George Tenet Der Leisetreter


Eigentlich war der Sohn griechischer Einwanderer eine eher farblose Gestalt, ein Karrierebeamter, der schließlich 1997 zum CIA-Direktor ernannt wurde. Anders als seine Vorgänger, hinterließ er weder im Militär noch in der Politik große Spuren.

Nur die dicke Zigarre im Mundwinkel von George Tenet passte ein bisschen in das Abenteuerbild eines geheimnisvollen, in dunklen Hinterzimmern agierenden Geheimdienstchefs. Doch die Zigarre blieb seit langem kalt. Tenet gab das Rauchen wegen Herzproblemen vor langem auf. Ansonsten war der Sohn griechischer Einwanderer eine eher farblose Gestalt, ein Karrierebeamter, der bis zu seiner Ernennung zum CIA-Direktor 1997 anders als seine Vorgänger weder im Militär noch in der Politik große Spuren hinterlassen hatte.

Konnte kein Geheimnis für sich behalten

Auch die Kindheit prädestinierte ihn nicht für das große Amt. Mit seinem Zwillingsbruder William arbeitete er in Queens (New York) zeitweilig im familieneigenen Diner, einem typisch amerikanischen Familienrestaurant. Der kleine George habe ständig geredet und nie ein Geheimnis für sich behalten können, wussten Familienfreunde amerikanischen Medien zu berichten.

Seinem Ruf als effizienter Leisetreter dürfte Tenet (51) es verdanken, dass er in Präsident George W. Bushs innerem Zirkel als einziger prominenter Clinton-Intimus überlebte. Bush mochte den gewissenhaften Beamten. Anders als sein Vorgänger ließ er sich die neuesten Geheimdiensterkenntnisse jeden Morgen persönlich von seinem CIA-Chef vortragen - damit war Tenet einer der häufigsten Besucher im Oval Office.

Spielte schon einmal Sündenbock

Tenet enttäuschte den neuen Dienstherren nicht. Im vergangenen Juli stellte er sich als Sündenbock vor Bush, als dieser wegen falscher Behauptungen über irakische Atomwaffenaktivitäten in die Kritik geriet. Es sei seine Schuld, dass Bush sich so geäußert habe, sagte Tenet. Er habe es versäumt, die falschen Aussagen aus dem Redetext zu nehmen.

Die Rücktrittsforderungen vor allem aus der konservativen Ecke wurden immer lauter. Tenet habe dabei versagt, den Geheimdienst nach dem Ende des Kalten Krieges für die neue Weltordnung umzukrempeln. Er habe es vor den verheerenden Anschlägen im September 2001 versäumt, vor der wachsenden Terrorbedrohung zu warnen, wurde ihm vorgeworfen.

Jahrelange Senatsarbeit

Tenet studierte an den renommierten Universitäten Georgetown in Washington und Columbia in New York Politik und internationale Beziehungen. Präsident Bill Clinton holte ihn 1992 als seinen persönlichen Berater ins Weiße Haus und machte ihn 1995 zum CIA-Vize. Seine Sporen hatte Tenet sich jahrelang in führenden Positionen in den Senatsausschüssen für Abrüstung und Geheimdienste verdient.

Zuvor arbeitete Tenet im Büro des republikanischen Senators John Heinz. Heinz, Erbe des gleichnamigen Ketchup-Imperiums. Besagter Heinz starb 1991 bei einem Flugzeugabsturz. Pikantes Detail: Seine Witwe ist heute mit dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber John Kerry verheiratet.

Christiane Oelrich/DPA DPA

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