nun offensichtlich umdenken. Nun ist er in derselben Lage wie einst Obama, der nach einem Giftgasangriff 2013 entscheiden musste, ob die USA in Syrien intervenieren oder nicht. Nun kommt auch er in die Bredouille zu entscheiden, was Amerika teurer zu stehen kommt.

ivi