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Sehen und Verstehen: So funktioniert der Rettungsschirm für Griechenland

Griechenland braucht dringend weitere Gelder aus dem Hilfspaket. Die Mittel werden über den ESM vergeben - ein Rettungsschirm, den Europa aufgespannt hat, um den Euro abzusichern. Unsere Grafik erklärt das komplexe System. 

Was ist der Rettungsschirm?

Normalerweise beschaffen sich Staaten Geld auf den internationalen Finanzmärkten. Sie verkaufen Anleihen an Investoren und zahlen ihnen das Geld irgendwann mit Zinsen zurück. Ab 2010 war die Finanzlage in einigen Eurostaaten so prekär, dass Investoren ruinös hohe Zinsen für ihre Gelder verlangt hätten.

Geschichte des Rettungsschirms
10. Mai 2010

Die EU und die Eurostaaten beschließen die Einrichtung des EFSM und des EFSF. Zusätzliche Hilfen sollen vom IWF kommen.

21. November 2010

Irland schlüpft als erstes Euroland unter den Rettungsschirm, im April 2011 erhält dann Portugal ein Hilfspaket mit Kreditzusagen.

21. Juli 2011

Auf ihrem Sondergipfel verabschieden die Eurostaaten ein zweites Hilfspaket für Griechenland – erste Hilfskredite der EU gab es schon im Frühjahr 2010.

2. Februar 2012

Der Vertrag zur Einrichtung eines Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) wird
unterzeichnet und nimmt am 8. Oktober 2012 seine Arbeit auf.
 

26. Juli 2012

EZB-Präsident Mario Draghi verkündet, die EZB werde „innerhalb ihres Mandats alles Erforderliche tun, um den Euro zu erhalten“.
 

11. Dezember 2012

Der ESM zahlt die ersten 39,47 Milliarden Euro an Spanien. Im Februar 2013 folgen weitere 1,87 Milliarden.

Dezember 2013

Irland und Spanien verlassen den Rettungsschirm. Im Mai 2014 beendete Portugal fristgerecht sein ökonomisches Reformprogramm.

24. Februar 2015

Irland und Spanien verlassen den Rettungsschirm. Im Mai 2014 beendete Portugal fristgerecht sein ökonomisches Reformprogramm.

Andere Euroländer bekamen Angst um die gemeinsame Währung und halfen den Krisenländern zunächst mit verhältnismäßig günstigen bilateralen Krediten. Dann schufen die EU-Staaten zwei provisorische Institutionen, die den  notleidenden Mitgliedsstaaten Geld zu akzeptablen Zinsen besorgen sollten: den Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) und die Europäische Finanzstabilisierungsfaszilität (EFSF). Inzwischen ist die Aufgabe dauerhaft auf den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) übergegangen, EFSF und EFSM geben keine neuen Anleihen mehr aus.


Wie funktioniert der Rettungsschirm?

Der ESM vergibt Kredite zu günstigen Zinsen und mit langen Laufzeiten. Im Gegenzug müssen die Krisenstaaten ihre Finanzen reformieren und sparen. Das Geld für die Kredite holt sich der ESM am Finanzmarkt, indem er Anleihen an Investoren in aller Welt verkauft. Weil die starken Eurostaaten für die Rückzahlung der Anleihen garantieren, verlangen die Geldgeber nicht so hohe Zinsen.  


Wer hat wieviel gegeben?

Der ESM verfügt über eine Einlage von 80,5 Milliarden Euro, die seine Mitgliedsstaaten eingezahlt haben (deutscher Anteil: 21,7 Milliarden Euro). Für 624 weitere Milliarden Euro garantieren die ESM-Mitglieder. Sie müssen nur dann einspringen, wenn die Krisenstaaten ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Bislang ist kein deutsches Steuergeld an die Krisenstaaten geflossen. 


stern-Infografik / rös