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Erste freie Präsidentenwahl seit 1958: Guinea wählt den Frieden

24 Kandidaten, ein Posten - und vier Millionen Wähler. Die ersten freien Präsidentenwahlen in Guinea seit der Unabhängigkeit des westafrikanischen Kleinstaats sind

Erstmals seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1958 haben die Einwohner des westafrikanischen Landes Guinea in freien Wahlen ihren Präsident bestimmt. Der Urnengang am Sonntag verlief friedlich, wie die nationale Wahlkommission und internationale Beobachter feststellten. Übergangspräsident und Junta-General Sékouba Konaté rief die Bevölkerung zu "Einheit und Solidarität" auf.

Weder aus der Hauptstadt Conakry noch aus den übrigen Landesteilen seien Zwischenfälle während der Präsidentschaftswahl gemeldet worden, erklärte die nationale Wahlkommission (Céni) am Sonntagabend. Die internationalen Beobachtermissionen, an denen auch die Europäische Union beteiligt war, begrüßten, dass die guineischen Wähler massenhaft in die Wahllokale geströmt seien, "um die Zukunft ihres Landes in Frieden und Gelassenheit zu bestimmen". Sie forderten die Guineer in einer gemeinsamen Erklärung auf, "in der selben Atmosphäre der Ruhe und Toleranz, die während des Wahlkampfs geherrscht habe", auf die Wahlergebnisse zu warten.

Erste vorläufige Ergebnisse sollten nicht vor Mittwoch bekanntgegeben werden, das Endergebnis soll binnen einer Woche veröffentlicht werden. Rund 4,2 Millionen Guineer waren aufgerufen, zwischen 24 Präsidentschaftskandidaten, unter ihnen eine Frau, zu wählen. Als Favoriten galten die ehemaligen Regierungschefs Cellou Dalein Diallo und Sidya Touré sowie der frühere Oppositionsführer Alpha Condé. Armeeangehörige oder Mitglieder der Übergangsregierung traten nicht an. Sollte keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erringen, findet am 18. Juli eine zweite Wahlrunde statt.

Mehrere Augenzeugen berichteten, dass der Andrang in den landesweit fast 8300 Wahllokalen groß gewesen sei. "Da waren viele Menschen in der Wahlstation. Anhänger von politischen Gegnern kamen miteinander aus", berichtete der Lehrer Amara Camara aus der Stadt Siguiri im Nordosten des Landes. Vereinzelt wurden Engpässe bei den Wahlunterlagen gemeldet.

Nach der Erlangung der Unabhängigkeit 1958 war das westafrikanische Guinea 26 von dem autoritären Präsidenten Ahmed Sékou Touré regiert worden. Nach seinem Tod 1984 putschte sich Lansana Conté an die Macht und herrschte 24 Jahre lang. Nach Contés Tod Ende 2008 fand ein Putsch unter der Führung von General Konaté statt, der die Macht an Moussa Dadis Camara übergab. Unter seiner Herrschaft tötete das Militär im September 2009 bei einer Kundgebung der Opposition mindestens 156 Menschen. Dutzende Frauen wurden vergewaltigt.

Vor einem halben Jahr wurde schließlich Konaté Übergangspräsident und versprach die ersten freien Wahlen im Land. Am Sonntag sagte Konaté, er sei stolz, dieses Versprechen gehalten zu haben. "Seit 50 Jahren ist das das erste Mal, dass in Guinea freie und transparente Wahlen abgehalten werden", fügte der Übergangspräsident hinzu.

Guinea gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Es verfügt allerdings über wertvolle Bauxit- und Eisenvorkommen.

AFP/DPA / DPA