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Geiseldrama: Italienerinnen wieder in ihrer Heimat

Die beiden im Irak freigelassenen Italienerinnen sind wohlbehalten in Rom angekommen. Nach eigenen Worten wurden sie während ihrer dreiwöchigen Geiselhaft gut behandelt.

Simona Pari und Simona Torretta, die für eine private Hilfsorganisation gearbeitet hatten, waren am Dienstag an verschiedenen Stellen vermutlich im Raum Bagdad freigelassen worden, berichtete das italienische Fernsehen. Die beiden Frauen waren am 7. September in der irakischen Hauptstadt verschleppt worden.

Ihre Entführer seien "religiöse Menschen gewesen, die uns die Grundsätze des Islam lehrten und uns am Ende sogar um Entschuldigung baten", sagte die Freigelassene Simona Torretta nach ihrer Ankunft in Rom. Nach Angaben des italienischen Fernsehens wurden die beiden Frauen von den Kidnappern gemeinsam an einem Ort gefangen gehalten. Torretta will bald in den Irak zurückkehren.

Offiziell keine Lösegeldzahlung

Der italienische Europaminister Rocco Buttiglione sagte: "Das ist ein Tag der Freude für alle Italiener." Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer nahm die Nachricht von der Freilassung "mit großer Erleichterung" auf, wie ein Sprecher in Berlin mitteilte. Zugleich forderte er die Entführer und ihre Hintermänner im Irak erneut mit allem Nachdruck auf, alle Geiseln ohne Verzögerung wohlbehalten und unversehrt freizulassen.

Wenige Stunden vor der Freilassung der Italienerinnen hatte die kuwaitische Zeitung "Al-Rai Al-Aam" von der bevorstehenden Freilassung gegen Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von einer Million Dollar berichtet. Die Entführer hätten am Montag bereits die Hälfte der Summe erhalten. Offiziell wurden zunächst keine Lösegeldzahlungen bestätigt. Unklar sei noch, welche Gruppe die Frauen tatsächlich entführt habe, hieß es in Rom weiter.

Schicksal weiterer westlicher Geiseln unklar

Im Irak waren in den vergangenen Monaten mehr als 100 Ausländer entführt worden. Mindestens 28 von ihnen wurden ermordet. Weiter unklar ist das Schicksal von drei westlichen Geiseln. Dabei handelt es sich um die am 20. August entführten französischen Journalisten Georges Malbrunot (41) und Christian Chesnot (37) sowie den britischen Ingenieur Kenneth Bigley (62), der am 16. September aus einem Wohnhaus in Bagdad verschleppt worden war.

Im Irak wird unterdessen die Konfrontation zwischen Aufständischen und dem Militär in den Rebellenhochburgen im Westen des Landes immer härter. Die US-Armee bombardierte am frühen Morgen erneut mutmaßliche Verstecke von Anhängern des jordanischen Terroristen Abu Mussab el Sarkawi in Falludscha. Das US-Militärkommando sprach von einem «Präzisionsschlag» gegen eine Basis der Terroristen in Falludscha. In Ramadi sprengte sich ein Attentäter mit seinem Wagen in der Nähe eines US-Konvois in die Luft. Bei einem Angriff von Aufständischen in Basra im Süden des Landes kamen zwei britische Soldaten ums Leben.

Deutschland liefert 20 Transportpanzer

Die Bundesregierung will das irakische Militär indes mit 20 Transportpanzern ausstatten. Die Truppenfahrzeuge vom Typ "Fuchs" werden zunächst in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) geliefert, wo Deutschland irakische Soldaten ausbilden will. Das sei nach Gesprächen mit der irakischen Übergangsregierung und den VAE beschlossen worden, teilte Regierungssprecher Béla Anda in Berlin mit.

Anda verwies darauf, dass Berlin mit der Lieferung der Panzer Nato-Beschlüsse umsetze. Die für den Irak vorgesehenen Panzer seien unbewaffnet. Es werde noch geprüft, ob Deutschland weitere Bitten der irakischen Übergangsregierung um Ausbildung im Bereich Straßen- und Brückenbau sowie bei der Sprengmittelbeseitigung erfüllen könne. Der Auswärtige Ausschuss des Bundestags soll an diesem Mittwoch über die Rüstungshilfe beraten. Bisher hatte die Bundesregierung nur zugesagt, 100 Bundeswehr-Lastwagen zu liefern und außerhalb des Iraks Soldaten und Polizisten auszubilden.

DPA / DPA