HOME

Donald Trump: Gipfel mit Putin: Wie der US-Präsident den Nato-Partnern mit zahmen Worten vor den Kopf stößt

Der US-Präsident macht mit Freude Nato-Partner runter. Doch gegenüber Autokraten schlägt Donald Trump sanfte Töne an. Zuletzt gegenüber Putin. Über einen Präsidenten, der die Verbündeten ratlos macht.

Donald Trump betonte in der Konferenz mit Putin die Notwendigkeit für einen Frieden.

Donald Trump betonte in der Konferenz mit Putin die Notwendigkeit für einen Frieden.

DPA

Wer meint, Donald Trump könne nur pöbeln, sah sich am Montag eines Besseren belehrt. Nachdem er letzte Woche noch gegen die Nato-Partner polterte, dass diese gefälligst ihre Wehretats erhöhen sollten, schlug er gegenüber Wladimir Putin andere Töne an, stand fast schüchtern vor versammelter Presselandschaft in Helsinki und gab bekannt, er "wolle lieber ein politisches Wagnis eingehen, um Frieden herzustellen, als aufgrund politischer Überlegungen, den Frieden zu riskieren."

Die -Verbündeten in den europäischen Hauptstädten dürften sich verwundert die Augen gerieben haben. Dabei hätte es gute Gründe für Trump gegeben, Putin die Leviten zu lesen: Die Annexion der Krim, die gegen alle internationale Absprachen verstieß, der verdeckte Krieg in der Ostukraine, die Sonderermittlungen des FBI gegen die Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf 2016, der Syrienkrieg.

Donald Trump beschädigt ohne Rücksicht die Nato

Der US-Präsident wischte all' das in Helsinki bei Seite. Auch kein Thema war für Trump auf einmal die Energiesicherheit der EU-Staaten. Noch in der vergangenen Woche rüffelte er die Bundeskanzlerin, Deutschland habe sich zur Geisel Moskaus gemacht. Die Pipeline Nord Stream 2 sei ein Desaster.

Es könne nicht angehen, dass Deutschland einerseits mit dem Gas-Deal Nordstream 2 Russland finanziere, dann aber von dem zwei Prozentziel für Nato-Mitglieder nichts mehr wissen wolle. Die USA kämen für den Schutz der Europäer gegen Russland auf. Doch die seien geizig mit höheren Beiträgen für Nato dafür einzustehen.

Trump war es am Donnerstag in dieser Frage ernst. Er stellte den Gipfel zum Ende nochmal auf eine Probe, als er androhte, die USA würden notfalls ihr eigenes Ding machen, wenn die Europäer seinen Forderungen nicht nachkommen sollten. Die Drohung fiel hinter verschlossen Türen. Doch als die Nachricht nach außen drang, war die Wirkung fatal: Die Risse in der Allianz sind für alle Welt sichtbar – auch für die russische Führung.

nahm ohne Rücksicht eine Schwächung der Nato in Kauf. Am Ende rettete ein Kompromiss die Lage: Die Verbündeten wollen bis 2024 ihren Wehretat auf zwei Prozent der Wirtschaftskraft anheben. Der US-Präsident schloss die Pressekonferenz mit versöhnlichen Worten ab.

Mit Putin will der US-Präsident an einer Friedensordnung arbeiten

Bei Machthabern oder Diktatoren setzt er dagegen bislang immer pünktlich zum Treffen auf die Friedenskarte. Trump räumte in Helsinki überraschend ein, jede Nation habe in Sachen Energie-Versorgung eigene Interessen. Putin wird es gefreut haben. Überhaupt beschwor Trump den Weltfrieden. Nicht Säbelrasseln, sondern der Dialog mit Russland werde der Welt gut tun, tönte er auf Twitter.

Die Partner der USA stehen etwas ratlos da, ob den Volten des US-Präsidenten. Zumal er sie nicht in seine außenpolitischen Pläne einweiht. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt klagte noch am Montagabend in den Tagesthemen über diese Strategie. "So richtig wissen wir eigentlich bis heute nicht, was verabredet und was besprochen worden ist", sagte Niels Annen.

Trump fühle sich "im Kreise der Verbündeten, aber auch von internationalen Organisationen" nicht wohl, befand er. "Wir haben es mit einem Präsidenten zu tun, der uns herausfordert, der für die gesamte Europäische Union eine große Herausforderung ist."