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Klimagipfel in New York: Thunberg klagt leidenschaftlich Politiker wie Merkel an - und ist den Tränen nah

"Wie können Sie es wagen": Diesen Satz hat Greta Thunberg in ihrer Wutrede auf dem Klimagipfel den Zuhörern mehrfach entgegengeschleudert - unter ihnen Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin wollte den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen.

Emotionale Rede: "Was erlaubt ihr euch?" Greta Thunberg liest den Politikern beim UN-Klimagipfel die Leviten

Der Klimagipfel beginnt mit einer Wutrede, wie sie die UNO noch nie erlebt hat. Denn es ist kein Staats- oder Regierungschef, der seinen Zorn entlädt, sondern eine 16-Jährige. Greta Thunberg beschuldigt die am Montag in New York zu einem Klimagipfel versammelten Staatenlenker, die Bedrohung des Planeten nach wie vor kleinzureden und in ihrer Verantwortung für die junge Generation zu "versagen". Aber die jungen Leute hätten begonnen, "diesen Verrat zu verstehen", ruft Thunberg aus.     

Zu den Zuhörern im Saal gehört Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich durchaus direkt angesprochen fühlen darf. Denn das Maßnahmenpaket ihrer Regierung hält die von Thunberg begründete Bewegung Fridays for Future für "desaströs", da es für keinen "echten Klimaschutz" sorge.   

Greta Thunberg guckt Donald Trump ernst an.

 

Greta Thunberg reicht Menschenrechtsbeschwerde ein

Parallel zum Klimagipfel haben Thunberg und 15 andere junge Aktivisten eine Menschenrechtsbeschwerde bei der UNO eingereicht, die sich auch gegen Deutschland richtet. Das von ihnen angeprangerte Versagen der Regierungen in der Klimapolitik sehen die jungen Leute als Verstoß gegen die Kinderrechte.    

"Wie können Sie es wagen!" - Diesen Satz schleudert Thunberg gleich mehrfach den Staatenlenkern entgegen. "Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eine Massen-Aussterbens, und alles, worüber Sie reden können, sind Geld und Märchen von ewigem wirtschaftlichen Wachstum. Wie können Sie es wagen!" Mehrfach scheint die zornige und zierliche Anklägerin auf der Bühne den Tränen nahe.    

Die Kanzlerin spricht kurz danach. Zwar antwortet sie nicht direkt auf Thunberg. Doch dass sie den Vorwurf der Tatenlosigkeit nicht auf sich sitzen lässt, wird mehr als klar. Das gerade noch rechtzeitig vor dem Gipfel von ihrer Regierung auf den Weg gebrachte Klimaschutzpaket bezeichnet Merkel als Beginn eines "tiefgreifenden Wandels" in Deutschland.     

Antonio Guterres hat Gipfel sorgfältig organisiert

Die Kanzlerin hat Thunberg in den vergangenen Monaten immer wieder gelobt - und sogar zugegeben, dass sie durch die neue Jugendbewegung "zum Handeln getrieben" worden sei. Doch beschreibt Merkel in ihrer vierminütigen UN-Rede ihr Klimapaket auch als Kompromisslösung, wie sie von Regierungspolitikern nun mal gefunden werden müsse. Es gelte gelte, möglichst viele gesellschaftliche Gruppen in den angestrebten Wandel einzubeziehen: "Aufgabe jeder Regierung ist es, möglichst alle Menschen mitzunehmen."    

UN-Generalsekretär António Guterres hat den Gipfel sorgfältig inszeniert. Auch er sieht die neue Jugendbewegung als wichtige Antriebskraft für die Politik. Deswegen lässt er Thunberg und andere junge Aktivisten gleich zu Beginn des Gipfels zu Wort kommen, deshalb hat er bereits am Samstag einen eigenen Klimagipfel für die Jugend veranstaltet.    

Guterres setzt darauf, dass die jungen Aktivisten den Regierungen Dampf machen, damit die im Pariser Abkommen von 2015 vereinbarten Ziele für die Kohlendioxid-Reduktion doch noch erreicht werden können. Und dennoch ist von vornherein klar, dass Erfolg des Gipfels begrenzt sein wird. Denn das Engagement der Regierungen ist sehr ungleich verteilt.     

Donald Trump straft Gipfel mit Missachtung

So straft US-Präsident Donald Trump, der den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Abkommen anstrebt und unbeeindruckt von allen Protesten weiter auf die fossilen Energieträger setzt, den Gipfel mit Missachtung. Zwar taucht er überraschend bei der Versammlung auf und setzt sich als Zuhörer in die Reihen. Doch nach wenigen Minuten ist er schon wieder weg  - Trump hat an diesem Tag einen Gipfel zur Religionsfreiheit auf dem Programm, der ihm wichtiger ist.    

Als Thunberg geredet hat, war Trump noch nicht im Saal. Doch die 16-Jährige macht in ihrer Wutrede ohnehin keine Unterschiede. Ihre Warnung richtet sie an alle Regierungen: "Die Augen aller künftigen Generationen ruhen auf Ihnen. Und wenn Sie uns im Stich lassen (...), werden wir Euch nie vergeben!"       

tis / Daniel Jahn / AFP