Gaza-Streifen Heftige Kämpfe begleiten Friedensmission


Panik in Gaza-Stadt: Während Außenminister Frank-Walter Steinmeier sich auf einer erneuten Mission um eine Waffenruhe in Nahost bemüht, dringt Israel offenbar tief in die dicht besiedelten Gebiete der Stadt vor. Augenzeugen berichten, Israels Panzer stünden nur noch 1,5 Kilometer vor dem Stadtzentrum.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat am Donnerstag eine neue Nahost-Mission begonnen. Nur wenige Tage nach seiner letzten Reise in die Krisenregion will er erneut versuchen, die Bemühungen um eine Feuerpause im Gaza-Streifen voranzubringen. Am Donnerstagmorgen traf er zunächst in Israel mit Staatspräsident Schimon Peres zusammen. Im Laufe des Tages sind Gespräche mit Ministerpräsident Ehud Olmert, Verteidigungsminister Ehud Barak und Außenministerin Zipi Livni geplant. Am Abend wird Steinmeier zu Gesprächen mit der ägyptischen Regierung in Kairo erwartet.

Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen gingen die israelischen Angriffe im Gaza-Streifen auch am 20. Tag der Militäroffensive weiter. Vor allem aus Gaza-Stadt wurden schwere Gefechte gemeldet. Augenzeugenberichten zufolge drangen Bodentruppen tief in die dicht besiedelten Gebiete der Stadt ein. Im ganzen südlichen Stadtgebiet brannten demnach zahllose Wohnungen und Autos. Panzer stünden nur noch eineinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, hieß es. Tausende verängstigte Menschen seien auf der Flucht vor den mit Unterstützung von Kampfhubschraubern und Artillerie vorrückenden Soldaten. Unter der Bevölkerung in den Hochhäusern im Stadtteil Tell el-Haua sei Angst und Panik ausgebrochen. Menschen riefen von Balkonen um internationale Hilfe.

Während die Panzer weiter vorrückten, feuerten militante Palästinenser mindestens 16 Raketen auf Israel ab. Um 11 Uhr Ortszeit (10 Uhr MEZ) kündigte das israelische Militär eine vierstündige Feuerpause an. Kurz nach diesem Zeitpunkt seien die Kämpfe aber noch weiter gegangen, berichteten Augenzeugen.

Die Zahl der Todesopfer ist nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza inzwischen auf 1040 angestiegen. Mehr als 5000 Menschen seien seit Beginn der israelischen Militäraktion am 27. Dezember schwer verletzt worden.

Steinmeier sprach sich nach seiner Landung in Tel Aviv für eine rasche Einstellung der Kampfhandlungen und die Versorgung der notleidenden Menschen im Gaza-Streifen aus. "Der Einstieg in einen dauerhaften Waffenstillstand könnte über eine humanitäre Waffenruhe gelingen. Diese Waffenruhe muss dann genutzt werden, um nun tatsächlich Hilfe zu leisten", sagte Steinmeier.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der am Mittwochabend in der jordanischen Hauptstadt Amman eintraf, rief Israel und die militanten Palästinenser noch einmal eindringlich zu einer sofortigen Waffenruhe und zur Einhaltung der jüngsten Resolution des Sicherheitsrates auf. Ban wird am Donnerstag ebenfalls in Israel erwartet.

Am Mittwoch hatte die im Gaza-Streifen herrschende radikal-islamische Hamas erstmals erkennen lassen, dass sie bereit sei, die ägyptische Initiative für einen Stopp des Blutvergießens zu akzeptieren. Der Plan sieht eine dauerhafte Waffenruhe, ein Ende des Waffenschmuggels in den Gaza-Streifen und eine Aufhebung der israelischen Blockade des Palästinensergebiets vor.

Auch Israels Unterhändler Amos Gilad will am Donnerstag in Kairo mit den ägyptischen Vermittlern sprechen. Dem Vernehmen nach wird er von ihnen die Antworten zu hören bekommen, die die Hamas-Führung in Hinblick auf die ägyptische Friedensinitiative formuliert hat. Einzelheiten wurden dazu nicht bekannt. Auf einer tumultartigen Pressekonferenz in Kairo, die knapp fünf Minuten dauerte, sagte der Hamas-Unterhändler Salah al-Bardawil am Mittwochabend lediglich, dass seine Organisation den Vermittlern ihre "detaillierte Vision in Hinblick auf die palästinensischen Forderungen und Bedürfnisse" unterbreitet habe.

DPA/AP AP DPA

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