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Griechenland-Krise: Tsipras' Kampfansage verschreckt die Börsen

Athen bleibt hart: Griechenlands linker Regierungschef Alexis Tsipras lehnt eine Verlängerung des Rettungsprogramms und der Sparauflagen ab. Europas Aktienmärkten gefällt das gar nicht.

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras bleibt auf Konfrontationskurs zu den Euro-Partnern und sorgt damit an Europas Aktienmärkten für schlechte Laune. Dax und EuroStoxx50 verloren am Montagmorgen in der Spitze jeweils rund zwei Prozent. An der Athener Börse stürzte der Leitindex Athex um 5,38 Prozent ab. Der Bankenindex des Landes gab sogar mehr als acht Prozent nach.

Auch mit den Geldeinlagen der Griechen geht es rasant abwärts: Sie seien mittlerweile auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Finanzkrise gefallen, hieß es aus Athener Bankenkreisen. Aus Angst vor einer schlagartigen Verschlechterung der Finanzlage hätten zahlreiche Firmen, aber auch einzelne Bürger ihre Geldeinlagen auf das geringste notwendige Maß verringert.

Die konservative Zeitung "Kathimerini" hatte zuvor berichtet, die Geldeinlagen seien erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise auf 147 Milliarden Euro gefallen, und damit unter den bisherigen Minusrekord von etwa 150 Milliarden Euro im Juni 2012. Griechische Bankkunden hätten im Dezember und Januar etwa 16 Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben. Wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Bankenkreise in Athen berichtet, dauert dieser Trend im Februar an.

Athen besteht auf Neuverhandlung

Tsipras hatte bei der Vorstellung seines Regierungsprogramms am Sonntag seine Abkehr vom Sparkurs bekräftigt. Er hält trotz Widerstands der Gläubiger daran fest, aus dem bisherigen Hilfsprogramm auszusteigen und will stattdessen mithilfe einer Überbrückungsfinanzierung eine neue Lösung der Schuldenkrise aushandeln.

Die Rettungsprogramme hätten versagt, in seinem Land spiele sich eine humanitäre Katastrophe ab und die werde er beenden, versprach Tsipras. Dazu müssten die Spar- und Reformprogramme, mit denen die europäischen Partner und der Internationale Währungsfonds Griechenland vor der Pleite gerettet hatten, nicht verlängert, sondern neu aushandelt werden. Eine Verlängerung wäre nur eine "Ausweitung von Fehlern und Desaster".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte am Montag am Rande einer SPD-Klausur in Brandenburg, Tsipras habe mit seiner Regierungserklärung den Vorstellungen der EU-Kommission "nur in Maßen entsprochen". Der Ministerpräsident dürfe "nicht davon ausgehen, dass sich die gesamte Stimmung in Europa so verändert hätte, dass die Eurozone ohne Abstriche das Regierungsprogramm von Tsipras übernimmt". Juncker deutete jedoch auch Gesprächsbereitschaft an.

Gabriel lässt Athen bei Kriegsschulden abblitzen

In seiner Ansprache am Sonntag bekräftigte Tsipras auch seine Forderung nach deutschen Zahlungen aufgrund einer Zwangsanleihe des NS-Regimes im Zweiten Weltkrieg. Von Reparationszahlungen fast 70 Jahre nach dem Krieg will die Bundesregierung aber nichts wissen. "Die Wahrscheinlichkeit ist Null", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel zu solchen Zahlungen. Spätestens mit dem Zwei-plus-Vier-Abkommen im Vorfeld der deutschen Einheit seien "alle diese Themen rechtlich beendet worden".

Nach griechischer Rechnung müsste Berlin Athen elf Milliarden Euro zahlen. Es geht dabei um einen Zwangskredit über 476 Millionen Reichsmark, den die Nazis 1942 von der griechischen Notenbank erhoben. Dessen Rückzahlung war zwar vertraglich vereinbart worden, doch die Gelder bekam Griechenland bis heute nicht. Um die Frage nach einer Kriegsschuld zu klären, müsste Athen gegen Deutschland vor Gericht ziehen - und mit erbittertem Widerstand der Bundesregierung rechnen.

mad/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters