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Gaza-Konflikt: Ägypten schlägt Waffenruhe ohne Bedingungen vor

Nach wochenlangen, ergebnislosen Verhandlungen, bietet Ägypten nun eine Waffenruhe ohne Bedingungen an. Für einen Monat sollen alle Kampfhandlungen ruhen, damit die Bevölkerung versorgt werden kann.

Die Ägypter haben für Gaza eine Waffenruhe vorgeschlagen, die sofort in Kraft treten könnte

Die Ägypter haben für Gaza eine Waffenruhe vorgeschlagen, die sofort in Kraft treten könnte

Ägyptische Vermittler haben Israelis und Palästinensern eine befristete Waffenruhe im Gaza-Konflikt vorgeschlagen, die auf weitgehende Vorbedingungen verzichtet und deshalb sofort in Kraft treten könnte. Dies sagte ein führender Palästinenservertreter in Kairo. Demnach sollen für mindestens einen Monat alle kriegerischen Handlungen eingestellt und die Grenzübergänge für Hilfslieferungen und die Einfuhr von Baumaterial geöffnet werden. Alle weiteren strittigen Punkte sollten erst nach Monatsfrist verhandelt werden, erläuterte der palästinensische Politiker, der anonym bleiben wollte.

Ein Vertreter der ägyptischen Regierung, die seit Wochen um eine Beendigung der Kämpfe bemüht ist, bestätigte, dass die Vermittler sowohl Israel als auch den Palästinenserfraktionen neue Vorschläge unterbreitet haben. Auf deren Inhalt wollte er nicht eingehen. Der Palästinenservertreter versicherte, neben der Autonomiebehörde in Ramallah befürworte auch die radikalislamische Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, diese neue ägyptische Initiative, sofern auch Israel dies tue: "Wir sind bereit, dies zu akzeptieren, warten aber auf die israelische Antwort."

Waffenstillstand bisher gescheitert

Im aktuellen Gaza-Konflikt wurden binnen sieben Wochen mehr als 2100 Palästinenser getötet, auf israelischer Seite starben 68 Menschen. Ein längerer Waffenstillstand scheiterte an den gegensätzlichen Positionen der Konfliktparteien. Die Palästinenser verlangen, dass zuvor die achtjährige Blockade des Gazastreifens aufgehoben wird. Israel verlangt seinerseits, dass die bewaffneten Gruppen in dem Palästinensergebiet alle Angriffswaffen abrüsten. Die Diskussionen auch hierüber würden im Sinne der neuen ägyptischen Initiative zunächst verschoben, um Zeit für Hilfsaktionen und diplomatische Bemühungen zu gewinnen.

Die israelische Armee setzte in der Nacht ihre Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen fort. Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte wurden bei einem Angriff mindestens zwei Menschen in dem Küstengebiet getötet.

Einer Sprecherin des israelischen Militärs zufolge gab es in der Nacht 16 Angriffe im Gazastreifen. Dortigen Augenzeugen zufolge wurden zwei Moscheen zerstört, im nördlichen Beit Hanun sowie in der Stadt Gaza. Seit Sonntagabend wurden aus dem Palästinensergebiet demnach aber keine Raketen mehr auf Israel abgefeuert.

Israelische Angriffe wieder verstärkt

Israel hatte am Wochenende seine Angriffe wieder verstärkt, nachdem am Freitag ein vierjähriges israelisches Kind getötet worden war. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte angekündigt, Israel werde seine Militäroffensive fortsetzen, bis aus dem Gazastreifen kein Beschuss mehr zu erwarten sei.

Nach dem angeblichen Abschuss einer israelischen Aufklärungsdrohne über dem Iran will Teheran die militärische Aufrüstung der Palästinenser im Westjordanland "beschleunigen". Die Islamische Republik behalte sich außerdem "das Recht auf jegliche Reaktion" vor, erklärte die Luftwaffe der iranischen Revolutionsgarden auf deren offizieller Internetseite sepahnews.com.

Am Sonntag hatte der Iran nach eigenen Angaben nahe seiner wichtigsten Atomanlage in Natans eine Drohne des "zionistischen Regimes" abgeschossen, als diese sich dem Urananreicherungskomplex im Zentrum des Landes näherte. Die abgeschossene Drohne vom Typ "Hermes" hatte demnach zwei hochauflösende Kameras an Bord und eine Flügelspannweite von fünfeinhalb Metern. Im iranischen Fernsehen wurden zudem Bilder von angeblichen Trümmern des unbemannten Flugzeugs gezeigt.

yps/AFP / AFP