HOME

Fußballkatastrophe von Ägypten: Polizei attackiert Demonstranten mit Tränengas

Neue Gewalt nach der Fußballkatastrophe von Port Said: In Kairo lieferte sich die Polizei heftige Auseinadersetzungen mit wütenden Demonstranten. Diese skandierten: "Dies war kein Sportunglück, dies war ein Militärmassaker!"

Nach den tödlichen Krawallen am Rande eines Fußballspiels in Ägypten haben sich wütende Demonstranten in Kairo Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Anhänger des Kairoer Fußballclubs Al Ahli machten den Chef des Militärrats, Hussein Tantawi, für den Tod von 74 Fußballfans am Vorabend in Port Said verantwortlich. International wurde eine Aufklärung der Gewalt vom Mittwochabend gefordert.

"Dies war kein Sportunglück, dies war ein Militärmassaker!", riefen die tausenden Demonstranten, als sie vom Sitz des Fußballclubs zum zentralen Tahrir-Platz marschierten. Als die Demonstranten weiter zum Innenministerium vordringen wollten, setzte die Polizei Tränengas gegen sie ein; nach Angaben von Ärzten wurden mindestens 20 Menschen verletzt. Die Demonstranten warfen Steine auf die Polizisten.

Internationale Stelle verlangen Aufklärung

Bei einem Spiel zwischen den Mannschaften Al Masri aus Port Said und Al Ahli aus Kairo waren am Mittwochabend unmittelbar nach dem Abpfiff Fans von Al Masri auf das Spielfeld gestürmt und hatten Spieler und Anhänger der gegnerischen Mannschaft mit Flaschen und Steinen beworfen. Im Internet waren Fotos von blutüberströmten Spielern zu sehen. Nach Angaben von Innenminister Mohammed Ibrahim wurden die meisten der Opfer erdrückt. Neben den 74 Toten gab es nach Angaben des Gesundheitsministeriums hunderte Verletzte. Die Polizei nahm 47 Menschen fest.

Die ägyptische Führung geriet von mehreren Seiten erheblich unter Druck. Die Europäische Union forderte eine "sofortige und unabhängige Untersuchung" der Gewalt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die ägyptische Regierung zu "angemessenen Maßnahmen" auf. Der Weltfußballverband FIFA verlangte von den ägyptischen Behörden einen "vollständigen Bericht" zu den Krawallen.

"Die Revolution ist in großer Gefahr"

Die bei der Parlamentswahl siegreichen islamistischen Muslimbrüder sprachen von "geplanten" Ausschreitungen. Sie seien eine "Botschaft der Anhänger des alten Regimes" des gestürzten Staatschefs Husni Mubarak, sagte der Abgeordnete Essam al Erian von der Partei Freiheit und Gerechtigkeit.

Parlamentspräsident Saad al Katatni, ebenfalls ein Muslimbruder, sagte, die "ägyptische Revolution" sei "in großer Gefahr". Das "Massaker von Port Said" sei Folge einer "unglaublichen Nachlässigkeit der Sicherheitskräfte". Abgeordnete forderten die Entlassung der Regierung und erklärten, der Oberste Militärrat trage "die gesamte Verantwortung" für die Gewalt.

Wie Regierungschef Kamal al Gansuri mitteilte, wurde als Konsequenz aus den Krawallen der Sicherheitschef von Port Said, Essam Samak, entlassen und seine führenden Mitarbeiter suspendiert. Auch die gesamte Führung des Nationalen Fußballverbands wurde entlassen. Der Gouverneur der Stadt trat zurück. Der regierende Oberste Militärrat rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

dho/AFP / AFP