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Großbritannien: Brexit oder Stirb: Was Boris Johnson und James Bond gemein haben

Wer zuerst zwinkert, verliert. Das ist die Brexit-Strategie von Boris Johnson. Und erstaunlich viele Briten finden: Er hat Recht.

Umstrittener Politiker: Boris Johnson – das ist der Mann, der die Briten aus dem Brexit-Chaos führen will

Nehmen wir einmal an, wir befänden uns nicht in der größten politischen Krise Großbritanniens seit Jahrzehnten. Sondern in einem Drehbuch für, sagen wir mal, den neuen James Bond. Der soll für das britische Königreich etwas Unglaubliches durchsetzen, gegen große Widerstände, gegen das Establishment und gegen den Common Sense der ganzen Welt. Er allein weiß aber, dass es das Beste für alle ist, die große Freiheit winkt, nur versteht es keiner, von daher muss er zu außergewöhnlichen Maßnahmen greifen. Er belügt die Öffentlichkeit, er umgeht die Instanzen, dann sperrt er auch noch alle de facto aus. Besondere Zeiten erfordern besondere Mittel, und so weiter.

Das Drehbuch sieht den Helden als Lone Ranger, der alles besser weiß. Der alles riskiert für das ultimative Ziel. Und genau das ist Boris Johnson. Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass er sich genau so sieht: Der einzige, der in dieser Situation die Chuzpe hat, alles zu riskieren, um das ultimative Ziel zu erreichen: den Brexit, den Austritt. Die Freiheit.

Boris Johnsons Kurs ist konsequent

Denn schon längst geht es im Narrativ des Boris Johnson nicht mehr um die Frage EU oder nicht. Oder irischer Backstop oder nicht. Es geht allein – wie in jedem James Bond Film – um die Frage: Gewinnen wir oder die? Sind wir die Nation des Empire, des Commonwealth, die Gewinner des Zweiten Weltkriegs? Oder sind wir Vasallen von Brüssel, ein Staat unter 28, gar einer unter dem angeblichen Diktat der deutschen Wirtschafts-Allmacht?

Der Kurs der Boris Johnson Regierung ist nicht verrückt. Oder überraschend. Er ist noch nicht einmal vorherrschend anti-demokratisch. Er ist vor allem konsequent. In dem Moment, in dem der konservative Premier David Cameron den Ausgang des Brexit-Referendums als bindend festgelegt hat, war der Kurs von Boris Johnson klar: Er würde dieses Referendum nutzen, um die gesamte politische Arithmetik zwischen Westminster und Brüssel zu verändern. Den Grundstein gelegt hat er dafür als Journalist in Brüssel, die britische Öffentlichkeit fütterte er von dort mit Lügengeschichten über die EU, von erfundenen Verordnungen zu gekrümmten Bananen bis zu den erfundenen Regeln zum Versand von geräuchertem Fisch, die er noch als Premier jetzt gerade erst verbreitet hat – die EU war der Feind. Und er war die Lösung.

Premierminister Boris Johnson

Premierminister Boris Johnson

AFP

Johnson tut es James Bond gleich

In einem James-Bond-Drehbuch ist es der Held, der die Nation von solch Unsäglichkeiten befreit. Boris Johnson besetzt genau dieses Narrativ. Er befreit die britische Nation. Eine neue Mehrheit konservativer Wähler steht hinter ihm, Blitz-Spirit bereit. Wir können vom Kontinent aus nur schauen, wie sich Gegenstimmen sammeln, wie sie Generalstreiks planen, das Parlament sich empört.

Doch es bleibt die Tatsache: 2016 wählte eine Mehrheit, wenn auch eine kleine, den Brexit. Und diese Tatsache wird Boris Johnson nutzen, wie in einem Thriller-Drehbuch, als Rechtfertigung, um eine Nation zu verändern, ob sie es will oder nicht. Wann hat James Bond je gefragt, wie sinnvoll sein Auftrag ist? Er kämpft im Namen von Nation und Königin. Und Boris Johnson tut es ihm gleich. Ein Agent mit Blondschopf und königlicher Genehmigung. Und dem Gefühl, gegen alle Widerstände: Alles richtig zu machen.