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Erneuter Anschlag auf Bundeswehr: Tod im Schützenpanzer

Es war früher Vormittag im Norden Afghanistans, als eine selbstgebaute Bombe den deutschen Schützenpanzer vom Typ Marder in die Luft sprengte. Ein Bundeswehrsoldat kam bei dem Anschlag ums Leben - es ist der vierte Tote innerhalb einer Woche.

Die Bundeswehr ist im Norden Afghanistans erneut zum Ziel eines tödlichen Anschlags geworden. Bei einem Sprengstoffanschlag 36 Kilometer südlich von Kundus starb ein deutscher Soldat. Fünf weitere Soldaten wurden verletzt, einer von ihnen schwebt in Lebensgefahr, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Wie auch der getötete Soldat gehören sie der Panzerbrigade 21 "Lipperland" an, deren Standort im nordrhein-westfälischen Augustdorf liegt.

Der Anschlag in der Provinz Baghlan, die im Süden an die Provinz Kundus angrenzt, ereignete sich um 9.54 Uhr (Ortszeit; 07.24 Uhr MESZ). Ziel war eine Patrouille, die zu einem der beiden Ausbildungs- und Schutzbataillone der Bundeswehr in in Afghanistan gehört. Der Soldat starb noch am Anschlagsort, die Verletzten wurden mit Rettungshubschraubern in die Bundeswehrfeldlager Kundus und Masar i Scharif gebracht. Insgesamt wurden innerhalb von knapp zehn Tagen nun vier deutsche Soldaten am Hindukusch getötet.

Die Angreifer hatten einen Schützenpanzer vom Typ Marder mit einem selbst gebauten Sprengsatz attackiert. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr hob hervor, dass es sich um einen "Marder 1A5" gehandelt habe, den modernsten Typ des Schützenpanzers. In der Version A5 verfügt der 37 Tonnen schwere Panzer über einen umfassenden Schutz gegen Minen und Sprengfallen. In einem älteren Modell wären womöglich mehr Soldaten ums Leben gekommen. Der Marder wird derzeit bei der Bundeswehr durch das Nachfolgemodell Puma ersetzt. Die Taliban reagieren mit immer stärkeren Sprengfallen auf den Einsatz von Panzern. Die größten gebauten Bomben wiegen bis zu 300 Kilo.

"Unsere Strategie greift, die Taliban verlieren an Boden"

"Wir trauern um den gefallenen Soldaten", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr stellte er allerdings nicht infrage: "Unsere Strategie ist richtig, sie greift, die Taliban verlieren an Boden", so de Maizière. "Vor Gewalt darf man nicht weichen. Wenn wir jetzt gingen, würde das Vertrauen der Afghanen erschüttert." Die deutschen Soldaten würden weiter auf Patrouille gehen, kündigte er an. "Wir wollen Sicherheit und Entwicklung, nicht Terror und Unterdrückung."

Die betroffenen deutschen Bataillone sollen in der Region verstärkt Präsenz zeigen und afghanischen Soldaten bei gemeinsamen militärischen Aktionen ausbilden. Die Soldaten des betroffenen Bataillons sind vor allem in der Provinz Baghlan im Einsatz, wo die Bundeswehr einen Außenposten eingerichtet hat.

Drei tote Soldaten in nur wenigen Tagen

Erst am Samstag waren in Talokan, der Hauptstadt der Provinz Tachar im Nordosten Afghanistans, bei einem Anschlag zwei Bundeswehrsoldaten getötet und sechs weitere verletzt worden. Unter den Verletzten war auch der Kommandeur des Regionalkommandos Nord der Nato-Truppe Isaf, Markus Kneip. Eine Soldatin wurde schwer verletzt, sie wird inzwischen im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz behandelt. Am Mittwoch zuvor war ein Bundeswehrsoldat bei einem Sprengstoffanschlag in der Provinz Kundus getötet worden. Ein deutscher Soldat und ein afghanischer Dolmetscher wurden dabei verletzt.

Seit Beginn des Bundeswehr-Einsatzes im Rahmen der Nato-Truppe Isaf Anfang 2002 starben bei Anschlägen und Gefechten in Afghanistan 34 deutsche Soldaten. Derzeit sind rund 5000 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert. Die Monate April und Mai waren für die Nato in Afghanistan besonders tödlich. Nach Angaben der unabhängigen Internetseite icasualties.org starben in den beiden Monaten 110 Nato-Soldaten - 51 im April und 59 im Mai - und damit mehr als jemals zuvor in den beiden Monaten seit Beginn des Einsatzes vor bald zehn Jahren. Von dem in Kundus Gefallenen und seinen beiden in Talokan getöteten Kameraden will die Bundeswehr an diesem Freitag in Hannover Abschied nehmen.

nik/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters