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Traditionelles Bündnis: Trump und May - wie aus engen Partnern eine "geht-ja-nicht-anders"-Beziehung wurde

In Davos wird Donald Trump mit der britischen Premierministerin Theresa May sprechen. Es ist eine Art Not-Treffen, denn das traditionell gute Verhältnis zwischen Großbritannien und den USA ist in Rekordzeit vereist.

Donald Trump Theresa May

Donald Trump und Theresa May im Weißen Haus

Picture Alliance

Böse Zungen würden sagen, Donald Trump kommt zum Weltwirtschaftsforum in die Schweiz, um einmal richtig anzugeben. "Ich reise gleich nach Davos, um der Welt zu sagen, wie großartig Amerika ist. Unsere Wirtschaft boomt jetzt und mit allem, was ich tue, wird es nur besser. Unser Land ist wieder auf der Siegerspur", twitterte der US-Präsident selbstbewusst. Die meisten Gäste auf dem Treffen der Staats - und Wirtschaftslenker werden den mächtigsten Mann der Welt mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier erwarten. Denn Trump gilt wegen seiner "America-First"-Politik als großer Störfaktor.

Kein "warmer Empfang" für Donald Trump

Außer einer Rede wird er keinen nennenswerten öffentlichen Auftritt in dem Alpenort haben, nur ein paar Spitzengespräche sind anberaumt. Unter anderem mit der britischen Premierministerin Theresa May. Eigentlich gilt das amerikanisch-britische Verhältnis als Selbstläufer. Aber mit Trump im Weißen Haus leidet selbst dieses traditionell enge Bündnis. Erst vor kurzem hatte der US-Präsident einen Staatsbesuch in London abgesagt. Offiziell, weil er keine Lust hatte, den Neubau der dortigen US-Botschaft einzuweihen. Inoffiziell aber, weil er gegenüber May auf einen "warmen Empfang" bestanden hatte, den sie ihm aber nicht garantieren konnte.

Süffisant beschrieben britische Medien, wie wenig die beiden miteinander klarkommen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert Regierungsinsider mit den Worten, die beiden kämen keinen Schritt voran.  Es sei für sie unmöglich, ihm ihre Vorstellungen zu erklären. "Trump dominiert jede Diskussion, er lässt die Premierministerin fünf, zehn Sekunden reden, dann fällt er ihr ins Wort und beginnt zu monologisieren", so die anonyme Quelle. In Telefonaten habe er sich zudem über die Kritik an ihm in der Presse beschwert, woraufhin sie sagte, dass sie darauf keinen Einfluss habe.

Schmeicheleien für den US-Präsidenten

Da die beiden auch charakterlich nicht sonderlich viel gemeinsam hätten, wollten ihre Mitarbeiter ein Spitzentreffen so lange herauszögern, bis "der sprunghafte Mr. Trump" etwas länger im Amt sei, sagte Katie Perrior, Theresa Mays frühere Kommunikationschefin. Sie habe die Premierministerin regelrecht davor gewarnt, den US-Präsidenten nach London einzuladen. Dass es dennoch dazu gekommen sei, habe an Mays Mitarbeitern gelegen, die sich vor dem Hintergrund des Brexits um die Beziehungen beider Länder sorgten. Eine Einladung in den Buckingham Palace würde Trumps Eitelkeit schmeicheln, so die Überlegung.

Der Plan sei zunächst auch aufgegangen, heißt es. Als der US-Präsident von der Einladung erfahren habe, verglich er ihre Beziehung schon mit der von Ronald Reagan und Margaret Thatcher, die sehr eng war. Journalisten habe er gesagt: "Sie wird meine Maggie sein." Doch das war wohl zu voreilig, das Verhältnis der beiden hat sich rapide verschlechtert. Wohl auch deswegen, weil May Trumps Bitte nicht nachkommen wollte und konnte, die Briten am Protestieren zu hindern. Nun wird es auch nicht Theresa May sein, die der US-Präsident als ersten Staatsgast in die USA einlädt, sondern wohl Emmanuel Macron, den Präsidenten des ungeliebten Nachbarn Frankreichs.